Spielesupport für Wii: Aus Schaden wird man klug

Der Einfluss des DS auf Wii ist gross. Viele haben aber eines noch nicht bemerkt: Die Wii hat dem DS zu verdanken, dass der Spielenachschub im ersten Jahr solide ist.

Seit der Bekanntmachung des Wiimotes wird die Wii (damals noch bekannt als Revolution) mit dem DS verglichen. Zumindest die Philosophie dahinter scheint ähnlich zu sein: Das Hauptmerkmal bildet die Bedienung, das heisst die Steuerung, während das Audiovisuelle nicht oberste Priorität hat. Natürlich sehen engstirnige Leute solche Vergleiche nicht gerne, denn unterscheidet sich der Handheld-Markt nicht deutlich von jenem der Heimkonsolen? Sind die Voraussetzungen für die Heimkonsolen nicht grundsätzlich anders? Wollen die Spieler nicht ihre Soundanlagen nutzen, die Spiele nicht in bestmöglicher Auflösung sehen, und wollen sie nicht mit der Konsole auch Filme anschauen wollen?

Die Einwände haben ihre Berechtigung, denn nicht alles kann man von einem Markt auf den anderen übertragen – siehe die PSP, die trotz viele Ableger der PS2-Titel mit niedrigen Softwareverkaufszahlen kämpfen muss. Aber genauso wie ein übereifriger Vergleich dieser zweier Märkte zu viele Vereinfachung beinhalten kann, so kann die totale Verneinung von Parallelen einen blind machen.

Blind sind viele Spieler und auch Analysten, wenn sie zum Beispiel nicht einsehen, dass die niedrige Herstellungskosten für die Geräte ein Vorteil gleichermassen für die Wii und den DS ist: Weil die Hardware nicht so teuer und kompliziert ist, kann Nintendo schneller auf den Markt reagieren – deshalb lag der DS am Anfang vor der PSP und konnte den Vorsprung nutzen, und deshalb hat Nintendo als einziger Konsolenhersteller eine weltweite Veröffentlichung der Konsole zufriedenstellend hinkriegen. Die PSP brauchte ihre Zeit, bis sie über genügend Einheiten für alle drei Hauptmärkte (Japan, USA und Europa) verfügte; die Xbox 360 litt ebenfalls lange unter Geräteknappheit, und die PS3 startete mit einer minimalen Menge an verfügbaren Einheiten in nur zwei Märkten – Japan und die USA. Zwar hat die Wii ebenfalls völlig neu entwickelte Chips und kann die Nachfrage in den ersten Monaten nach dem Release nicht stillen, doch die meisten Beobachter der Videospielszene wissen, dass diese Nachfrage auf ein anderes Level ist als jene anfängliche Nachfrage der 360.

Viele Dritthersteller haben den DS am Anfang sträflich vernachlässigt, als Konsequenz haben sie sozusagen Geld auf dem Tisch liegengelassen, während einige wenige kluge Firmen wie Square-Enix und auch kleinere wie Atlus gute Gewinne und nebenbei noch Prestige mit dem DS einfahren können. Offensichtlich sind viele Firmen sind aus ihrem Fehler schlauer geworden: Während einige Spieler immer noch nicht einsehen wollen, dass die Wii ähnliche Erfolge wie der DS haben könnte (Achtung: Konjunktiv!), haben manche Produzenten und Entwickler den Braten längst gerochen. Ubisoft zum Beispiel unterstützt die Wii massiv, nicht zuletzt deshalb, weil sie bisherige Engines weiterverwenden und so Kosten sparen kann. Gewiss sind halbgare Umsetzungen von PS2- und Xbox-Spiele nicht das Gelbe vom Ei, und wir hoffen sehr, dass sich Ubisoft demnächst mehr Mühe gibt. Der Trend hingegen ist positiv! Softwaregigant EA unterstützt die Wii etwas besser als damals den Cube, Konami zeigt im ersten Jahr ebenfalls mehr Engagement als früher, und Hudson bietet mehr als nur TurboGrafX-Spiele für die Virtual Console an. Zwar können die Szenebeobachter nicht verneinen, dass die Wii wie alle neuen Konsolen am Anfang ein zu spärlicher Spielenachschub hat – doch die Dürreperiode ist deutlich kürzer als damals beim DS. Nintendo selber sorgt für eine bessere – d.h. stetigere – Spieleveröffentlichung, aber man muss einsehen können, dass die Dritthersteller schneller zum Zuge kommen. Denn wer will schon gerne einen Fehler zweimal machen? Die Hypothese, dass Wii seinen Spielenachschub dem DS zu verdanken hat, bleibt gewagt. Das momentane Geschäftstreiben zahlreicher Publisher zeigt jedoch eine deutliche Tendenz. Was zurzeit noch fehlt, ist eine gewisse Vielfalt an verschiedenen Spielen – hoffen wir, dass die Verantwortlichen noch ein bisschen mehr Mut in Wii-Projekten zeigen.

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2 Antworten zu Spielesupport für Wii: Aus Schaden wird man klug

  1. Ness sagt:

    Jo, was soll man noch sagen, kann dem wieder einmal gut geschriebenen Artikel eigentlich komplett zustimmen. =)

  2. piccolo-junior sagt:

    *g* Ich wollte das gleiche schreiben wie Ness. Dem Artikel kann man eigentlich nichts hinzufügen, ausser dass er wieder grossartig geschrieben ist.