GANBARE! Goemon!! (Teil 3)

In Teil 1 und Teil 2 meines vorerst 3-teiligen Ganbare Goemon-Specials habe ich mich ausschließlich mit SNES-Titeln beschäftigt. Von den 4 vorgestellten Spielen ist auch nur eines in Deutschland erschienen. Beide Punkte werden im dritten Teil über Bord geworfen, denn beide Spiele, die ich heute näher beleuchten werde, sind auf dem N64 angesiedelt und wurden auch im Westen veröffentlicht. Also öffnet sicherheitshalber die eBay-Seite und lasst euch von meinen Eindrücken zwei großartiger Videospiele berieseln. Los geht’s!

Ganbare Goemon: Neo Momoyama Bakufu no Odori / Mystical Ninja: Starring Goemon

Starring Goemon-Boxart
Eins vorweg: Während ich versucht habe, bei den bisherigen Spielen möglichst objektiv zu bleiben, fürchte ich, diesen Blick bei Mystical Ninja: Starring Goemon nicht ganz wahren zu können. Es stellt eines meiner absoluten Herzblut-Spiele dar und wird für immer in der Riege meiner N64-Top 5 verweilen. Ich weiss, dass dieses Spiel nicht solch ausgereiftes Gameplay bietet, wie die Super Famicom-Teile oder der Nachfolger und trotzdem kann ich nicht aufhören, es zu lieben. Ich weiss noch genau, wie ich es als Knirps immer wieder aus der Videothek ausgeliehen und es mir dann schließlich gekauft habe, um den Rest des Spiels (ungefähr 80%) auch noch zu erleben. Ja, dieser Teil der Reihe hat mich erst mit dem Ganbare Goemon-Universum vertraut gemacht. Ohne Mystical Ninja: Starring Goemon wäre ich vielleicht nie ein Fan dieser Games geworden. Noch mehr als das: Dieser Titel machte mich zum Japan-Fan und Lieberhaber der Kultur! Ja, es ist schon erstaunlich, welchen Einfluss dieses Spiel auf mich hatte. Und nun lasst das Spektakel beginnen…

Die Peach Mountain Shoguns sind da! Mit ihrem gigantischen, pfirsichförmigen Raumschiff überschatten sie ganz Oedo und verwandeln schließlich das Herrscherschloss der Metropole mit ihrem gefährlichen „Stage Beam“ in eine knallige Westler-Festung, die in einem Freizeitpark bestens aufgehoben wäre. Goemon und der zum Zeitpunkt des Spektakels bis auf einen Lendenschurz nackte Ebisumaru (lange Geschichte) können das natürlich nicht mit ansehen und beschließen, zuallererst nach Prinzessin Yuki und dem Lord zu sehen, welche sich zum Zeitpunkt des Angriffs noch im Schloss befanden. So beginnt eine weitere Reise voller Abstrusitäten für Goemon und seine Crew.

Goemon in Oedo Town

Noch bevor The Legend Of Zelda: Ocarina Of Time das Licht der Welt erblickte, versuchten sich Konamis Entwickler mit diesem Titel im 3D-Action-Adventure-Genre und benutzten ähnliche Gameplay-Elemente, seien es verschiedenen Arten von Schlüsseln und dazugehörige Türen, oder Bosse, die nur mit einem in dem Dungeon befindlichen Item besiegt werden konnten. Bevor es sich mit dem Zelda-Klassiker hatte messen müssen, war es auch ein sehr, sehr gutes Spiel. Leider erkennt man heutzutage die Biss-Spuren des Zahns der Zeit recht schnell. Eine mäßige Kameraführung, teils hakelige Steuerung und schwammige Grafik können aber trotz allem nicht an der genialen Inszenierung des humorigen Japanospektakels rütteln. Zwar haben einige Witze den Sprung vom Japanische ins Englische nicht ganz überlebt, aber man ertappt sich trotzdem immer wieder dabei, wie man allein der eingespielten Publikumslacher wegen grinsend vor dem Bildschirm sitzt. Appropos Englisch: Das Spiel kommt nur mit englischen Bildschirmtexten daher. Dafür mit ordentlichen, denn die Übersetzung ist bis auf die genannten Wortwitze gut und die japanischen Songs (ein großer Pluspunkt der Spiels und Atmopshäreträger) sind untertitelt.

