Die Gewaltdiskussion

Gewaltdarstellungen in Videospielen hat es seit dem Anfang des Mediums gegeben und bleibt bis heute umstritten. Anscheinend hört die Diskussion nie auf.

Vielzocker mögen diese Diskussion nicht mehr hören: „Sind Gewaltdarstellungen jugendgefährdend? Und was soll man dagegen unternehmen?“ Das umstrittene Thema ist nicht neu, denn schon immer wollen Politiker und diverse Kinderschutzorganisationen oder Verbände die Videospiele mit brutalem Inhalt verbieten. Ebenso profilieren sich populäre Medien, indem sie altbekannte Vorurteile als neu verkaufen. Unterstützung finden sie unter Soziologen und Pädagogikwissenschaftlern sicher einige, aber sie verschweigen, dass andere Ansichten durchaus unter diesen Wissenschaftlern vorhanden sind.

Die Videospielindustrie ihrerseits reagiert auf vielfältige Weise: Manche Produzenten nehmen die Vorwürfe ernst und üben Selbstzensur. Das bedeutet, dass Bluteffekte herausgestrichen und Menschen mit Robotern ersetzt werden. Manche Firmen suchen hingegen die Kontroverse und machen die Spiele erst recht sehr hart und mit Splattereffekten durchtränkt. Heute sind die Verantwortlichen der Spielindustrie einig, dass sie einige ihrer gewaltzelebrierenden, aber erfolgreichen Spiele verteidigen müssen! Eine zu starke Selbstbeschneidung würde die Industrie lähmen, wie die Comicindustrie in den 70er Jahren erfahren hat. Jede wissenschaftliche Studie, die den Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft der Spieler und derem Konsum gewaltverherrlichender Spiele stellt, folgt eine Gegenstudie, die das Gegenteil beweisen soll. Die Fronten scheinen gehärtet, denn nachgeben können die Spielehersteller nicht, weil viel Geld auf dem Spiel steht; die Kinderschutzverbände hingegen fürchten vor zunehmender Gewaltdarstellung, wenn sie sich nicht mehr dagegen wehren würden.

Gears Of War

Die Spieler wehren sich ebenso gegen pauschale Verurteilungen ihrer Lieblingsspiele: So schrieb die Counterstrike-Community Deutschlands einen offenen Brief, um die Schuldzuweisung abzulehnen, First-Person-Shooters hätten Junge wie Robert Steinhäuser zu Massenmörder gemacht. Videospiele dienen perfekt als Sündenböcke, denn das junge Medium spricht vor allem Jüngere an, während viele – vor allem Erwachsene – es vorverurteilen. Es hat noch nicht den Status von Literatur, Theater oder andere etablierte Künste, ja es gilt noch nicht einmal als Kunstform. Einseitig sind die Schuldzuweisungen deshalb, weil andere negative Beeinflussungen weniger stark gewichtet wurden, sei es Filme, sei es der Kollegenkreis, oder sei es die Familie. Die Spieler stört die politische Intervention, weil sie die Spieler bevormundet. Gewiss sollen Spiele mit brutalem Inhalt nicht ohne weiteres an Kindern verkauft werden, die Erwachsenen wollen und sollen jedoch Zugang zu den gewünschten Spielen haben. Landesweiter Verbot oder den Verkauf unter Strafe stellen? Da reagieren die Vielzocker empfindlich!

Videospiele als Medium können sich nicht weiterentwickeln, wenn die Gesellschaft und die Politik ihre Vielfalt einschränken. Hier soll nicht jede Gewaltdarstellung verteidigt werden – aber die Freiheit der Entwickler, ihre Vorstellungen von Spielen verwirklichen zu können. Und die Freiheit der Spieler, das zu spielen, das sie spielen wollen.

Im April 2006 wurde Reginald Fils-Aime, Präsident von Nintendo Of America, anlässlich einer Interviewstunde gefragt, ob Gewalt in Videospielen Auswirkungen an die Spieler hätten. Seine Antwort war klug gewählt und lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Erstens gibt es keine Beweise, dass Gewalt in Videospielen die Spieler auf gefährliche Weise beeinflusst. Und zweitens haben Eltern die Pflicht zu schauen, welche Spiele sie ihren Kindern erlauben dürfen und welche nicht. Es kann nicht die Aufgabe der Spielindustrie sein, nur Spiele zu entwickeln, die auch Kinder spielen können. Videospiele sollen vielfältig sein und auch ein erwachsenes Publikum ansprechen dürfen. Das muss nicht immer mit Gewalt in Verbindung sein. Doch Freiheit in der Themenwahl soll gewährleistet sein.

