Zwei Screens für die Zukunft!

Der DS hat zwei Bildschirme. Ein Kuriosum? Auf alle Fälle ein Konzept mit Zukunft! Und ein Grund für den Erfolg des DS.

Als Nintendo im Frühling 2004 ankündigte, auf der E3 einen Handheld mit zwei Bildschirmen vorzustellen, reagierten alle Zocker erstaunt. „Was soll ein Handheld mit zwei Screens?“, fragten sie sich. Zwar hat der DS – wie wir jetzt wissen – noch andere Eigenheiten, wie zum Beispiel den Touchscreen und ein integriertes Mikrophon; und wahrscheinlich ist der Touchscreen die relevantere spielerische Neuerung. Aber die zwei Bildschirme fallen allen sofort auf und bilden auch das Logo des DS.

Nintendo DS Lite

Der frühere Firmenchef Yamauchi behauptete, es sei seine Idee gewesen, einen Handheld mit zwei Screens zu produzieren. Damit hat Yamauchi seinen letzten großen Erfolg feiern können, denn dieser Handheld wurde als Kuriosum belächelt und hat seit dem Launch unverhofft eine derart große Nachfrage erzeugt, dass Nintendo seit Anfang 2006 gar nicht genug Geräte herstellen kann, um die Nachfrage zu befriedigen. Einige der erfolgreichsten DS-Spiele nutzen die zwei Bildschirme gekonnt aus, weshalb das Konzept der zwei Bildschirme maßgeblich zu der erfreulichen Entwicklung des Geschäfts beiträgt.

Was hat Nintendo dazu bewogen, einen Handheld mit zwei Screens zu produzieren? Zweifellos können die Entwickler mit diesem Konzept viele Ideen verwirklichen, seien es Anzeigen jeglicher Art, Menüs oder gleich Aktionen auf beiden Bildschirmen wie zum Beispiel in Bomberman DS. Aber hätte man nicht das Gleiche mit nur einem, dafür großen Bildschirm machen können? Theoretisch ja, tatsächlich könnte in vielen Spielen das selbe auch mit nur einem Bildschirm erreicht werden, in der Regel benutzen die Entwickler aber nicht die Hälfte des Bildschirms für Anzeigen oder permanente Menüs. Das Konzept zwingt also die Entwickler, kreativ mit zwei Bildschirmen umzugehen. Dadurch erhalten die Zocker endlich Spiele auf einem Handheld, die nicht bloß eine Verkleinerung der Heimkonsolenversion sind, sondern eigenständige Plattformen mit unverbrauchten Ideen.

Bei aller spielerischen Bereicherungen: Für Nintendo spielt wahrscheinlich die ökonomische Überlegung eine mindestens so große Rolle wie die spielerische! Zwei Screens zeigen mehr an als ein gleich großer Screen und sind gleichzeitig günstiger und technisch weniger anspruchsvoll als ein großer Screen mit der selben Fläche. Nintendo hat den DS technisch schwächer als die PSP machen dürfen, weil die rechenintensive 3D-Grafik zwar über beide Bildschirme angezeigt werden kann, aber nicht muss. Außerdem kommt es für Nintendo günstiger, nur einen der zwei Screens als Touchscreen festzulegen, während ein großer Touchscreen wesentlich teurer wäre. Der DS lässt sich dadurch leichter produzieren als die technisch anspruchsvollere PSP, wirkt aber, was das Bild betrifft, doppelt so groß wie der GBA.

Mit zwei Screens haben die Ingenieure es auch leichter, den Handheld zu kreieren. Das aufklappbare Design schützt nicht nur die Bildschirme vor Kratzern, sondern macht den Handheld auch praktischer und kleiner. Speziell der Lite wirkt sehr grazil und ist angenehm zum Mitnehmen. Da die Vorteile von zwei Bildschirmen offensichtlich überwiegen, wäre es nicht erstaunlich, wenn zukünftige Handhelds weiterhin zwei Bildschirme haben werden. Dabei müssen die Screens nicht gleich groß sein! Zwar lassen sich zwei gleich große Screens leichter produzieren, aber eine bessere Ausnutzung der Fläche durch zwei unterschiedlich große Screens klingt bei einem Handheld verlockend, da ein Handheld möglichst klein sein muss und doch komfortabel. Und sollten Nintendo und Sony auch in ihren nächsten portablen Spielsystemen auf zwei Bildschirme setzen, so werden sich Handhelds in der Zukunft weiterhin klar von den Heimkonsolen abgrenzen können. So gesehen hat Nintendo mit der Einführung der zwei Bildschirme, des Touchscreens, des Mikrophons und des portablen Online-Gaming feste Standards für die Zukunft bereitgestellt.

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