Zum Spielaufbau: Meist wird der Spieler erst in einer neuen Stadt und deren Umgebung auf Erkundungssuche geschickt, beispielweise nach einer bestimmten Person oder einem Items, dass den Eingang zum nächsten Dungeons öffnet. Jene sind wie eh und je thematisiert. So hetzt einen das Spiel im „Ghost Toy Castle“ diverse Spielsachen und riesige Billardkugeln auf den Hals, während sich ein späterer Dungeon ganz den japanischen Festivals verschrieben hat und überdimensionierte Lampions auf euch fallen lässt. Doch auch die Endgegner zeigen sich abwechslungsreich und werden entweder in Zelda-Manier per pedes erlegt oder im Impact-Riesenroboter. Ja, der sympathische Mech ist wieder mit von der Partie und zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Der Laserstrahl feierte hier sein Debut und auch die gefürchtete Schlagkombination der 1000 Fäuste hat es aus Ganbare Goemon 3 geschafft. Leider macht der Einsatz der Kettenpfeife, mit der sich die Gegner nahe heran ziehen lassen, die Kämpfe etwas zu leicht. Übrigens dürft ihr vor jedem Impact-Fight dem genialen Japano-Song „I Am Impact!“ lauschen, während sich der gute Uhrwerkroboter auf eindrucksvolle Art vor euren Augen zusammenbaut. Danach gibt’s einen schnellen Rennabschnitt, indem ihr euch wie gehabt Energie für den kommenden Kampf besorgt, indem ihr ganze Gegnerheere und Städte niederwalzt. Übrigens wird das Intro dieses Games von niemand geringerem als Dragon Ball Z-Sänger Hironobu Kageyama gesungen und ist genauso ein Ohrwurm wie „I Am Impact!“.

Impact-Kampf, endlich in 3D!

Mystical Ninja: Starring Goemon ist einer der humorvollsten Teile der ganzen Serie, wenn nicht DER humorvollste! Sei es das singende Bösewichten-Duo, ihre lächerlich aussehenden Speichellecker, deren Dialoge vor Selbstironie nur so strotzen, die Verwandlung Goemons in einen Super Saiyajin, die diversen Anspielungen auf die japanische Folklore oder die gewollt lachhaften Texte der Stadtbewohner. Das ganze Game parodiert sich selbst so glänzend, dass es eine wahre Freude ist.

Und habe ich eigentlich die alle Grenzen sprengende Musikuntermalung erwähnt? Meiner Meinung nach gibt es kein anderes Goemon-Spiel, dass dermaßen geniale BGMs bietet. Es ist einfach ein Genuss, den Klängen der klassischen Shotos, gemischt mit E-Gittarre und Keyboard oder ähnlichen Kombinationen der traditionellen Instrumente mit modernen Stilmitteln, zu lauschen. Auch in diesem Bereich hat mich Mystical Ninja: Starring Goemon geprägt.

Szene aus dem Ghost Toy Castle

Ich komme nun zu einem abschließenden Fazit: Dieses Spiel stellt für mich nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern aufgrund der tollen Inszenierung ein ganz großes Highlight der Reihe dar! Über die kleinen spielerischen Schwächen schaut man spielend hinweg, nur um zu sehen, was sich die Entwickler als nächstes haben einfallen lassen. Ich jedenfalls kann Mystical Ninja: Starring Goemon für das N64 nur wärmstens empfehlen.

