Ikaruga: Schönheit in Weiß und Schwarz

Trotz bester Kritik und Lobpreisungen von Seiten der Vielzocker hat Treasures „Ikaruga“ es nie geschafft, mehr als nur ein Spiel für die Elite zu sein. Ein letzter Nachruf.

Ikaruga ist ein Vertreter der Shoot’em Ups, und zwar einer der besten, schwierigsten und atemberaubendsten in diesem Genre. Gleichzeitig weist der Titel auch auf die Geschichte des Helden Shinra hin, der in die Schlacht gegen den Imperator Horai zieht, wohl wissend, dass die Mission sein Leben kosten wird. Begleitet wird er von Kagari, einem androgyn aussehenden Mann – ein Schelm, wer hier keine Beziehung vermutet!

Über die Qualität des Spiels möchte ich nicht zu viele Worte verlieren, denn die diese wird bereits in vielen Reviews behandelt. Diese Kolumne versucht vielmehr, die Faszination des Spiels zu beschreiben; sein Ruf als extreme Elitekost hat zu viele Spieler verschreckt, und die geringe Auslieferungsmenge macht die Suche nach dem Spiel schwer. Sollten aber doch Exemplare vorliegen, dann sind sie meist für wenig Geld zu haben! Warum also sollten die Spieler das Spiel für den GameCube oder die Dreamcast holen?

Ikaruga ist in erster Linie ein Spiel mit unglaublicher Tiefe: Die Highscore-Jagd gestaltet sich dank des Kettencombos sehr komplex, weshalb ambitionierte Spieler eine Ewigkeit damit herumtüfteln können. Die meisten versuchen jedoch erst einmal, durch die fünf Levels mit möglichst wenig Schaden durchzukommen, und alleine das ist schwierig genug. Den Leuten sei aber gesagt, dass man in den Optionen fünf Leben und ein schnelleres Erreichen zusätzlicher Continues einstellen kann; das heißt, dass jeder das Ende erreichen kann, wenn er bloß Geduld und etwas Hartnäckigkeit besitzt. Was jedoch Ikaruga von den restlichen Shoot’em Ups unterscheidet, sind die folgende Elemente: Das Spiel enthält erstens keinerlei Power-Ups, während die meisten Spiele dieses Genres massenweise davon haben; um zweitens eine starke Spezialattacke auszulösen, muss der Spieler die Energie und Schüsse der Gegner einsammeln; und drittens baut das ganze Spiel darauf auf, dass die Flugschiffe ständig zwischen einem weiß-bläulichen und einem schwarz-rötlichen Schutzschild wechseln können. Dieses Spiel mit dem Farbwechsel bestimmt die Spielmechanik: Weiße Energienstrahlen oder Schüsse machen dem weißen Schutzschild nichts aus und lassen sogar die Power der Spezialattacke wachsen und umgekehrt. Außerdem hat die Farbe der Strahlen einen Einfluss auf den verursachten Schaden, die entgegengesetzte Farbe wirkt effektiver gegen die Gegner.

Damit kommen wir zu der Präsentation, denn diese hebt sich deutlich von allen Spielen in allen Genres ab! Konsequent zeigt die Umgebung die Farben weiß-blau-schwarz-rot, ein (Alb-)Traum, technoid und kalt, ein wahres Cyberpunk-Märchen. Die Gegner mögen farblich monoton aussehen, doch die Formationen und das Leveldesign zeigen sich derart ausgefallen und ausbalanciert, dass nur tumbe Zeitgenossen das Künstlerische in diesem Spiel absprechen. Da das Spiel „on rail“ ist und ein guter Spieler alle Wege einstudieren kann, soll die Musik nicht unerwähnt bleiben, die sich abwechslungsreich gestaltet und exakt zum Level, Umgebung und den Gegnerformationen passt. Kaum ein Spiel verlangt dermaßen vom Spieler, eins mit dem Geschehen zu werden. Nicht nur deshalb mag man fast froh sein, dass das Spiel nicht lange dauert und nur fünf Levels umfasst, denn was das Design im Allgemeinen betrifft, so kommt Ikaruga sehr nahe an das perfekte Shoot’em Up ran. Das wissen alle Genre-Fans, aber leider nur wenige, die sich mit diesem Genre nicht auskennen – und das sind heutzutage sehr viele! Viele Shoot’em Ups werden in der Zukunft nicht mehr produziert, denn das Genre lebt nur noch von den Vielzockern, während der Gelegenheitsspieler lieber populäre und von der Spielqualität her meist schlechtere Spiele bevorzugen. Deshalb soll diese Kolumne ein Appell an alle ambitionierten Vielzocker sein, das Spiel auf alle Fälle noch zu besorgen, egal auf welche Weise das auch geschehen soll. Ein großartiges Spiel verdient mehr Aufmerksamkeit.

Eine Antwort zu Ikaruga: Schönheit in Weiß und Schwarz

  1. Ness sagt:

    Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Ein klasse Spiel, hatte es nach etwas Suche auch gekauft und war bzw. bin immer noch sehr angetan von diesem Spiel. Daumen hoch. =)