Dragon Ball: Ein verkanntes Meisterwerk

Jeder, der einmal von dem Begriff Anime oder Manga gehört hat, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch etwas mit Dragon Ball anfangen können. Diese Abenteuergeschichte rund um den (anfangs) kleinen Jungen Son Goku, welcher auf den ersten Blick sofort aufgrund seines Affenschwanzes auffällt, startete in Anlehnung an die chinesische Legende Journey To The West als Comedy-Manga in einem wundersamen Reich, welches sowohl verträumte Wald- und Bergabschnitte, als auch moderne Großstädte mit schwebenden Fahrzeugen, Robotern und allesverstauenden Kapseln bot. Doch bald schon entwickelte sich das ganze zu einer Martial Arts-Serie mit erwachsenen Themen. Darin liegt auch ein großer Teil der Faszination dieses Mangas bzw. Animes: Er lief von 1984 bis 1995, also ganze 11 Jahre, und entwickelte sich mit den älter werdenden Lesern. Dragon Ball erhielt einen immer ernsteren Ton, ohne aber dabei gänzlich die wichtige Brise Humor zu vergessen, die die Serie in den Anfangszeiten am meisten auszeichnete.

Wo Astro Boy Pioniersarbeit geleistet hatte, legte Akira Toriyama mit seinem Werk den Grundstein für fast alle darauf folgenden Shonen (Jungen)-Mangas. Viele Mangaka, welche in ihrer Kindheit oder Jugend Dragon Ball verfolgt hatten, fühlten sich dadurch zum professionellen Zeichnen inspiriert und die Einflüsse des Epos sind auch heute noch überall deutlich zu spüren. Die Charakter aus dem japanischen Comic sind Legenden, besitzen riesige Fangemeinden und sind trotz ihres Alters immernoch charmant wie eh und je. Und trotzdem genießt Dragon Ball im Westen nicht ganz das Ansehen, welches es verdient hätte. Woran liegt das? Dies möchte ich in dieser Kolumne näher beleuchten.

Der junge Son Goku

Zu einem sehr großen Teil ist meiner Meinung nach der Anime zur Manga-Vorlage daran Schuld, dass diese Serie oft verkannt wird. Fangen wir erst einmal mit der Originalversion, der japanischen, an, in der sich bereits die ersten Stolperfallen befinden. Aufgrund seiner Popularität startete die Anime-Umsetzung zu Dragon Ball bereits im Februar 1986 in Japan. Das Problem bei solchen Produktionen, welche bereits ausgestrahlt werden, während der Manga noch fortgesetzt wird, ist, dass sie relativ schnell die Aktualität der gezeichneten Vorlage erreichen, das heißt, der Anime kann nicht mehr fortgeführt werden, da der Mangaka erst wieder neuen Stoff für die Animationsfilme liefern muss. Um dies zu verhindern, benutzen die Produzenten des Zeichentrickfilms gerne sogenannte „Filler“. Wie der Name vermuten lässt, sind dies von dem Anime-Team erfundene Nebengeschichten, die auf der bereits vorhandenen Informationsbasis aufbauen und Lücken füllen. So schlägt man die Zeit tot, bis wieder neues literarisches Material zum animieren vorhanden ist.

Bis zum Beginn von Dragon Ball Z, wie die Anime-Serie ab Gokus Heranwachsen hieß, musste das Füllmaterial nicht übermäßig verwendet werden, da man noch nicht ganz zur Manga-Vorlage aufgeschlossen hatte. Das änderte sich aber mit dem Beginn der Saiyajin-Saga, in dem zwei Ausserirdische die Erde ausrotten wollen, um den fruchtbaren Planeten anschließend an andere Alienrassen gewinnbringend zu verkaufen. Ab diesem Zeitpunkt geriet der Anime ein wenig „auf die schiefe Bahn“. Nicht nur gab es unerträglich viele Fillerfolgen, auch wurden die einzelnen Episoden der animierten Serie in die Länge gezogen, sodass sie beinahe nur noch eines etwa 15-seitigen Manga-Kapitels entsprachen. Ellenlanges herumstehen und anstarren, sowie ewig andauernde Faust- und Energiestrahlduelle standen auf der Tagesordnung. Dies war aber nicht die einzige Grenzüberschreitung: Zwar hatte auch der Manga einen Punkt erreicht, in dem regelmäßig ganze Inselabschnitte mit einem einzigen Angriff in die Luft gejagt wurden, doch übertrieb er selten so maßlos, wie es der Anime tat. Dort jagte eine Megaexplosion die nächste und Bergketten wurden rar. Dies schreckte besonders westliche Zuschauer ab, die diese Art von visueller Hyperbel nicht gewohnt waren. Überhaupt musste sich Dragon Ball Z, welcher einen der wenigen Animes darstellte, die im Westen den Mainstream erreichten, erst einmal behaupten, denn die japanischen Zeichentrickserien unterscheiden sich doch stark von amerikanischen Cartoons.

