Zwischen den Stühlen und der schwierige Weg daraus

Es ist einer schmaler Pfad zwischen Tradition und Revolution, den Eiji Aonuma nun erfolgreich bestreiten muss.

Eiji Aonuma würde über einen schwer in Mitleidenschaft gezogenen Rücken besitzen, wenn sich die Last, die er auf den Schultern trägt, nicht nur im Sprichwort zeigen würde. Und das alles hat er seinem Mentor zu verdanken, denn es war Shigeru Miyamoto, der den Designer mit der Leitung des Majoras Mask Projektes die Chance seines Lebens anbot. Seitdem zeichnete sich Aonuma für jedes The Legend of Zelda Spiel von EAD verantwortlich, aber so ganz überlässt Miyamoto seinem selbst erwählten Nachfolger noch nicht die Zügel. Wie ein Schatten lauerte der Altmeister bei der Mammut-Entwicklung von Twilight Princess im Hintergrund und mischte sich immer wieder in die laufenden Arbeiten ein. Das ist eine harte Schule, deren Abschlussklasse Aonuma noch immer nicht bestanden hat, zumindest aus Miyamotos Sicht. So beschimpfte er diesen am Anfang der Entwicklungsarbeiten zu TP als einen „Amateur“, weil dieser den Vorstoß zum Konzept der Wolfsverwandlung auf den Tisch brachte, um das Team zu eigenen Ideen anzuregen. An Beispielen wie diesem erkennt man die hohen Erwartungen, die der Mario-Vater in seinen Schützling legt. Miyamoto handelt in weiser Voraussicht, denn auf Aonuma lauert eine verwöhnte und übersättigte Meute, wie man sie im Reich der Videospiel kaum schlimmer vorfinden kann: Die Zelda-Fans.

Von jedem neuen Teil der legendären Reihe erwarten die zahlreichen Fans nicht nur einen Spitzentitel, sondern ein Jahrhundertwerk. Dabei arbeitet Aonuma auf einem längst abgeernteten Acker, wie er es während der Entwicklung von TP auch gegenüber Miyamoto sagte, als er Ocarina of Time als unbesiegbar einstufte. Dann folgte die Entscheidung, den neusten Zelda-Spross auch für die Wii Konsole zu veröffentlichen, inklusive einer vollständigen Anpassung der Steuerung und Aonuma sah DIE Innovation vor sich, die er brauchte, um sich aus dem übermächtigen Schatten von OoT bewegen zu können. Das sahen die angesprochenen Fans im Großteil anders und bezeichneten TP als eine Art „Best-of-Zelda“ mit einer alternativen Steuerung. Eine oberflächliche Einschätzung, die der im Spiel steckenden Arbeit nicht im Mindesten gerecht wird, aber von Aonuma vorhergesehen wurde.

Eiji Aomuma

Nintendo ließ schon vor dem Launch verlauten, dass Twilight Princess das letzte Zelda seiner Art darstellen würde. In der Tat soll sich das für den Nintendo DS produzierte Zelda-Abenteuer Phantom Hourglases nicht nur in der Art der Steuerung, die hier zu großen Teilen über den Touchscreen erfolgt, unterscheiden, auch der Spielaufbau soll frischen Wind reinbringen. Über das kommende Zelda für die Wii-Konsole schweigt sich Nintendo dagegen noch vollständig aus, viele Informationen würde es zu einem solch frühen Zeitpunkt ohnehin nicht zu teilen geben. Dennoch muss man keine Wahrsagerkugel bemühen, um eines mit Sicherheit sagen zu können: Sollte Nintendo den versprochenen radikalen Schritt wagen, wird der erste (und zweite, und dritte…) Aufschrei der Fans gewaltig ausfallen. Dies wird die Abschlussprüfung Aonumas werden: Er muss die The Legend of Zelda Reihe in ein neues Zeitalter führen, sich von Miyamotos Original lösen und darf dabei, trotz allen Veränderungen, das Feeling der Serie nicht zerstören. Aber was folgt danach, sollte der Plan gelingen?