Ganbare Goemon: Derodero Douchu Obake Tenkomori/Mystical Ninja: Starring Goemon 2

Starring Goemon 2-Boxart

Dieses Spiel hat gleich drei verschiedene Namen: In Japan heißt es Ganbare Goemon: Derodero Douchu Obake Tenkomori, in Amerika Goemon’s Great Adventure und in Europa Mystical Ninja: Starring Goemon 2. Diesmal kehrte Konami zu den Wurzeln der Serie zurück und machte aus dem Nachfolger des Action-Adventures Mystical Ninja: Starring Goemon ein waschechtes Jump ’n Run. Allerdings wird die zweidimensionale Welt mit Polygonen in 3D dargestellt. Eine Kunst, gerne als 2.5D bezeichnet, die den Entwicklern glänzend gelungen ist.

Iga Wiseman, der Erfinder von Sasuke und Impact, hat eine Geistermaschine entwickelt, mit der es möglich ist, Tote aus der Unterwelt herauf zu beschwören. Der alte Mann möchte am liebsten Marylin Monroe treffen, während Ebisumaru unbedingt seinen angeblichen Vorfahren James Dean kennenlernen möchte (ja, das ganze spielt im mittelalterlichen Japan…). Doch bevor die Maschine in Gang gesetzt werden kann, taucht plötzlich Bismaru, bekannt aus Ganbare Goemon 3, auf und stielt sie mit ihrem riesigen UFO. Sie möchte das Werk für ihre üblen Machenschaften missbrauchen und Dochuki, den Herrscher der Unterwelt, heraufbeschwören, um so die Welt zu unterjochen. Natürlich können das unsere Helden nicht mit ansehen und brechen auf, den Plan zu vereiteln.

Ebisumaru auf Frog Mountain

Eines kann ich bereits vorwegnehmen: Mystical Ninja: Starring Goemon 2 ist der unumstrittene Höhepunkt der Reihe und das beste Goemon-Spiel, dass wir jemals erleben durften. Es bietet einfach alles: Schrägen Humor, wunderschöne Grafikprachten, einen detailverliebten Japano-Stil, klasse Musik, einen fordernden Schwierigkeitsgrad, einen prächtigen Multiplayer, viel Sammelbares, Wiederspielwert und eine deutsche Übersetzung! Was will man mehr? Nun, vielleicht mehr Leben, denn der 2.5D-Titel wird euch gerade gegen Ende ganz schön fordern. Mit zwei (fähigen) Spielern wird das Unterfangen aber etwas leichter.

Auf der Landkarte steuert ihr entweder ein Jumper-Level, eine Stadt oder ein Schloss an, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Die Sidescroller-Abschnitte geben euch nur eine Mission: Ans Ziel zu gelangen! Allerdings gibt es oft mehrere Ausgänge, an dessen Ende jeweils ein Passierschein wartet. Diese benötigt ihr, um im Spiel voranzukommen. Ihr könnt sie euch aber nicht nur in den Jump ’n Run-Passagen verdienen, sondern auch, indem ihr die Städte erkundet und für den ein oder anderen Anwohner eine kleine Aufgabe erfüllt, wobei ihr dann bereits besuchte Level oft nochmals betreten werdet. So fordert euch der hippe DJ „Beat Mania“ dazu auf, seine heiligen Werkzeuge, die LP, das Mikrophon und die Kopfhörer, im ersten Level des Spiels wiederzufinden. Motiviert wird man dabei von rythmischer Hip-Hop Musik und gescratchten Voicesamples der Helden bei Aufsammeln der Items; ganz im Stil des Auftraggebers eben.

In den klassischen Endschlössern geht es im wahrsten Sinne des Wortes heiß her: Bereits im ersten Abschnitt des Spiels werden ihr in das brennende Oedo Castle (welches als Running Gag im Laufe der Serie immer wieder zerstört wurde) geschickt, um den völlig ausser Kontrolle geratenen Impact wieder zur Vernunft zu bringen. Feuerwalzen und herunterfallenden Deckenteilen ausweichend arbeitet ihr euch so in Richtung Dach des Schlosses vor, während euch Impact immer näher kommt und euch schließlich mit seinen gigantischen Fäusten zu zerquetschen versucht. Dieses Level werde ich niemals vergessen, so atemberaubend war es damals für mich und ist es heute noch.

