Die Virtual Console als Wiis Trumpfkarte

Nintendos Geschichte enthält über hundert grossartige Spiele. Können die Konkurrenten dagegen halten? Über Nintendos meistunterschätztes Feature.

Apple inspiriert Nintendo: Die Virtual Console ist das Pendant zu iTunes und hat das Potenzial, eine ebenso treibende Kraft für die Wii zu werden wie iTunes für die iPods. Als Iwata dieses Feature im Jahre 2005 für die Wii vorstellte, konnte er die viele Leute begeistern. Wer würde nicht einige Klassiker nachholen wollen, und zwar für vergleichsweise wenig Geld? Mit der Virtual Console können die Spieler Hits aus der NES-, SNES-, und aus der N64-Ära runterladen, dazu kommen noch Spiele der Sega Genesis (bzw. Megadrive) und TurboGrafX (PC-Engine). Damit bietet Nintendo einen Service, den die Konkurrenten aufgrund mangelnder Hits nicht haben.

Wie viel Erfolg Nintendo mit Virtual Console haben wird? Natürlich dürfen wir keine grosse Bibliothek gleich am Anfang erwarten: Während iTunes zu Beginn schon 500’000 Lieder vorweist, soll Virtual Console gerade mal 30 Spiele am Start haben. Doch Ernüchterung ist fehl am Platz: Erstens gibt es viel weniger Videospiele als Lieder, zweitens braucht die Portierung etwas mehr Aufwand, und drittens wird die Bibliothek wie jene der iTunes stetig wachsen. Aufgrund Nintendos glorreicher Vergangenheit dürfen die Spieler erwarten, dass unter den 30 Spielen mehrere echte Kracher sind, ganz zu schweigen von Segas und Hudson Softs Beitrag. Höhere Downloadzahlen als jene der Xbox Live Arcade darf Nintendo erwarten, denn im Gegensatz zu Microsoft ist Nintendo nicht auf die Dritthersteller angewiesen und kann jederzeit einige Tophits rausbringen.

Die Konkurrenz versuchen zu kontern, aber es bleibt beim Versuch: Sony hat nichts dergleiches auf Lager, zumindest nicht gleich zum Release der PS3. Microsoft wiederum kommt Nintendo mit Live Arcade zwar vor, aber die Spiele können bis auf einige Ausnahmen kein grosses Publikum erreichen. Will Microsoft gegen Nintendo punkten, muss sie mit den Drittherstellern mehr Kooperationen machen, damit sie ihre Spiele für die Live Arcade rausbringen wollen.

Eine solche Kooperation ist Nintendo gelungen: Welch ein Geniestreich, Sega und Hudson als Partner zu bekommen! Vielzocker haben endlich die Gelegenheit, mehrere Spielehits aus fast zwei Jahrzehnte auf einer einzigen Konsole zu zocken! Segas Spielebibliothek für die Genesis enthält unter anderem die Sonic-, Street of Rage-, und die Shinobi-Reihe und einige Arcadespielen. Hudson wiederum ist für die Bomberman-Serie, die Ponk-Reihe und die Mario Party-Teile berühmt. Zudem versucht Hudson, mit den Drittherstellern Kooperationen einzugehen und so eine möglichst vollständige PC-Engine-Bibliothek zu erstellen.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden Dritthersteller ebenso mit Nintendo kooperieren wollen und ihre alten Spiele online stellen wollen. Damit schlägt Nintendo zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens nimmt die Virtual Console mit zunehmender Spielezahl an Attraktivität zu, zweitens darf Nintendo damit rechnen, dass diese Dritthersteller die Konsole auch mit neuen Spielen unterstützen werden. An Drittherstellerunterstützung wird die Wii also nicht mangeln; nicht für die Virtual Console und nicht für die Konsole selber.

Die Spieler profitieren deshalb nur von diesem Service: Einige mögen sich über die Preise aufregen, aber wer die alten Spiele als zu teuer empfindet, kauft sie halt nicht. Wirklich Eile müssen die Spieler nicht haben, ganz im Gegensatz zu den herkömmlichen Spielen, die bald wieder aus den Kaufregalen verschwinden. Vielzocker, aber auch Gelegenheitsspieler haben allen Grund, Klassiker zu spielen, sei es im Sinne der Allgemeinbildung, sei es aus Nostalgie oder sei es vor allem aus Spass: Manch 70€ teures modernes Spiel hat weit weniger Spielspass als diverse Klassiker! Die Virtual Console ist nichts für notorische Grafikhuren, aber einen tollen Service für alle, die gute Spiele aus der Vergangenheit für wenig Geld spielen möchten.

Eine Antwort zu Die Virtual Console als Wiis Trumpfkarte

  1. piccolo-junior sagt:

    Vielleicht sollte Nintendo auch alte Spielelieder anbieten. Eigentlich könnte Nintendo für die Zukunft auf apples betriebsystem zurückgreifen, wäre doch ne gute partnerschaft^^