Denkbar ist, dass es Aonuma seinem Lehrer nachmacht und jüngere Mitgliedern im Team in leitenden Positionen einsetzt – um sich einer eigenen (neuen) Franchise zuwenden zu können. Die Fähigkeiten des Mannes sind unbestritten, doch vielleicht wird er sein ganzes Potential erst entfalten können, wenn er die verführerische und doch Kräfte zehrende Klette namens Zelda abwerfen konnte und seine ganz persönlichen Visionen umsetzt. Man stelle sich einen Miyamoto vor, dessen Karriere nur aus der Weiterführung bestehender Reihen bestanden hätte. Mit dem Dreck wird er allerdings auch weiterhin leben müssen, da jedes mögliche Projekt in der Zukunft immer mit dem Vermerk auf seine Zelda-Vergangenheit versehen wird. Wer weiß: Vielleicht eifert er auch hier seinem Vorbild nach und lässt sich von einem seiner Hobbys inspirieren. Wobei – die Sparte der Koch-Simulationen auf Nintendo Systemen ist bedauerlicherweise schon abgedeckt.

4 Antworten zu Zwischen den Stühlen und der schwierige Weg daraus

  1. Ness sagt:

    Erst einmal Lob für die kleine Charakterstudie. ;-)

    Ich glaub ich werde dieses mal richtig versuchen von dem neuem Zelda so wenig wie mir möglich mitzubekommen, denn das nahm bei TP doch schon einige Szenen vorweg.
    Aber ich bin auch hinsichtlich des Gameplays des neuen Zelda-Spiels sehr gespannt darauf, was uns an Neuerungen entgegensteht. Und was es auch ist, enttäuschen wirds mich ganz bestimmt nicht. =)

  2. piccolo-junior sagt:

    Ich muss sagen, deine Artikel sind gut geschrieben, du hast einen interessanten Schreibstil^^

    Zum neuen Zelda sag ich nur, dass ich mich überraschen lasse. Ich verschwende noch keinen Gedanken daran.^^

  3. Wahrheit sagt:

    Was die Entwicklung von Zelda angeht kann ich eigentlich nur zustimmen… Auch ich glaube, dass das nächste Heimkonsolenzelda sich in eine etwas andere Richtung entwickeln wird…, das muss es nämlich, einfach weil man mit Zelda TP so genial es auch war, gerade weil es so genial war, das Ende einer Sackgasse erreicht hat… Man kann nicht noch einmal an OoT sich orientieren, nicht noch einmal das alte, gute, nun aber bereits perfektionierte Gameplay bringen, man kann ja nicht einmal grafisch viel rausreißen, weil die Wii nun einmal nicht so stark ist und vor allem kann man das Spiel nicht noch größer, umfangreicher, anspruchsvoller machen, einfach weil es dann nichts mehr für die Masse wäre… Daher wird sich Zelda, wie gerade auf dem DS, wohl auf Innovationen, auf Veränderungen, die Steuerung und so konzentrieren und überhaupt etwas simpler wieder werden… Ich bin da sehr gespannt darauf!

  4. Louie sagt:

    Also wenn ihr mich fragt ist solch ein Schritt dringend nötig – die Zelda Reihe ist einfach ausgeleiert, Twilight Princess war genial, aber auch nur weil es die besten Elemente aus allen anderen Zelda Teilen zusammengefasst hat; noch einmal funktioniert das nicht.

    Aonuma ist ein sehr begabter Entwickler aber die Zelda Reihe ist einfach nicht das was er am liebsten erschaffen würde, das merkt man – er hat sich mehr darauf spezialisiert in allen neueren Zelda Episoden einfach das zu recyceln was Miyamoto bereits mit früheren Spielen vorgab und das ganze mit einer anspruchsvollen Grafik und einer größeren Welt zu kombinieren.

    Zelda könnte so leicht ein spielbares Herr der Ringe sein, mit Drachen und Mythen, riesigen Schlachten, einer lebendigen Welt… aber bei Twilight Princess hatte man das Gefühl die Welt sei irgendwie tot. Die ganze Steppe ist nicht halb so interessant wie das viel kleinere Pedant aus Ocarina of Time.

    Stellt euch Spielspaß als kleine Würfel vor – Twilight Princess hatte sicher genauso viele dieser Würfel in sich wie Ocarina of Time aber es hat eine viel größere Welt und eine doppelt so lange Geschichte gebraucht um sie zu erzeugen.