Wie „Non-Gamer“ die Industrie retten

Der DS lebt zum grossen Teil von den sogenannten Nongames. Aber wer kauft diese Spiele und wie kann der Markt von diesen Käufern profitieren?

Über den Erfolg des DS wurde schon oft geschrieben, neben dem DS Lite gehören die Nongames zu den Gründen des Erfolgs. Vielzocker sind sich jedoch uneins in der Frage, ob der Trend zu Nongames die Spielindustrie nützen oder eher schaden wird. Die Gegner der Nongames listen folgend Punkte auf:

  • Die Nongames wie Gehirnjogging und Nintendogs halten die Spieler davon ab, die „richtigen“ Spiele zu kaufen, vor allem jene der Dritthersteller.
  • Günstige Nongames halten die Spieler auf, die teureren Spiele zu kaufen.
  • Die Nongames werden vor allem von jenen Leuten gekauft, die bisher wenig oder gar nicht gespielt haben und deshalb den Markt nicht vergrössern.
  • Der Erfolg Nintendos mit den Nongames verführt die Dritthersteller ihrerseits, auf die Entwicklung von richtigen Spielen zu verzichten und stattdessen Brain-Training-Klone oder sonstige Kuriositäten auf dem Markt zu bringen.

Aufmerksame Leser bemerken sicherlich, dass die Einwände zum Teil einander widersprechen. Würde ein Vielzocker mit Vorliebe für Action-Adventures lieber ein Nintendogs kaufen, wenn er stattdessen Castlevania: Dawn of Sorrow kaufen könnte? Er zöge zumindest Nintendogs nicht vor! Mit anderen Worten: Das bisherige Publikum, das schon immer gespielt hat, werden kaum ihre Lieblingsreihen fallenlassen nur der Nongames wegen. Spiele wie Nintendogs und Gehirnjogging mögen zwar auch unter Vielzocker sich gut verkaufen können, aber ihr Zielpublikum bleibt die neuen und zumeist unerfahrenen Spieler und Spielerinnen. Der niedrige Preis hilft Gehirnjogging und Big Brain Academy, die neuen Spieler zu überzeugen, kein Vielzocker würde deswegen auf Spiele seiner favorisierten Genres verzichten wollen.

Die Frage, ob die neuen Kunden dem Markt wirklich neuen Schwung bringen, lässt sich nicht leicht beantworten: Werden sie nach Gehirnjogging oder Nintendogs zu anderen Spielen greifen? Werden Serien wie Megaman oder Tony Hawk davon profitieren? Skeptiker meinen, dass die neuen Spieler nur Nintendo helfen, ihren DS zu verkaufen. In Wahrheit liefert aber Nintendo immer neue Produkte, die speziell für diese neue Kundschaft zugeschnitten sind – wie die Koch-Navigation „Cooking Navi“. Schaut man die Verkaufszahlen der üblichen Spiele an, so profitieren manche wie „New Super Mario Bros.“ enorm von diesen Kunden; denn ohne einen grossen Kundenkreis darf es bezweifelt werden, ob das Spiel so hohe Verkaufszahlen erreichen würde. Andere Spiel-Reihen erleben eine kleine Steigerung oder zumindest ein Ende der rückläufigen Zahlen. Die Gründe leuchten ein: Kein Kunde kauft sich einen relativ teuren Handheld nur wegen eines einzigen Spiels. Er wird sicherlich noch zwei oder drei andere Spiele kaufen wollen, vielleicht auch ein Spontaneinkauf wagen. Selbst wenn der Grossteil dieser neuen Kunden vorwiegend an die Nongames interessiert ist, so wird trotzdem ein Bruchteil sich an die „traditionellen“ Spiele wagen; das heisst, der Markt wächst auch für die Dritthersteller. So betrachtet haben Nongames die Funktion, als Einstieg für die unerfahrenen Spieler zu dienen.

Nicht wenige Vielzocker fürchten davor, dass Dritthersteller das Vorbild Nintendo nachahmen und ähnliche Nongames auf dem Markt brächten, hingegen traditionelle Spiele nicht mehr im Fokus stehen. Gegen diese Skepsis sprechen zwei Feststellungen: Erstens haben Sega und Namco eine eigene Brain-Training-Serie vorgelegt, aber diese kommen bei weitem nicht an dem Erfolg ran. Nicht ausgeschlossen sind aber neue Ideen der Dritthersteller, sollte sie von Nintendos Erfolg inspiriert sein. Zweitens füllen eine Menge traditionelle Spiele die Releaseliste auf, das heisst, dass die Dritthersteller dank den hervorragenden Hardwareabsätzen mehr Spiele auf dem DS bringen werden.

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