Son Goku feuert ein Kamehame-Ha

Das bringt mich zum nächsten Punkt, denn nun kümmere ich mich um die lokalisierten Versionen von Dragon Ball. Wir Deutschen haben es noch gut: Wir erhielten die französische Version des Animes, die kaum geschnitten war (wobei dies nur für die Erstaustrahlung gilt, später wurde heftigst gekürzt). Im krassen Gegensatz zur US-Version: Man versuchte mit allen Mitteln, Dragon Ball Z, eine Serie, die sich an Jugendliche und Erwachsene richtete, kindgerecht zu machen. Das hatte zur Folge, dass allein in den ersten 68 Folgen ganze 16 (!) Episoden an Material herausgeschnitten wurde. Szenen, die mehr Verletzungen als ein simples Nasenbluten beinhalteten, waren quasi nicht existent. Auch die kleinste Nacktheit wurde für das prüde Amerika entfernt. Hinzu kamen veränderte Diaologe, in denen die Gewalt heruntergespielt wurde. Ein fataler Fehler, wenn es um Jugendschutz geht, welcher teilweise auch unsere deutsche Version betraf. Genau wie das Entfernen von Blut verherrlicht dies die auf dem Bildschirm stattfindende Gewalt; jüngere Zuschauer müssen zwangsweise denken, dass nichts weiter schlimmes passiert, wenn sie ihren Freunden ins Gesicht schlagen. All dies handelte ausgerechnet Dragon Ball Z bei vielen unerfahrenen Personen den Titel Kinderkram ein.

Dann wäre da noch der Punkt, über den selbst Animekenner schmunzeln: Die Animationsqualität der Serie! Diese schwankte zwischen ansehnlich und hübsch bis grottenschlecht. Das lag daran, dass die Episoden oder sogar Teile ein und der selben Folge von verschieden fähigen Animationsteams bearbeitet wurden, je nach „Wichtigkeit“ des Materials. Hier ein schöner Vergleich aus dem Daizex-Forum:

Freeza von zwei verschiedenen Teams

Und dann wäre da noch ein großes Verbrechen an der Franchise, was zwar nicht unbedingt in größten Ausmaßen das Gesamtbild der Serie hinuntergezogen hat, aber trotz allem nicht hätte sein müssen: Die Rede ist von Dragon Ball GT! Akira Toriyama wollte den Manga bereits an einigen Stellen vor dem eigentlichen Ende, dass wir heute kennen, zu einem Finale führen. Bekannt sind die Freeza-Saga, welche durch Son Gokus Verwandlung in den sogenannten Super Saiyajin und wahrscheinlicherweise durch das Opfer des Protagonisten die Serie zu einem Abschluss führen sollte und natürlich die spätere Geschichte um Cell, den ultimativen Cyborg mit Zellmaterial der stärksten Krieger des Universums, in der Son Goku ganz offiziell und für immer (wobei auch das letzendlich nicht stimmte) das Zeitliche segnet. Doch die Fans hatten immernoch nicht genug, weshalb Akira Toriyama seine erfolgreichste Serie nun doch weiterführte. Die Buu-Saga konzentrierte sich wieder mehr auf Humor und enthielt einige Selbstparodien wie den dreifachen Super Saiyajin und die Zerstörung der Erde. Allerdings kamen diese bei vielen Fans nicht als solche an, weshalb die letzte Geschichte um so mehr für vollkommen übertrieben und über die Stränge schlagend empfunden wird. Zumindest gab es nun ein wesentlich fröhlicheres Finale mit einem lebendigen Son Goku. Doch war dies wirklich das Ende? Nein. Und dies führt mich zu dem vorhin angesprochenen Dragon Ball GT.

Um noch mehr Geld aus der unglaublich beliebten Franchise zu quetschen, produzierte das Studio Toei eine Nachfolgeserie zu Dragon Ball Z, welche vorhandenes ruinieren und schlechtes Charakterdesign an erster Stelle setzen sollte. Angefangen hat das ganze als nette Homage an das frühe Dragon Ball, mit einem kleinen Son Goku und spannenden Abenteuern im All. Doch natürlich wollten die Fans wieder bombastische Kämpfe, weswegen schnell Abhilfe geschaffen wurde: Der vierfache Super Saiyajin ward geboren! Und er ist sehr, sehr hässlich!

Son Goku als vierfacher Super Saiyajin

Überhaupt stellt Dragon Ball GT den Tiefpunkt der Franchise dar, weshalb die meisten Fans diese als „Non-Canon“ ansehen, das heißt, sie gehört nicht zur eigentlichen Geschichte und ist gleichsam nie geschehen.

