Wenn das Schloss zu eng ist

Lange haben Prinzessinnen nur die Funktion, als Opfer zu dienen. Doch die Emanzipation ist nicht aufzuhalten: die einst hilflosen Mädchen agieren und bekommen gar eigene Spiele.

Niemand beneidet Prinzessin Peach: Bowser entführt sie stets, und Mario muss sie stets retten! Mit Ausnahme vom westlichen „Super Mario Bros. 2“ hat sie nie die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Sicherlich sehr frustrierend für die Prinzessin, immer nur auf die Rettung warten zu dürfen! Ausserdem sind die Entführungen nicht gerade gut für das Image, nicht wenige Spieler hält die gute für naiv, wenn nicht gar doof. Ob sie ihren Manager dieser Sache wegen angerufen hat? Auf alle Fälle darf sie endlich ein eigenes Spiel haben: Nach etlichen Gastauftritten in diversen Spielen wie Mario Kart, Mario Golf und ähnliches steht sie nun im Mittelpunkt, und zwar in einem DS-Spiel namens Super Princess Peach. Die Geschichte ähnelt den bisherigen, nur tauschen sich Mario und Peach die Rollen. Wahrscheinlich rettet Peach ihn nur, weil sie ihn zeigen will, dass sie es ebenso drauf hat.

Prinzessin Zelda hat es noch nicht zu einem eigenen Spiel geschafft, andererseits tragen die Spiele immer ihren Namen. Doch die Hauptfigur war und ist stets Link. Ob Zelda irgendeinmal Link retten muss? Immerhin hat sie genug von der blossen Opferrolle und greift seit „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ öfters mal ins Geschehen ein. Die Situation erklärt sich leicht: Um Prinzessinnen mehr Tiefe zu geben, kann man sie nicht im ganzen Spiel als Gefangene festhalten. Zudem haben die Spieldesigner das Motiv der „Prinzessinrettung“ so häufig angewendet und strapaziert, dass sie neue Wendungen in die Geschichte einbringen müssen.

Mittlerweile ziehen Prinzessinnen selber in die Schlacht: Videospielen gelten als Domäne der Jungen und Männer, aber weibliche Spielcharaktere treten immer häufiger als Hauptfiguren auf! Sollten jemals ein Vergleich zwischen Film und Videospielen stattfinden, um die Anzahl der kämpferischen Frauen festzuhalten, dann würden Videospielen wahrscheinlich besser abschneiden! Mädchen und Frauen bilden in vielen Genres einen festen Bestandteil, sei es in Beat’em Ups oder in Rollenspielen.

In Fire Emblem für GBA etwa führt Lyndis als Enkelin eines Fürsten eine Truppe an, um ihren Grossvater zu retten. Dass sie selber mit dem Schwert kämpft und in jedem Kampf stets dabei ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Im Nachfolgerspiel „Fire Emblem: The Sacred Stone“ kämpfen gar drei Prinzessinnen gegen das Böse, darunter die Hauptfigur Eirika, die allerdings mit ihrem Zwillingsbruder Ephraim das Spiel repräsentiert. Die zwei anderen zwei Prinzessinnen bilden den charakterlichen Gegensatz zu Eirika: Tana ist die ruhige und stets fröhliche Pegasus-Reiterin, während L’Arachel ein feuriges und gleichzeitig naives Temperament hat. Anders als frühere Prinzessinfiguren ziehen alle drei in den Kampf und schlagen sich mit Schwertern, Lanzen und Magie durch. Sich selber gegen Feinde zu wehren scheint beliebter zu sein als sich von Helden zu retten.

Grundsätzlich mögen die virtuellen Mädchen und Frauen nicht mehr, ständig gekidnappt zu werden. Gilt diese Feststellung vor allem für Prinzessinnen, so lassen sich auch zeitgenössische Charaktere als Opfer nicht mehr gefallen: Yuri etwa, die Schwester von Ryo Sakazaki, wurde im ersten „Art of Fighting“ noch entführt, später jedoch darf sie auch als Spielcharakter selber ins Geschehen eingreifen. Heute gehört Yuri zu den beliebtesten Kampfheroinen im SNK-Universum. Selbst unter den Untoten, Vampiren, Übernatürlichen und Göttern regt sich Widerstand: Morrigan, ursprünglich eine mythische Figur und auf keltisch etwa mit „grosser Königin“ gleichzusetzen, misst sich seit den Anfängen der „Dark Stalkers“-Reihe mit anderen Kämpferinnen und Kämpfern, ausserdem hat sie noch Gastauftritte in diversen anderen Capcomspiele wie Marvel vs. Capcom 2 und Capcom vs. SNK 2. Nichts scheint langweiliger zu sein als in einem Spiel als blosse Staffage aufzutauchen! Wer will da nicht aus dem Schloss ausbrechen?

Eine Antwort zu Wenn das Schloss zu eng ist

  1. piccolo-junior sagt:

    Find ich gut. Mal ein bisschen abwechslung^^