Konsolenshooter im Dilemma

 

Die PS3 und die Xbox 360 bieten die Technik für realistische Egoshooter. Die Wii bietet die optimale Steuerung für das Genre. Beides zusammen gibt es aber vorläufig noch nicht.

Die Konsolengeneration um die PS3, Xbox 360 und Wii bietet den Kunden drei verschiedene Konsolenkonzepte. Eine solche Differenzierung hat es in der Videospielgeschichte noch nicht gegeben: In der vorhergehenden Generation haben die Konsolen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, nur die PSX/N64-Ära war von zwei total unterschiedlichen Konsolen geprägt. Die PS3 hat die höchste technische Leistung und einen mächtigen Datenträger namens Blu-Ray; die 360 baut auf das Online-Gaming und auf einen – vergleichsweise – niedrigen Preis für die angewendete Technik; die Wii wiederum setzt vor allem auf die neue Steuerung und auf einem noch tieferen Preis.

Diese Unterschiede sorgt dafür, dass die Entwickler Prioritäten setzen müssen: Was für ein Spiel wollen sie entwickeln? Welche Konsole passt am besten zum Spiel? Schwierig gestaltet sich diese Entscheidung bei den Egoshootern, denn die neue Steuerung der Wii passt perfekt zu diesem Genre. Aber da diese Spiele bisher vor allem mit der Technik und mit einer möglichst realistischen Darstellung aufgetrumpft haben, kämen die PS3 und die 360 eher in Frage. Die Entwickler haben – böse gesagt – die Wahl zwischen Pest und Cholera: Ein Egoshooter für die Wii liesse sich intuitiv steuern, aber die Technik und somit die Darstellung hinken gegenüber jenen der Konkurrenz. Ein Spiel für die PS3 bietet eine realistische Darstellung und viel Opulenz, die Steuerung bleibt aber bei der alten doppelten Analogsteuerung, die als eher langsam und unpräzise gilt. Nicht wenige Spieler wünschen sich gleich beide Vorteile, doch keine Konsole kann sowohl eine teure Technik und gleichzeitig Nintendos bewegungssensitiven Controller anbieten.

Auf welche Konsole werden Egoshooters am meisten Erfolg haben? Sony deutete bereits auf der E3 2005 an, wie spektakulär die Aktionen auf der PS3 aussehen könnte: Das Killzone 2-Video sorgte für langanhaltende Begeisterung – bis Sony zugeben musste, dass das Video gerendert und nicht in Echtzeit ist. Dennoch sollten die Spieler ein solches Spiel erwarten können; allerdings erst in paar Jahren, wenn die Entwickler mit der Entwicklungsplattform vertraut sind. Für die 360 gilt die gleiche Prognose, denn eine Programmierung auf einer Konsoler mit Multicore-Prozessoren verlangt mehr Aufwand. Wie kann aber Sony und Microsoft die Steuerung verbessern, um Nintendo diesbezüglich Paroli zu bieten? Beide können immer noch einen ähnlichen, zweigeteilten Controller mit Bewegungsensitivität bringen, doch haben sie verpasst, einen solchen zu einem Standard zu machen.

Nintendo führt ihren neuen Controller als Standard ein und verspricht damit, das Genre umzukrempeln. Bereits die ersten zwei Spiele aus der Egoperspektive bieten tolle neue Elemente: In Ubisofts vielgeachtetem Red Steel können die Spieler die Pistole auch schräg halten, Granaten mit Wurfbewegung ausführen, und mit der Katana angreifen; Nintendos „Metroid Prime: Corruption“ macht den Grapple-Wurf vielseitiger, indem man nun auch Gegner damit festhalten kann. Im Vordergrund steht aber die grundsätzlich intuitive Steuerung! Zwar bezweifeln Nörgler, ob sie wirklich besser als alles bisher dagewesene sein soll; besser als die unpräzise Dualanalog-Steuerung ist sie aber mit Sicherheit. Die Sorgen der Vielzocker betrifft die eher moderate Technik der Wii, die deutlich hinter der 360 und der PS3 liegt. So stellt sie nur eine Auflösung in 480 Bildzeilen dar und bietet wohl weniger Grafikeffekte als die Konkurrenz. Aufwendige PC-Shooter müssen mit viel Kompromissbereitschaft auf das Leistungsverhältnis der Wii hinuntergeschraubt werden, wenn man eine Portierung machen will. Exklusiventwicklungen wie Red Steel und Metroid Prime: Corruption profitieren hingegen deutlich von den Möglichkeiten des Controllers und können so gegen opulentere Vertreter des Genres behaupten. Und wer beides haben will, muss noch ein wenig gedulden – wahrscheinlich bis zur nächsten Konsolengeneration.

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Eine Antwort zu Konsolenshooter im Dilemma

  1. Ness sagt:

    Mir reicht trotzdem der Wii, zumal ich eh, wenn überhaupt, auf solche „Ego-Shooter“ wie Metroid Prime stehe und nicht auf realistischere Games.