Diversität im Spielangebot

Wenn ein Konsolenhersteller viele Konsolen verkaufen will, braucht er ein breites Spielangebot. Dabei ist nicht die blosse Anzahl wichtig, sondern die Vielfalt.

Nintendo hat mit jeder neuen Konsolengeneration immer weniger Konsolen verkauft. Das NES hatte gewiss Vorteile, die keine Konsole nach ihm haben: Das NES (in Japan: Famicom) musste lange nicht gegen Konkurrenten kämpfen und blieb deshalb ungewohnt lange auf dem Markt. Auch das SNES war weltweit die führende Konsole, während das N64 und der GameCube signifikant schlechtere Verkaufszahlen aufweisen. Welche Ursachen führen zu diesem Abgang?

Man kann nun verschiedene Gründe aufzählen, und wahrscheinlich sind viele davon richtig. Aber im Grunde genommen kann man immer auf das Spielangebot hinweisen, denn wenn ein System nicht genügend Spiele zur Auswahl bietet, dann haben die Spieler wenig Lust, viel Geld für eine Konsole zu investieren. Welche Konsole hat am meisten Spiele? Bisher hat immer der Marktführer die grösste Spielebreite, in den letzten zwei Generationen waren die Gewinner die PSX und ihre Nachfolgerin PS2. Das N64 besass zwar einige der wichtigsten Titel in der gesamten Videospielgeschichte, dennoch war die Konkurrenzkonsole von Sony die erfolgreichere. Die Qualität der Spiele alleine reicht deshalb nicht, um alle Spieler vom Kauf einer Konsole zu überzeugen.

Ocarina Of Time

Die schiere Menge an Spielen hilft einer Konsole nur bedingt: Die Xbox 360 zum Beispiel hat ein Jahr Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, dennoch kann sie sich nicht deutlich von der Wii und von der PS3 absetzen. An Spieletiteln mangelt es nicht, aber die 360 hat den Ruf einer Shooterkonsole, das heisst, First-Person-Shooter sind auf der 360 überrepräsentativ. Zwar sehen die 360-Zocker das Angebot differenzierter, dennoch hat die Konsole von Microsoft das Problem, dass wichtige Dritthersteller aus Japan die Konsole nur zögernd unterstützen – sieht man mal von Capcom und Tecmo ab. Um Marktführer zu werden, benötigt eine Konsole ein breites Spieleangebot, konkret eine hohe Diversität, um alle möglichen Zielgruppen anzusprechen. Wenn ein Konsolenhersteller nur Spiele für die Vielzocker präsentieren kann, dann fühlt sich nur eine männliche Minderheit zwischen 15 bis höchstens 40 Jahren angesprochen. Eine hohe Diversität bedeutet, dass erstens Mädchen und Frauen ebenso spassige Spiele unter dem Angebot finden – Spiele mit einem gänzlich anderen Konzept als jene, die unter den pubertierenden Jungen beliebt sind.

Wie erreicht ein Konsolenhersteller eine hohe Diversität? Indem er möglichst viele Firmen überzeugen kann, für die Konsole zu entwickeln. Die Schwierigkeit liegt also darin, die Dritthersteller für sich zu gewinnen. Am einfachsten hat in der Regel der Marktführer: In der Erwartung, dass die Spiele sich in der Nachfolgekonsole ähnlich gut verkaufen werden, entwickeln die unabhängigen Firmen eine solide Anzahl an Spielen für den Marktführer der letzten Konsolengeneration. Dieses Verhalten hat ohne Zweifel dem SNES, der PS2 und mit Abstrichen auch dem DS geholfen.

Wie aber muss ein Konsolenhersteller vorgehen, wenn er nicht der Marktführer, sondern der Herausforderer ist? Eine mögliche Taktik ist eine frühe Veröffentlichung der Konsole: Diese Taktik nutzen Sega und Microsoft, mit unterschiedlichem Erfolg! Zwar kann eine Konsole dadurch bereits eine Userbasis aufbauen, während die Konkurrenz erst noch auf dem Markt kommen muss. Aber oft verspüren die Spieler keine Lust, allzu früh in die nächste Konsolengeneration zu starten – die Folge sind eher verhaltene Verkaufszahlen. Nintendo wählt eine andere Strategie: Seit dem GameCube versucht sie, auf eigene Faust die ersten zwei Jahren mit Spielen zu füllen. Spitzfindige Leser mögen einwenden, dass diese Taktik Nintendo auch schon früher benutzte, allerdings hat die Firma erst in den letzten paar Jahren die notwendige Grösse erreicht, um einen wirklich stetigen Nachschub an Spielen zu garantieren.

Nintendo hat die Strategie zwar bereits beim GameCube anwenden wollen, aber erst später effektiv einsetzen können: Zur GameCube-Ära hat Nintendo nicht vermocht, die Softwareflaute im ersten Jahr zu verhindern, die grosse Softwarewelle kam erst in der zweiten Spielegeneration, war aber nicht immer qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Viele Spiele kamen zu früh raus und wirkten unfertig. Besser machte es Nintendo beim DS: Zwar profitiert der DS vom GBA, kam als Nachfolger des Marktführers in die Läden und hat in allen Märkten einen Blitzstart erzielen können; aber der DS bekam von Nintendo auch einen stetigen Nachschub an Spielen. Doch nicht nur das – die Spiele sind sehr verschieden, Nintendo hat sehr darauf geachtet, eine möglichst grosse Breite an verschiedenen Spielen anzubieten, unter anderem den neuen und enorm erfolgreichen Spielen wie Nintendogs und Brain Training. Diese Strategie des stetigen Nachschubs in den ersten zwei Jahren wird nicht bei der Wii fortgesetzt, sondern so konsequent wie nie zuvor angewendet: In fast jedem Monat kommt ein Spiel von Nintendo raus, eine Softwareflaute soll vermieden werden. Denn Nintendo weiss, dass sie als Herausforderin von Sony nicht zu stark auf die Dritthersteller verlassen kann, sondern sie muss selber für eine grosse Userbasis sorgen.

Eine Antwort zu Diversität im Spielangebot

  1. piccolo-junior sagt:

    Wieder mal ein hervorragender Artikel.^^ Nintendo muss aber aufpassen, nicht zu viele Spiele auf einmal zu releasen. Denn wenn Nintendo zu sehr die Dritthersteller konkurrenziert, könnte es geschehen, dass sich diese entscheiden lieber für eine andere Konsole zu releasen.