GameCube: Nintendos erfolgreicher Misserfolg (Teil 2)

Vieles ging schief und doch geht Nintendo aus dem GameCube-Geschäft gestärkt heraus: Eine denkwürdige Generation, die die nächste Generation gleich einleitet.

Wie schon im ersten Teil beschrieben, lief nicht alles nach Nintendos Wunsch. Die Softwaretitel aus der eigenen Entwicklungsabteilung konnten nicht immer die eigenen hohen Massstäbe erreichen, die Anzahl Systemseller war gering. Die Dritthersteller unterstützten den Cube mal gut, mal eher halbherzig: Insgesamt bekam der GameCube mehr Spiele der Drittentwickler als das schwierige N64, doch kam die Unterstützung am Anfang eher zögerlich und nahm am Ende kontinuierlich ab. Die meisten Firmen konzentrierten sich auf die PS2 und produzierten nur wenige Exklusivspiele für Nintendos Konsole. Aber selbst wenn es um Multiplattformspiele geht, zieht der Cube oft gegenüber der PS2 und der Xbox den Kürzeren, indem einige Firmen mit der Umsetzung schlampten oder erst garkeine Version für den GameCube machten.

Augenfällig scheiterte die Verbindung zwischen Cube und GBA: Zwar können dafür neue Spielkonzepte entwickelt werden, leider sehen die meisten Entwickler den Aufwand als zu gross an, das heisst, nur wenige Spieler wollen einen GameCube, GBAs und Verbindungskabeln auftreiben. In der gesamten GameCube-Ära nutzten deshalb nur einige Spiele diese Möglichkeit, die meisten eher als freiwilliges Feature. Wahrscheinlich kam Nintendo mit diesem Modell zu früh auf dem Markt, denn in der nächsten Generation wollen sie als auch Sony ihren Handhelds mit den Heimkonsolen verbinden, trotz Nintendos bisherigem Misserfolg.

Angesichts so vieler Schwierigkeiten kann der tiefe Preis des GameCubes auch nicht entscheidend helfen, mehr Konsolen an den Kunden zu bringen. Deshalb gelang es Sony, die technisch schwächere PS2 zu einem höheren Preis zu verkaufen, ohne dass die Nachfrage zu sinken drohte. Ausserdem hat der Cube auch in der Technik einige Schwächen: Zwar war er technisch der PS2 in vielen Bereichen überlegen, aber nicht wenige Programmierer haben Mühe mit der komplizierten RAM-Aufteilung. Zudem verfügt der Cube über zuwenig Speicherkapazität für die Texturen. Entwickler mit Cube-Erfahrung meinen über die Programmierung für die Konsole, dass sie vergleichsweise einfach sei; da aber die meisten Dritthersteller sich an die PS2 orientieren, hat dieser Vorteil nur wenig zugunsten des Cubes ausgewirkt.

Wie werden zukünftige Medienhistoriker den GameCube wohl bewerten? Nintendo hat mit dieser Konsole sogar noch weniger Einheiten absetzen können als mit dem N64. Allerdings hat der Cube eine grössere Genrevielfalt als sein Vorgänger, und die Tie-Ratio (das Verhältnis von Konsolen- zur Softwarezahl) ist vergleichsweise hoch, das heisst, dass die Kunden viele Spiele für die Konsole kaufen. Im Gegensatz zu Microsoft hat Nintendo es geschafft, trotz aller Schwierigkeit Gewinne zu erzielen, auch wenn das GBA-Geschäft sicherlich stark zum positiven Ergebnis beiträgt. Die Spieler, vor allem die Vielzocker, bewerten den Cube unterschiedlich: Manche sind enttäuscht, andere wiederum sehen den Cube trotz eher schwache Absatzzahlen als Erfolg und haben eine Menge Spass mit der Konsole. Unvoreingenommen sind die Spieler gewiss nicht, die Meinungen können unterschiedlicher nicht ausfallen, weil manche zu viel von der Konsole erwarten, andere wiederum mit dem Spielangebot sehr gut auskommen können.

Nintendo selbst scheint mit gewissen Aspekten der Konsole zufrieden zu sein, insbesondere mit der Architektur: Im Gegensatz zum letzten Generationswechsel baut Nintendos neueste Konsole „Wii“ auf dem Cube auf. Dieses Vorgehen verspricht einige Spareffekte in der Softwareentwicklung, zeigt aber vor allem, dass die Firma Vertrauen in der Architektur hat. In welcher Hinsicht die Wii sonst noch vom Cube profitiert, könnt ihr in der Kolumne über die Relation zwischen Wii und GameCube lesen.

Eine Antwort zu GameCube: Nintendos erfolgreicher Misserfolg (Teil 2)

  1. bloggerbogger sagt:

    wow. endlich mal eine seriöse analyse. mehr davon.