Anime-Mädels: Große Mädchen mit weichem Kern

Stereotype Frauenfiguren? In dieser Kolumne wird ein Typus vorgestellt, die man in Realfilmen so gut wie nie findet. Vorhänge auf für Sakaki, Kuji und Motoko!

Die Darstellung von Frauen in Animé und Manga wird häufig kritisiert: Manche lästern über das Fokussieren auf junge, bildhübsche Mädchen, andere wundern sich über die Bevorzugung von grossen Kuller- oder Rehaugen, und weitere Kritiker mögen es überhaupt nicht, dass die Figuren allzu oft als Sexobjekte daherkommen. Sie haben bestimmt nicht ganz unrecht, dennoch habe ich Mühe mit dieser Sichtweise. Denn haben all die Zeichner und Schöpfer nicht einige der wundervollsten Frauenfiguren geschaffen? Einen Frauentypus habe ich in westlichen Filmen noch nie gesehen, nämlich jenen des grossen, athletischen Mädchens, das unter ihrer Grösse leidet und eigentlich viel mädchenhafter und niedlicher ist, als die Leute sie sehen.

Exemplarisch ist zum Beispiel Fuyumi Kujirakawa von „Great Teacher Onizuka“. Sie tritt im neunten Band des genannten Werkes auf und wirkt etwas furchterregend, vor allem wenn sie eine ernste Miene aufsetzt. Mit 14 Jahren und einer Grösse von über 180 cm überragt sie nicht nur ihre Klassenkameradinnen, sondern auch die meisten Jungen gleichen Alters. Ihre exzellente Sportlichkeit sowie ihre Beliebtheit unter den Mädchen unterstreichen ihren jungenhaften Ruf. Ähnlich denkt Kunio Murai über sie, als sie ihm einen Liebesbrief einer Freundin übergibt. Doch im Verlaufe der Geschichte entdeckt er, dass sie eigentlich abgesehen von ihrer Grösse ein normales und nettes Mädchen ist. Ausserdem zeichnet sie leidenschaftlich kleine Geschichten und Manga-Figuren, was ein Kontrast zu ihrer Sportlichkeit darstellt. Spass macht die Geschichte um Kunio und „Kuji“ (ihr Kosename), weil sie ihn heimlich liebt und weil Kunio hin und her gerissen ist ob seiner Gefühle, da er bereits in ein anderes Mädchen verliebt ist. Sehr bedauerlich, dass der Autor Toru Fujisawa diese verzwickte Liebe nicht weiter erzählt. Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der darauf brennt zu wissen, wie die Beziehung der beiden sich weiterentwickelt.

Ganz ähnlich wie Kuji wirkt Motoko Aoyama von „Love Hina“ gefährlich und für Jungen unnahbar. Gemeinsam mit Kuji ist ihre Beliebtheit unter ihrer Kommilitoninnen, mit ihrer Schwertkunst schützt sie die anderen Mädchen vor Spannern und andere Gefahren. Motoko misst über 175 cm, und ist somit sogar grösser als viele japanische Männer. Ihr Hass (oder ist es Furcht?) auf Männern und Schildkröten ist berüchtigt, vor allem Keitaro, die Hauptfigur der „Love Hina“-Reihe, bekommt es häufig zu spüren. Motoko ist unter den Lesern beliebt, und im Laufe der Geschichte entdecken diese ihre mädchenhafte und scheue Seite. Ein typisches Problem der grossen Mädchen wie Kuji und Motoko ist ihre Schwierigkeit, sich niedlich zu zeigen. Aufgrund ihrer Grösse haben sie das Gefühl, sich ernster benehmen zu müssen, dabei haben sie das Herz und die Seele eines kleinen Mädchens.

Noch bekannter als Motoko und Kuji ist Sakaki von „Azumanga Daioh“. Das hohe, meist ernst blickende Mädchen, das im Manga sogar grimmig wirkt, gehört zu den beliebtesten Figuren in dieser Manga- und Anime-Serie; nur Chiyo-chan mag mehr Fans haben. Mit Motoko und Kuji hat Sakaki vieles gemeinsam: Sie misst mit 176 cm mehr als die meisten Mädchen, hat enormes Talent in allen Sportarten und leidet unter ihrem coolen Image. Letzteres spielt eine grosse Rolle in ihrer Persönlichkeit, weil einerseits Chiyo-chan genau so sein möchte wie Sakaki, während sie genau so niedlich sein möchte wie eben diese. Andererseits schwärmen viele Mädchen für sie, hier haben Sakaki und Kuji eine grosse Gemeinsamkeit. Was Sakaki betrifft, so hat sie sogar eine Verehrerin, die offensichtlich in sie verknallt ist. Während Kuji ihre niedliche Seite beim Zeichnen zeigt, hat Sakaki ein grosses Herz für Tiere, im speziellen für Katzen. Ihre Liebe zu jenen ist jedoch tragisch, weil sie ständig von ihnen gebissen wird.

Was Kuji, Motoko und Sakaki als spannende Figuren auszeichnet, ist ihre ambivalente Persönlichkeit: Sie haben einen berüchtigten Ruf, dem sie auf den zweiten Blick nicht gerecht werden. Leser und Zuschauer lieben ihre versteckte niedliche Seite, die sie nicht nur menschlicher erscheinen lässt, sondern vor allem viel hübscher. Natürlich hilft hier der Umstand, dass alle drei über ein tolles Äusseres verfügen, was ihnen allerdings nicht bewusst ist. Aber warum kommen solche Figuren in den westlichen Medien nicht vor? Auf diese Frage kann ich nicht schlüssig antworten, es bleibt nur festzustellen, dass man genau wegen solcher Charaktere Manga lesen und Anime schauen sollte.

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2 Antworten zu Anime-Mädels: Große Mädchen mit weichem Kern

  1. Ness sagt:

    Bei GTO bin ich seit längerem beim 9. Band stehengeblieben (weil EMA es nicht hinbekommt, den 10. Band nachzudrucken =( ), und Love Hina hab ich komplett, kenne also 2/3 der vorgestellten Figuren :-).
    Finde den Artikel auch recht interessant, weil er ja auch zutreffend ist und solch eine Thematik mir in westlichen Produktionen auch noch nicht wirklich aufgefallen ist, vielleicht eher noch in „Miss Undercover“ (mit Sandra Bullock) ^^. =)

  2. sSUKE GIRL sagt:

    COOL