Wir ihr seht, wurden einige kleine aber feine Fehler begangen, die ich euch in diesem Special hoffentlich näherbringen und verständlicher machen konnte. Dragon Ball ist und bleibt ein Meistwerk, ohne das das Shonen-Genre nicht das wäre, was es heute ist. Wer diese Serie in möglichst hoher Qualität genießen möchte, sollte zu dem in Deutschland erhältlichen Manga oder unter Umständen, sollte sich die Chance einmal ergeben, zum Anime im japanischen Original greifen.

11 Antworten zu Dragon Ball: Ein verkanntes Meisterwerk

  1. piccolo-junior sagt:

    Ja, Dragon Ball. Ist und bleibt mein Lieblingsmanga. Dein Artikel war sehr treffend. Auch ich teile die Meinung, dass GT vollkommen überflüssig war und Toriyama die Serie am liebsten nach der Freezer Saga, aber bestimmt nach der Cell Saga beenden sollte. Für mich wäre nach der Freezer Saga der beste Schluss gewesen. Alle wären auf dem Planeten Namek gestorben.

    Was mich bei der Serie am Ende besonders störten, war, dass es nur noch um die Sayajins ging. Trunks und Goten konnten schon mit 7 zum Super Sayaijin werden und waren stärker als Kuririn.

    Die Sayajin-Saga gefiel mir gut, da alle Charaktere der Gruppe Z etwa gleich stark waren.

  2. Ness sagt:

    Mir hat Dragon Ball auch am liebsten gefallen. Z war dann schon ein „bisschen“ zu übertrieben (der stärkste Gegner ist tot, sofort erscheint ein noch stärkerer Gegner). Deshalb hat mir Draon Ball immer so gut gefallen. Da hatte die Balance irgendwie gestimmt. Wobei der Manga der Z-Geschichte immer noch, wie angesprochen, besser war als der Anime. (Deshalb sind auch alle 42 Bänder in meinem besitz). =)

  3. mongo spongo.. sagt:

    kann ja gut sein das ihr recht habt..aber ich kann von DB nich genug bekommen ob Z GT oder sonst irgwas..von mir aus könnte das immer so weiter gehen..aber ma ne frage..weiss einer wie ich an das japanische orginal rankomme..würd ja schon gern ma sehen was so weggeschnitten wurde..danke..)besitze ebenfalls alle bände-teilweise auch mehrsprachig..( :P..cya

  4. d4rk angel sagt:

    ich hab gt komplete und original,und denke ,dass es total unnötig ist

  5. hi sagt:

    hi i am a fan drangonball gt is good and i want see it in the tv

  6. recht hast sagt:

    ja Dragonball bis zur Cell Saga war genial. Die Buu-Saga hat mir nicht mehr so gefallen war schon sehr GT-mäßig. Wenn nämlich Goku gegen Piccolo kämpft, er zum Super Saiyajin gegen Freezer wird oder sich opfert um alle vor Cell zu retten waren das einfach Momente die ich nie in einem Manga oder Serie erlebt habe. Ich hab mich wirklich auf GT gefreut abaer als es dann da war war ich selten so entäuscht. Null Story, nicht neues nur aufgewärmtes und hochgepuschtes.

  7. hallo sagt:

    was is die neueste dragonball staffel nach gt
    kommt noch eine neue staffel nach gt?

  8. Retro V sagt:

    Nein, nach GT wurde die Serie endgültig abgeschlossen.

  9. servus sagt:

    Dragonball ist genial. Wobei ich aber sagen muss das mir der Anime besser gefällt als der Manga. Es stimmt zwar das die ewig langen Kämpfe, die oft schlechte Qualität und die Filler nerven doch war der Anime irgendwie genauer und detaillierter. Wie Planet Vegeta und Vegetas Vater ihr Ende fanden und so etwas.

    Doch was die Länge angeht ist die Serie wirklich zu lang. Die Buu-Saga war überflüssig und gt-mäßig, man merket das Toriyama die Motivation verlassen hatte.

    Was die Animationsqualität angeht:
    Mir ist auch aufgefallen das manche Teile des Anime aussehen als hätte sie Toriyama persönlich gezeichnet und andere als hätten Laien dran gezeichnet.
    Warum wurden die Animationsteams den gewechselt?

  10. Platus sagt:

    mir gefiel Dragonball am besten als Son-Goku noch klein war ..
    irgendwann war er so über dimensional- stark das es einfach nur noch übertrieben war

  11. Mr. Nutz sagt:

    GT ist für mich auch nie passiert. Sollte toriyama sich entscheiden Dragon Ball irgendwann weiterzuführen, dann darf er die GT Schande auch einfach übersehen.
    Ansonsten bin ich Fan! Und zwar beinharter.