Die 3. Generation ist die schwierigste

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass die dritte Konsolengeneration für den Hersteller die schwierigste sei. Die Zockergemeinde hat sich seit der E3-Präsentation von Sony in Los Angeles 2006 überzeugen müssen, wie labil der Marktherrscher Sony momentan wirkt, obwohl er mit der PS3 eine Konsole vorstellte, die aus der Rückendeckung des erfolgreichen Vorgängers PS2 auf den Markt kommen wird. Was ist denn geschehen? Die PS3 bietet die fortschrittlichste Hardware im Konsolengeschäft, dafür kostet sie aber auch eine ganze Menge: 499 $ für die schlanke Version, 599 $ für die vollwertige, d.h. unter anderem mit HDMi-Anschluss und 60 GB-Festplatte. In Europa wird sie 599 € kosten, die günstigere Version fällt nach jetzigen Angaben weg. Der horrende Preis ist der Hauptkritikpunkt, negativ fallen auch die eher magere Spielepalette und der Controller auf, der nicht nur dem bisherigen PS2-Controller ähnelt (dieser wiederum dem PS1-Controller), sondern auch in der einzigen spielerischen Veränderung von Nintendo inspiriert zu sein scheint; dafür fällt der Rumble-Effekt weg, d.h. keine spielbezogene Vibration mehr!

Die Konkurrenten Microsoft und Nintendo hingegen haben in der Presse besser abgeschnitten, die Zocker selbst sind ebenfalls dieser Meinung: Während Microsoft wichtige Drittpartien für sich gewinnen konnte und selber Spiele anbietet, die technisch nicht schlechter aussehen als die PS3-Spieleprojekte, überzeugt Nintendo mit neuer Steuerung und neuen Spielideen. Mittlerweile verbreitet sich die Meinung, Sony könne in der nächsten Konsolengeneration erhebliche Marktanteile verlieren, was schwerwiegende Konsequenzen haben wird – zum Beispiel sinkende Drittherstellerbeteiligung. Warum ist die dritte Konsolengeneration immer die schwierigste? Wenn wir auf die Entwicklung von Nintendo schauen, dann verlor Nintendo auch mit ihrer dritten Konsole, dem Nintendo 64, die Marktdominanz und hat auch mit dem Nachfolger GameCube nicht wieder die gleiche Stellung zurückerobern können. Segas Niedergang begann mit dem Sega Saturn: Obwohl diese Konsole faktisch schon die vierte Segas war, zählt man Segas weltweiten Aufstieg erst ab dem Master System, wodurch der Saturn zur dritten Konsole wurde. Sarkastische Beobachter mögen von einem gottgewollten Gesetz reden, in Wirklichkeit machen die Hersteller mit ihren dritten Konsolen sehr menschliche Fehler.

Das Problem besteht darin, dass die Hersteller in erfolgreichen Zeiten das Gefühl bekommen, der Erfolg käme von selbst. Oft vernachlässigen sie dadurch wichtige technische Entwicklungen und die Konkurrenz, untersuchen nicht kritisch genug die Schwächen ihrer Systeme. Während Nintendo bereits in der zweiten Generation Marktanteile verlor, aber noch die Marktherrschaft innehatte, so war Sony auch mit der zweiten Generation überaus erfolgreich. In der dritten Generation verschätzte sich Nintendo jedoch bei der technischen Entwicklung, die Produktionskosten waren hoch, die technischen Hürden, wie geringe Speicherkapazität der Datenträger und die schwierige Programmierung, brachten die Dritthersteller dazu, lieber auf die PlayStation zu setzen. Sony macht mit der PS3 viele Fehler, die Nintendo vor zehn Jahren machte: Sony trifft keine größeren Maßnahmen gegen die steigenden Produktionskosten, veröffentlicht die Konsole zum einem eher späten Zeitpunkt und verschläft wichtige technische Entwicklungen. Diesmal ist nicht die Speicherkapazität der Engpass, sondern die Entwicklung in der Bedienung. Ein hoher Preis und nur wenige attraktive Spiele im ersten Halbjahr machen es für Sony schwerer, die Marktherrschaft wieder zu ergreifen.

Übrigens gibt es eine Ausnahme vom Gesetz, wonach die dritte Generation die schwierigste sei. Der DS ist der dritte Handheld von Nintendo, aber auch einer der erfolgreichsten Handhelds der Geschichte. Dafür aber musste Nintendo Risiken eingehen und sowohl im Hardware-Design als auch in der Spieleproduktion einige Neuerungen versuchen. Hätte Nintendo einfach ein leistungsfähigeres Modell gebracht und mit der PSP in der Grafik konkurrieren wollen, dann hätte Nintendo wahrscheinlich weniger gut abgeschnitten als jetzt mit dem DS und dem DS Lite.

5 Antworten zu Die 3. Generation ist die schwierigste

  1. piccolo-junior sagt:

    Naja, ich halte nichts von diesen „Weisheiten“. Hat man nicht auch gesagt, dass die PS2 floppen würde, weil sie schwarz sei. Da alle vorhergehenden schwarzen Konsolen den kürzeren gezogen haben. (N64, MD, Saturn).

    Am Ende entscheiden die Spiele und das Marketing.

  2. Ness sagt:

    Naja, dennoch hat die Regel bisher doch gut geklappt. Und die PS3 steht ja bis jetzt auch nicht gerade gut dar, wenn man sich mal die Verkaufszahlen anschaut. =)

  3. DEENAL sagt:

    Die Konsumenten wollen Weiterentwicklung,Power und zuverlssige Geräte!Das alles trifft bei der PS3 zu und egal wie schlecht es aussehen mag,früher oder später hat sie dann doch jeder im Wohnzimmer stehn!XBOX kann bald einpacken!

  4. Anonymous sagt:

    Es stimmt. Wir wissen nun das es genau so eingetreten ist.

    /ajk

  5. Romplayer sagt:

    Bin ich der einzige, der merkt dass der DS NICHT der dritte Handheld von Nintendo ist? Ich nehme an Neo vernachlässigt hier den Gameboy Color und bezeichnet den als Erweiterung vom GB oder so. Das sehe ich aber ganz anders. Der GBC war der logische Nachfolger vom GB, genau wie es der GBA vom GBC war. Wie sonst sollte man einen Sprung von Schwarz/Weiß zu Farbig bezeichnen?

    Somit ist der Nintendo DS der vierte Handheld von Nintendo (genau wie bei Sega zählt man die Game&Watch Serie nicht dazu) – was aber an der Argumentation nicht viel ändert. Weil der GBA (die dritte Konsole) war ebenfalls alles andere als ein Flop.

    Ich stimme piccolo aber zu: Die Regel ist Schwachsinn ;) Aber schöne Theorie. Nur hat man so eben auch schon genügend andere gehört. Zum Beispiel dass der GBA floppen würde, weil man ihn quer hält, und vorher auch schon alle querformatigen Handhelds versagt haben. Nonsense ^^