Virtual Console und der Reiz des Klassischen

Wie wichtig ist die Virtual Console für die Wii? Ein Fazit nach über zwei Monate Virtual Console und ein kurzer Quervergleich mit den Konkurrenzprodukten.

Seit jeher bin ich vom Potenzial der Virtual Console überzeugt: Nintendos Onlinegeschäft mit Spielen aus den 80er und bis späten 90er bietet einfach so viel, dass nur sture Grafikfetischisten nichts mit einigen der grossartigsten Spielen anzufangen wissen. Ende Januar 2007 hat Nintendo bekanntgegeben, dass sie bisher 1.5 Millionen Spiele mit der Virtual Console verkauft hat. Nimmt man an, dass Nintendo bis Ende Januar 2007 um die 4 Millionen Wii-Konsolenbesitzer gehabt hat, dann beträgt die „Tie-Ratio“ (Verhältnis Spiel pro Konsole) rund 0.4! Obwohl die Spieler monieren, dass die Spiele zu teuer sind, haben sie trotzdem sehr viele Spiele runtergeladen.

Das Interesse wird nach meiner Einschätzung nicht nachlassen, denn jede Woche veröffentlichen Nintendo und deren Partnerfirmen ein paar Spiele – die Spieler können sich deshalb wöchentlich darüber erkundigen, ob sich nicht ein absoluter Klassiker oder ein Geheimtipp unter den Neuveröffentlichungen befindet. Die Spiele werden nach derzeitigem Informationsstand nicht aus dem Kaufkatalog verschwinden, weil Nintendo von den anderen Firmen keine Gebühren für den Speicherplatz verlangt, sondern nur eine Gewinnbeteiligung an verkaufte Spiele. Schauen wir das bisherige Angebot an, so stellen wir fest, dass die Hersteller neben einigen Klassiker viele eher schlechte bis mittelmässige Spiele ebenfalls Einzug in den Katalog gefunden haben. Offensichtlich bemühen sich die Hersteller, vor allem ihre besten Spiele nicht zu schnell zu veröffentlichen, um auch die schlechteren Spiele Verkaufschancen zu geben.

Als Käufer kann man diese Taktik kritisieren, doch können wir nicht ignorieren, dass das Angebot bereits in den ersten zwei Monaten über einige der besten Spiele verfügt hat. Um einige Beispiele zu nennen: ‚Gunstar Heroes’, ‚Sonic: The Hedgehog’ und ‚Ristar’ für den Sega-Megadrive-Emulator; ‚Bomberman 93’, ‚Bonk’s Adventure’ und ‚R-Type’ für den TurboGrafX-Emulator; ‚Super Mario Bros.’ und ‚The Legend of Zelda’ für NES, gleich vier Klassiker für SNES (u.a. Super Probotector), und schliesslich Super Mario 64 für den N64-Emulator. Diese Fülle an Spiele hat dafür gesorgt, dass die Wii auch im Januar genügend Spielfutter bekommen hat. Die Virtual Console ist deshalb für viele eine Alternative, falls auf dem Markt gerade wenig neue Wii-Spiele erschienen sind. Wahrscheinlich gibt es auch einige Spieler, die sich zukünftig vor allem die Spiele aus dem Virtual-Console-Katalog erwerben und nur wenige Wii-Spiele kaufen, denn für die bisher fünf Spieleplattformen sind so viele gute Spiele entwickelt worden, dass man sich jahrelang damit befassen kann. Und brandneue Spiele könnten ebenso für die Virtual Console erscheinen.

Nintendo steht mit seinem Onlineverkauf nicht alleine da: Microsoft und Sony bieten ebenfalls Spiele zu runterladen an. Nicht wenige Spieler befürworten das System von Microsofts Xbox Live Arcade, denn kostenlose Demos sind verfügbar und die Spiele sind oft gründlich bearbeitet bzw. modernisiert worden. Leider hat Microsoft nicht dafür sorgen können, dass die Neuerscheinungen stetig kommen. Stattdessen müssen die Spieler oft sehr lange warten, bis wieder ein Spiel angeboten wird. Sony hat hochtrabende Pläne und möchte auch Titel aus der PSX-Ära zur Verfügung stellen. Bisher hat man allerdings wenig davon gesehen, das Angebot an Spielen ist bescheiden. Dafür hat Sony mit „Tekken 5: Dark Ressurection“ einen absoluten Knüller. Der Vergleich aller drei Angebote zeigt, dass Microsoft und Sony auf eine kostenaufwändigere Strategie setzt: Spiele werden nicht bloss emuliert, sondern stets aufgewertet und häufig grafisch bearbeitet. Nintendo ist hier deutlich bescheidener und bietet meist nur emulierte Spiele an, einige haben sogar fehlende Funktionen wie „Mario Kart 64“, das keine „Geisterfahrer“ (für Selbststudium des eigenen Fahrverhaltens) mehr speichern kann. Diese spartanische Aufmachung ist jedoch Absicht, um eine möglichst stetige Lancierung von neuen, alten Spielen zu garantieren.

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3 Antworten zu Virtual Console und der Reiz des Klassischen

  1. Ness sagt:

    Also ich bin ebenfalls von der VC begeistert, hab mir schon 10 Klassiker gekauft und werde auch weiterhin die genialen alten Spiele spielen und zu schätzen wissen. =)

  2. wahrheit sagt:

    Jo, VC ist super… Habe zwar bisher nur drei Games, aber die nächste Punktekarte gerade erst gestern bestellt…

  3. piccolo-junior sagt:

    Ich finde das mit dem VC auch eine gute Idee. Bis jetzt hab ich mir zwar nur MK 64. Aber sobald mal wieder eine Spieleflaute herrschen wird, kaufe ich mir auch noch ein paar andere Titel. Am meisten würde ich mich natürlich auf alte Rare Titel freuen.