4 Antworten zu Die Gewaltdiskussion

  1. Jan sagt:

    Wohlgemerkt ein kluger Artikel , bei dem man merkt , dass es sich um einen Spieler handelt , der sich mit stichhaltigen Argumenten den Vorurteilen gegenüber Gewaltdarstellung in den Weg stellt .Meine Meinung zu diesem Thema ist , dass viele Redakteure in den Massenmedien , sowie jedwede Art von Pädagogen sich nicht selbst informieren , d. h. sich einfach der Meinung der breiten Masse anschließen .
    Ich habe heute beispielsweise den Titel „RedSteel“(für die Wii) angespielt . Ich muss sagen ich war sehr irritiert über die Beurteilung der FSK . Das spiel ist für Jugendliche
    unter 18 Jahren nicht freigegeben . Andere Titel wie z.B. „Gears of War“ oder „Doom3“
    von denen man wirklich behaupten kann , dass die Gewaltdarstellungen teilweise furchteinflössend sind , haben ebenfalls diese Altersbegrenzung . Wer „RedSteel“ schon einmal gespielt hat , weiß , dass diese Beurteilung Blödsinn ist . Das einzige Problem für den Jugendschutz ist ja , dass man statt gegen imaginäre furchteinflössende Monster , gegen Menschen kämpft . Fazit : Wenn die Zensur der Videospiele so weiter geht , werden wir bald keine wirklich guten „ernste“ Titel mehr auf dem Deutschen Markt mehr finden . Schöne Grüße an die blog-Redakteure , vor allem an Otaku

  2. piccolo-junior sagt:

    Ich teile die Meinung des Autors vollumfänglich. In Zukunft wird wohl Steve King auch nur noch Kinderbücher schreiben dürfen, da seine bisherigen Werke für diese Zielgruppe wahrlich nicht geeignet sind.

    Jedenfalls sollten die Kontrollen der Händler intensiviert werden. Kinder können immer noch viel zu leicht Spiele kaufen, die nicht für ihr Alter bestimmt ist. So ist und bleibt ein Resident Evil nichts für 13-Jährige.

  3. wahrheit sagt:

    Gewaltspiele gehören nicht in Kinderhände, so einfach ist das… Zwar habe vor Jahren ich darüber selbst noch ganz anders gedacht, schließlich wollte ich auch damals als Minderjähriger sehr gern schon beispielsweise Goldeneye spielen, aber es ist doch erschreckend, wie einfach Kinder noch immer an Gewaltspiele herankommen… Klar, das Internet spielt eine Rolle, aber andererseits halte ich das Verhalten des Handels für recht verantwortungsvoll, da wird in der Regel schon nachgefragt… Das Problem nach meiner Meinung liegt ganz klar bei den Eltern! Vor kurzer Zeit erst hörte ich einen schätzungsweise zehnjährigen Jungen seinen Freund erzählen, dass er von seiner Mutter zum Nikolaustag Battlefield 1942 geschenkt bekommen würde… Hä? Das erklärt ja wohl alles…

    Also, ich bin eindeutig für einen Jugendschutz, ich bin für Kontrollen, nur eben nicht für Verbote… Die Kontrollen können meinetwegen härter werden, meinetwegen auch die Enschätzungen, dann soll eben das, was jetzt ab 16 ist ab 18 sein… Und wenn gar nichts mehr geht, dann soll man eben auch allgemein das Alter anheben, die besonders brutalen Spiele sogar erst ab 21 freigeben! Der letzte Amokläufer war schließlich auch schon über 18, dort hätte eine Einstufung also sowieso nicht gewirkt…

    Was man hingegen nicht machen darf, dass ist ein Spiele für alle und jeden komplett zu verbieten! Ein zurechnungsfähiger Erwachsener sollte eben alles spielen können, die Entwickler sollten die Möglichkeit haben, alles zu entwickeln… Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, also wirklich gewaltverherrlichende und nicht gewaltdarstellende Spiele, wie zum Beispiel Manhunt, was wirklich nicht sein muss…

  4. Ness sagt:

    Heikles Thema. Viele Journalisten stellen dämliche Thesen auf, ja deklarieren sogar FF VII (ab 12) als „brutales Killerspiel“ und sorgen so bei Eltern für Angst und bei Politikern für Freude. Ich finde einfach, dass sich vernünftige Politiker und die Spieleindustrie einfach mal an einen Tisch setzen sollte und so der Politik erklären kann, um was es in Spielen geht, nämlich um eine Geschichte mitzuerleben, um Spaß zu haben und um Rätsel zu lösen oder einfach seinen Frust zu schmälern.

    Dass es noch weitere Faktoren gibt, wie im guten Artikel geschrieben, z.B. ein schlechtes Elternhaus, Probleme in der Schule o.a., wird oft einfach nicht beachtet, weil man ja einen triftigen Grund schon gefaunden hat. Die Spiele.

    Jedoch muss man auch sagen, und dass ist meine Meinung, dass es dennoch Spiele gibt, die es maßlos übertreiben mit der Gewaltdarstellung. Ich mein, wenn ich Menschen mit einen Kettensäge in 2 Hälften zerteilen kann, dann ist das für meinen Geschmack zu viel.

    Aber die Diskussion wird eh noch eine Weile anhalten, bis wir dann bei Super Mario Bros. sind, DAS Killerspiel überhaupt, wo man Tiere wahllos tötet und in brodelndes Feuer wirft…..

    =)