Im brennenden Oedo Castle

Anschließend gibt es einen fordernden Bossfight, welcher den Auftakt für eines der wichtigsten und spaßigsten Elemente der Reihe seit Ganbare Goemon 2 darstellt: Die Rede ist natürlich von den Impact-Kämpfen! Und auch diese Spielfacette wurde in Mystical Ninja: Starring Goemon 2 so klasse umgesetzt wie noch nie! Diesmal steuert ihr gleich zwei Giganto-Uhrwerkroboter: Impact und Miss Impact! Ihr habt stets nur die volle Kontrolle über eine der Dampfwalzen, während der Computer oder ein Freund den anderen Impact im Hintergrund Tritte und Medaillenschüsse ausführen lässt. Aber natürlich solltet ihr euch voll und ganz auf die Cockpit-Action konzentrieren. Laserstrahl und Schlagcombo werden übrigens durch kleine Sequenzen noch dramatischer dargestellt. Zusätzliche Spannung wird dadurch gewährleistet, dass eure Robotergegner Attacken ausführen können, die euch mit einem Schlag ein Bildschirmleben aushauchen. Diese Angriffe nehmen natürlich eine gewisse Aufladezeit in Anspruch, was euch die Möglichkeit gibt, dass Baton (ein Stöckchen wie beim Staffellauf) zu eurem Impact-Kollegen zu werfen, worauf ihr die Kontrolle über eben diesen übernehmt und der Gegner seine Attacke abbricht. Solche Impact-Kämpfe gibt es glücklicherweise am Ende jeder Welt und sind wie das ganze Spiel sehr fordern. Aber natürlich gibt es pro Schloss auch einen „Zu-Fuß-Endgegner“.

Ein normaler Endkampf

Was soll man noch groß zu diesem Meisterwerk sagen? Es stellt eines der besten Jump ’n Runs der N64-Era dar und sollte unbedingt ausprobiert werden. Einzig die mäßige Übersetzung und der Rauswurf des japanischen Intros und Impact-Songs geben Anlass zur Kritik. Wer sich von dem schrillen Stil angesprochen wird und nach ein paar Game Overs nicht aufgibt, wird hiermit aufjedenfall glücklich. Bravo, Konami, so ein Goemon hätten wir gerne wieder!

Vielen Dank an Hardcore Gaming 101 für die Screenshots!

Und damit endet mein dreiteiliges Goemon-Special auch vorerst. Ich hoffe ich konnte euch für die Serie begeistern und euch ein paar unentdeckte Spieleperlen näher bringen.

Sayonara!

(zu den Videos)

6 Antworten zu GANBARE! Goemon!! (Teil 3)

  1. Ness sagt:

    Gutes Special zu einer witzigen und hervorragenden Spieleserie. Mir waren zwar eher die SNES Titel unbekannt, aber auch mal von denen gehöert zu haben war es wert, dieses 3-teilige Special gelesen zu haben. Weiter so. =)

  2. piccolo-junior sagt:

    Jep super Special, würde mir die spiele gerne kaufen, hoffe auf die virtual console

  3. jajaja sagt:

    ein video mit allen goemon spielen ca. 100mb

    http://www.megaupload.com/?d=BHRUS3X6

  4. Retro V sagt:

    Vielen Dank! Dieses Video wird von mir noch seinen eigenen Blogpost bekommen! Möchtest du mir noch schnell einen ordentlichen Usernamen für dich nennen, sonst mich ich dich darin als jajaja bezeichnen^^“

  5. wieder der goemon fan sagt:

    schreib mir bitte mariogamer1491@yahoo.de ich finde ebisumaru am besten :D

  6. loki burns sagt:

    Ich finde sasuke am coolsten. Ich hab alle goemon-spiele gezockt, hab ganbare goemon 3 und 4 für snes und die beiden n64 goemon spiele. Ich fand auch den zweiten N64 spiel am besten von allen bisherigen goemon-spielen. Ich hab es schon mehrmals durchgespielt und auch mit freunden. Ich finde aber ganbare goemon 4 sau schwer.