Die Evolution des Controllers (Teil 1)

Durch Wii und PlayStation 3 rückten die Eingabegeräte der Videospielsysteme wieder ins Rampenlicht. Wo heute Bewegungserkennung groß geschrieben wird, regierte vor ein paar Dekaden vorallem ein großer Plastikstab. Ein Blick auf die Evolution des Gamecontrollers…

Die erste kommerzielle Heimkonsole und somit der erste Spielecontroller erschien 1972 unter dem Namen „Magnavox Odyssey“. Zusammen mit dem Gerät wurden zwei kleine Steuerpulte geliefert, weshalb der Käufer aufgrund fehlender CPU-Gegner zumindest sofort in ein Mehrspieler-Tennis-Duell mit einem Mitmenschen einsteigen konnte. Die Steuerung des minimalistisch dargestellten Rasensports (deren dreiste Kopie später als Pong bekannt werden sollte) steuerte sich allerdings unangenehm umständlich: An beiden Seiten des Eingabegerätes befand sich jeweils ein Drehregler, einer steuerte die horizontale, der andere die vertikale Bewegung. Nur durch koordiniertes Drehen beider Regler war es möglich, die Pixelschläger kontrolliert über das Feld zu dirigieren. Da verwundert es nicht, dass Atari-Gründer Nolan Bushnell bei seinem Pong-Spiel ausschließlich auf Bewegungen nach oben und unten setzte.

Den Schatz vieler Kinder der späten 70er-Jahre stellte das „Atari VCS“ (später bekannt als „Atari 2600“) dar. Leider ließ die eckige Konsole nicht nur Jungenherzen höher schlagen, sondern auch deren Hände erröten: Der VCS-Stick, ein quadratischer Controller mit genau einem Feuerknopf und Joystick in der Mitte, verursachte bei Spielen, die schnelles Rütteln des Steuerknüppels erforderten, schnell Krämpfe in den Spielerhänden. Auch das Gerät selbst wurde dabei strapaziert, weshalb Atari ein „Repair Kit“ auf den Markt brachte, um beschädigte VCS-Sticks wieder auf Vordermann zu bringen.
Trotz dieser, im wahrsten Sinne des Wortes, Ecken und Kanten wichen die Konsolenhersteller so schnell nicht mehr vom Controllerkonzept ab: Mehr als sieben Jahre lang wurde fast ausschließlich mit Joysticks gesteuert, neben denen sich ein bis zwei, selten mehr, Feuerknöpfe befanden. Doch 1983 war all dies auf einen Schlag vorbei: Der große Videospielcrash beendete die Ära der Heimkonsolen vorerst und Joysticks konnten nur noch in Gegenwart eines Spielecomputers gesichtet werden. Dass ein gewisser japanischer Konzern zu dieser Zeit bereits an der Rettung der Gamerwelt arbeitete, dürfte den meisten Lesern bereits bekannt sein…

1984 erschien Nintendos „Family Computer“, kurz „Famicom“ in den Gefilden Nippons. Nach dem Vorbild von Gunpei Yokois „Game & Watch“-Design wurde das erste Gamepad entwickelt: Herausstechende Merkmale waren die handliche Form und das Steuerkreuz. Konnte man mit den klobigen Joysticks sowieso nur selten in mehr als vier Richtungen lenken, gab es dafür nun eine bequemere Methode und die stellte den linken Daumen in den Mittelpunkt. Mit ihm wurde die Bewegungsrichtung der Spielfigur ganz bequem durch kleinste Bewegungen verändert, während sich der rechte Daumen mit den zwei Buttons „A“ und „B“ und ab und an mit den Tasten „Start“ und „Select“ beschäftigte. Bis zum heutigen Tage wurde diese Art der Steuerung im Grundaufbau beibehalten.
Wahrscheinlich hatten die meisten Leser bei meiner Beschreibung das klassische, graue NES-Pad mit den roten Feuerknöpfen vor Augen. Doch bevor dieses 1985 Einzug in die japanischen und amerikanischen Haushalte hielt, bekamen die Japaner ein Famicom mit anderen, fest mit der Konsole verdrahteten Controllern vorgesetzt: Die Famicom-Joypads, welche die Ziffern I und II schmückten, boten den Spielern unterschiedliche Funktionen: Während das Gamepad I die Fähigkeiten eines normalen NES-Pads besaß, fand man in Controller II ein Mikrofon vor, dafür fehlten Start und Select. Das Mikrofon wurde nur von sehr wenigen Spielen unterstützt: So erschreckte man in The Legend Of Zelda großohrige Hasenmonster mit einem Schrei und sagte in Dragon Quest Zauberformeln auf. Dieses Feature wurde aufgrund des schwachen Supports bald eingestampft und Käufer der ersten Famicom-Version konnten über einen Erweiterungsslot konventionelle Controller anschließen. Neukäufer hingegen mussten sich schon garnicht mehr mit den fest verkabelten Gamepads herumärgern.

