DS-Wahnsinn in Japan

In keinem anderen Land herrscht eine solch große Nachfrage nach dem DS Lite. Was hat der Lite, was andere nicht haben?

In allen drei großen Märkten feiert der DS große Erfolge. Während in den USA der DS sich noch nicht ganz so stark wie der GBA verkauft hat und er in Europa etwas besser in Schwung kommt, erreicht er in Japan jedoch einen unglaublichen Kultstatus – mit seinem Redesign DS Lite sogar noch ein bisschen mehr! Seit dem Weihnachtsgeschäft 2005 melden die Geschäfte stets ausverkaufte Lager, jedes Gerät wird sofort von den Leuten gekauft. Warum ist der DS (Lite) in Japan so populär? Und wird das Phänomen auch im Westen eintreffen?

Diese Nachfrage hat selbst Nintendo überrascht: Von Januar bis Mitte März 2006 hat die Firma viel zu wenige Geräte liefern können, weil sie nicht mit solch hohen Verkäufen im Weihnachtsgeschäft gerechnet hat. Sowohl die Software- als auch die Hardware-Zahlen erreichen ungeahnte Höhe, die Erwartungen an „Animal Crossing: Wild World“ zum Beispiel lagen bei 600.000 verkauften Einheiten; tatsächlich hat sich das Spiel über 3 Millionen Mal verkauft – nur in Japan! Ein offensichtlicher Grund für den Erfolg: Nintendo hat mit seinen Spielen neue Zielgruppen erreicht, ein Spiel wie Animal Crossing gefällt auch der weiblichen Kundschaft. Dieses Spiel und Nintendogs entwickeln sich bereits zu einem weltweiten Phänomen, speziell Nintendogs findet Millionen von Spielern und Spielerinnen. Ebenfalls ein weltweiter Systemseller ist Mario Kart DS, das erste Spiel Nintendos mit Online-Gaming. Doch sind die drei genannten Spiele nur die Spitze des Eisbergs und erklären gerade wegen ihres weltweiten Erfolges nicht, warum der DS in Japan so viele Verkaufsrekorde brechen kann.

Der entscheidende Unterschied heißt Brain Training! Dieses Spiel erschien im Sommer 2005 in Japan und hat sich ebenso wie der Nachfolger Brain Training 2 millionenfach verkauft. Die meisten Kunden sind aber Erwachsene über 25 Jahre, das heißt, Nintendo hat tatsächlich ein Publikum erreicht, das bisher kaum oder höchstens gelegentlich mit Videospielen zu tun hatte. Kombiniert mit dem DS Lite spricht Brain Training ein so großes Publikum an, dass die Produktionskapazitäten für die Geräte nicht ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Mittlerweile hat Nintendo das Angebot an solchen Produkten für Erwachsene ausgedehnt: English Training sorgt für das Aufrischen der Englischkenntnisse und Cooking Navi zeigt sich als nützliche Hilfe in der Küche. Nintendos Firmenchef Satoru Iwata wurde für seine Absicht, nicht nur die bisherigen Kunden, sondern auch neue Zielgruppen zu erreichen, in der Vergangenheit oft belächelt. Das Image als kinderfreundliche und für Teenager und Twens wenig attraktive Firma haftete lange an ihr, so dass die sogenannten Experten der Firma einen solchen Erfolg nicht zutrauten. Zwar bemüht sich Nintendo nach wie vor um ein familienfreundliches Auftreten, aber dank dieser Software und dem DS Lite finden so viele Erwachsene Zugang zu den Spielen, dass der Handheld zu einem Prestige-Objekt wird.

Wird sich die Manie im Westen fortsetzen? Das lässt sich nicht voraussagen, denn zwei weitere Faktoren helfen dem DS: Erstens gehen Japaner und Japanerinnen offen mit Technik um, während im Westen viele Menschen mehr Hemmungen haben – insbesondere bei technischen Spielereien. Zweitens stagniert der Markt für Videospiele in Japan seit Jahren, während im Westen diese Phase gerade erst begonnen hat. Allerdings hat sich Brain Training seit seinem Release im Westen ebenso gut verkauft und viele unerfahrene Spieler und Spielerinnen begeistert. Sollte das Spiel beharrlich in den Charts bleiben und weiterhin neue Spieler anlocken, dann wäre ein Trend wie in Japan nicht unwahrscheinlich. Nintendo hat schon mit Pokémon bewiesen, dass sie weltweite Massenbewegungen auslösen können. Mit der neuen Strategie wollen sie wieder einmal unsere Ansichten über Videospiele in Frage stellen. Man darf gespannt sein, was für Produkte sie noch für den DS auf Lager haben!

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