Marktherrschaft um jeden Preis

Noch nie hat eine Firma in der Videospielgeschichte so riesige Verluste wie Microsoft gemacht. Der Preis für die Marktherrschaft?

Schon vor der Einführung der Xbox hatte Microsoft angekündigt, sich langfristig etablieren zu wollen. Nach J. Allard sollte die Xbox eine Langstreckenläuferin sein, weshalb Verluste einkalkuliert waren. Zwar gab Microsoft die Xbox auf – sie war doch keine Langstreckenläuferin –, doch die Investition bleibt auf einem sehr hohen Niveau. So soll Microsoft auf jede Xbox 360 über hundert Euro draufzahlen, um gute Verkaufszahlen zu erreichen und möglichst schnell eine große User-Basis vorweisen zu können. Der Preis, den Microsoft dafür zahlt, ist hoch: Mit der Xbox hat sie schon beinahe fünf Milliarden Dollar Verlust gemacht, für 2006 erwartet Microsoft eine weitere Millarde Verlust! Mit einem phänomenalen Preis/Leistungsverhältnis will sie die Konkurrentin Sony unter Druck setzen, was ihr auch gelungen ist – Sony muss die PS3 unter Herstellungspreis verkaufen.

Warum geht Microsoft derart in die Offensive? Sicherlich macht immer jeweils der Marktführer in der Regel den höchsten Gewinn, doch bei derart hohen Verlusten kann man sich fragen, wann Microsoft das Geschäft je im grünen Bereich führen kann. Um fünf Milliarden zu tilgen, bedarf es über sieben Jahre hohe Gewinne, außerdem nehmen die Verluste ja noch eine Weile zu. Dabei ist Microsoft überhaupt nicht gezwungen, mit Defiziten zu wirtschaften: Aufgrund des Zeitvorsprungs hätte sie ihre Konsole auch zu einem höheren Preis verkaufen oder die 360 mit etwas bescheidenerer Leistung ausstatten können. Aber mit ihrer Taktik, die Konsole enorm zu subventionieren, setzt Microsoft die Konkurrenten unter Druck: Sony und Nintendo dürfen ihre neuen Konsole nicht zu spät lancieren, weil sonst Microsoft bereits zuviel Marktanteile hat. Außerdem muss Sonys PS3 ein mindestens so gutes Preis/Leistungsverhältnis bieten, wenn nicht ein noch besseres! So kostet die PS3 nun 600 €  bei einem Herstellungspreis von über 750 €. Ein gefährliches Spiel – für beide Konsolenhersteller.

Wird Microsoft mit dieser Taktik den Konsolenkrieg gewinnen? Gewiss stehen die Chancen nicht schlecht für einen Erfolg, allerdings hat sie bisher aus dem zeitlichen Vorsprung nicht viel gemacht. Die Gründe liegen im eigenen Versagen: Zwar meinten manche sogenannten Insider vor dem 360-Release, die Verantwortlichen der Xbox-Sparte hätten aus ihren Fehlern gelernt, die sie in der ersten Konsolengeneration gemacht haben. Dafür haben sie aber in anderen Bereichen versagt – vor allem in der Software-Politik! Es dauerte zu lange, bis die 360 über ein einigermaßen breites Spieleangebot verfügte, denn die Auswahl beschränkte sich zu Beginn auf einige wenige Genres wie Rennspiele, First-Person-Shooter und Action-Spiele. Außerdem hat Microsoft es wieder verpasst, den Kunden in Japan ein genügend großes Angebot japanischer Titeln anzubieten. Im Westen ärgert die Core-Version der 360 nicht nur Kunden, sondern vor allem die Entwickler: Da die Core-Version keine Festplatte beinhaltet, müssen die Entwickler ihre Spiele so programmieren, dass sie auch mit Speicherkarten laufen können. Die Kunden hingegen haben die Wahl zwischen zwei Versionen zu unterschiedlichen Preisen, was vor allem bei uninformierten Kunden für Verwirrung sorgt. Am schlimmsten jedoch zeigten sich die stockenden Nachlieferungen, weshalb die Nachfrage im Westen monatelang größer als das Angebot ist.

So lässt Microsoft ihre Konkurrenten immer noch im Spiel, und diese greifen mit ihren neuen Konsolen im Winter 2006 an. Vor allem Nintendo kann dank ihrer komplett an die Situation angepassten Strategie punkten, denn mit einem tiefen Preis bei bescheidenerer Technik weicht sie Microsofts Angriff aus. Dafür zielt sie gleich am Anfang auf die Gelegenheitsspieler und auf die neuen und ungeübten Spieler, ohne jedoch ihre alte Kundschaft zu vernachlässigen. Beim DS scheint diese Taktik zu funktionieren. Aber Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn sie keine Antwort auf Nintendos Strategie hätte.

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