Das Controllerkonzept wurde natürlich oft kopiert. So setzte Sega für sein „Master System“ ebenfalls auf ein Gamepad, welches mit einer Steuerkreuz-ähnlichen Richtungsscheibe und nur zwei Buttons, wovon einer auch die Start-Funktion innehaben konnte, daherkam. Der „PC Engine“- bzw. „Turbo Grafx 16“-Controller hingegen stellte eine dreiste Kopie des NES-Pendants dar: Das Design war fast identisch, nur die Knöpfe wurden anders benannt („I“, „II“, „Select“ und „Run“). Das grundlegende Design änderte sich auch vorerst nicht mehr. Für das „Mega Drive“-Pad ordnete Sega die Knöpfe zwar neu an und spendierte einer späteren Version mehr Buttons und änderte die Form ein wenig ab, doch wirkliche Neuerungen suchte man vergebens. Wieder einmal musste Nintendo als Innovator einschreiten und präsentierte der Konsolenwelt mit dem SNES, wie die neue Generation der Controller auszusehen hatte.

Mit rundlichen Formen und einem Grauton, durch den die bunten Buttons besonders zur Geltung kamen, wirkte das Pad des „Super Nintendo Entertainment System“ um einiges freundlicher. Über zwei zusätzliche Aktionsknöpfe konnte sich der rechte Daumen freuen, während endlich auch beide Zeigefinger frohlocken durften: Die große Neuerung des SNES-Controllers stellten die Schultertasten dar. Statt die rechte Pad-Seite mit noch mehr Buttons zu überladen, schob man den sonst so ruhigen Fingern zwei neue Tasten zu. Ohne Umgreifen oder Strecken der Daumen konnte so z.B. in Nintendos Kult-Fun-Racer Super Mario Kart gesprungen und gedriftet werden, während der Daumen weiterhin auf dem Gas-Button ruhte.

Lange blieb Nintendos neues Kontrollschema unkopiert, stattdessen wurden unteranderem durch das Konsolen-Monster „Neo-Geo“ und die Prügelspiel-Welle die sogenannten Arcadeboards populär: Mit bis zu acht Buttons für diverse Schläge, Tritte und Schüsse und einem Steuerknüppel versprachen diese echtes Spielhallenfeeling. Während Sprites von ungeahntem Detailgrad über die TV-Bildschirme flimmerten und auch das SNES langsam an seine Grenzen getrieben wurde, brach das 3D-Zeitalter an und Sony brachte nach einigen Streitereien mit Nintendo ihre erste Heimkonsole auf den Markt: Die „PlayStation“, welche samt Kopie des SNES-Controllers ausgeliefert wurde.

Was es damit auf sich hatte und wie der Multimediakonzern auf die neuen Steuerkonzepte des Nintendo 64 reagierte, dazu mehr im nächsten Teil.

3 Antworten zu Die Evolution des Controllers (Teil 1)

  1. MSG sagt:

    Sehr interessant. Einiges neues war da für mich dabei. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

  2. piccolo-junior sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Ich wusste gar nicht, dass die erste Generation von NES Pads festverdrahtet waren und dass der zweite Controller ein Mikro bot. Ja, man lernt nie aus.^^ Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.

  3. hallo sagt:

    Echt guter Artikel ,hoffe er wird mir bei meinem Referat helfen.Danke nochmal das ihr (du) so einen ausführlichen Artikel geschrieben hast.