Vergessene Spieleperle: Lunar Knights

Heimlich und still erschien Lunar Knights in diesem Frühling. Trotz guter Spielbarkeit und hübscher 2D-Grafik lassen selbst Vielzocker das Spiel links liegen. Zu Unrecht!

Lunar Knights – nicht zu verwechseln mit dem Rollenspiel Lunar Genesis – ist der Nachfolger zu Boktai 2. Das Team um den Produzenten Hideo Kojima verzichtete im dritten Teil auf die Solarzelle, die Veränderung des Wetters und der Tageszeit wirkt sich dennoch auf das Gameplay aus. Gespickt mit kleinen Rätseln, Aufträgen und fiesen Gegnern, präsentiert sich das Spiel als ein tolles Action-Adventure, das zudem noch mehrere, mit Touchscreen zu steuernde Flugmissionen vorzuweisen hat. Der Wiederspielwert ist höher als in so manchen durchschnittlichen Spielen, denn zwei weitere Schwierigkeitsstufen und ein zusätzliches Kampfgebiet sollen die Spieler motivieren, das Spiel mehrmals durchzuspielen.

Man müsste nach dem Klagen der Vielzocker über mangelndes Spielefutter (für ihren Geschmack) eigentlich davon ausgehen, dass ein gutes Action-Adventure wie Lunar Knights gesunde Resonanz erhält. Doch das Spiel verkauft sich eher mässig, und selbst unter den sogenannten Core-Gamern gab es kaum Tumulte, als das Spiel endlich auf dem Markt war. Warum dieses Desinteresse? Das Spiel erzielt in fast jedem Review gute bis sehr gute Noten. Sicherlich kann man einige Aspekte kritisieren: Im Kampf verliert man selten das Leben, dafür umso häufiger auf sehr billige Weise, wie zum Beispiel durch Herunterfallen von Plattformen oder extrem lebensenergieraubende Fallen. Ausserdem ist die Verbesserung der Waffen ab einer gewissen Stufe etwas zu aufwändig. Die spielerischen Mängel sind aber eher vernachlässigbar und erklärt die Unbeliebtheit des Spiels nicht. Die Grafik ist angenehm in normalen Kämpfen und effektgeladen in den Terennialeinsätzen. Kurze Filmausschnitte sorgen für gelegentliche Augenfutter, auch die Sprachsamples wissen einem zu gefallen. Kurz: Das Spiel selbst ist keine Enttäuschung, der mangelnde Erfolg hat andere Ursachen.

Wohl ist die Spielreihe schon von Anfang an kein Hitseller, Boktai hat sich überall auf der Welt eher mässig verkauft. Mit Lunar Knights hat Konami allerdings quasi einen Neuanfang gemacht und durch das Weglassen der Solarzelle die Spielweise umgestellt. Sicherlich spricht das Spiel nicht jeden an, aber die mangelnde Resonanz bei den Vielzockern ist beschämend. Gerade von diesen Spielern, die angeblich nichts mit den neuartigen Spielen wie Nintendogs und Gehirnjogging anfangen können, hätte ich erwartet, dass sie auf das Spiel stürzen würden. Da sie aber hier nicht zugreifen, senden sie an die Spielehersteller das Signal, dass der Markt solche Spiele nicht verlangt. Insofern haben die Vielzocker Mitschuld an ihrer eigenen Situation, denn warum sollen Spielehersteller aufwändige Spiele nach dem Geschmack der Vielzocker produzieren, wenn diese sich nicht verkaufen, hingegen günstige Lizenzspiele wie jene von THQ sich weit besser absetzen können?

Diese Kolumne ist in diesem Sinne nichts weiter als ein Versuch, das Spiel „Lunar Knights“ den Respekt entgegenzubringen, den es verdient hat; und diese Kolumne ist auch eine Aufforderung an alle Spieler und Spielerinnen, die sich selber als „Core-Gamer“ betrachten, Lunar Knights zu kaufen und vor allem zu spielen. Viele Zocker kritisieren das Spieleangebot des DS, ohne sich bewusst zu sein, wie viele gute Spiele eigentlich bereits auf dem Markt sind. Liegt es vielleicht daran, dass sie sich zu sehr an grossen Hits orientieren? Ich würde diese Behauptung bejahen, neben Lunar Knights bekamen auch Advance Wars: Dual Strike und Kirby von den Vielzockern nicht jene Resonanz, die ich bei solch spielerisch hervorragenden Spielen erwartet hätte. Ein Glück hingegen ist die Tatsache, dass der DS sich derart gut verkauft, dass man trotz dieser schwachen Spielerresonanz weiterhin auf eine gute Anzahl von Spielen erwarten kann, die in erster Linie die Core-Gamer ansprechen wollen.

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Eine Antwort zu Vergessene Spieleperle: Lunar Knights

  1. Otaku1990 sagt:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Lunar Knights nicht dermaßen überzeugen konnte, wie dich. Mir war das Spielprinzip etwas zu eintönig, die Weltraummissionen waren meiner Meinung nach auch nicht unbedingt der Kracher und die englische Sprachausgabe, sowie die deutsche Lokalisation amateurhaft. Im vorletzten Kapitel hatte ich dann entgültig die Lust an dem Titel verloren, da ich aufgefordert wurde, ständig hin- und her zu laufen und das Klima umzustellen.

    Lunar Knights ist beileibe kein schlechtes Spiel und für einige DS-Besitzer sicherlich eine Investition wert, jedoch würde ich es nicht unbedingt als „Perle“ bezeichnen. Aber das ist ja nur meine eigene, bescheidene Meinung.