Street Fighter: Aus und vorbei?

Seit Capcom „Street Fighter II“ veröffentlichte, gehörte die Reihe zu den erfolgreichsten in der Videospielgeschichte. Jetzt spielen nur noch die Eliten – leider.

Mit Street Fighter II hatte Capcom eines ihrer erfolgreichsten Spiele, sowohl in der Arcade als auch auf den Heimkonsolen SNES und Sega Mega Drive. Der Erfolg kam überraschend, denn der Erstling Street Fighter war als Spielautomat bekannt, doch gemessen an seinem Nachfolger war dieser spielerisch recht blass. Street Fighter II setzte grafische Maßstäbe: Das Genre „Mann gegen Mann“ war zwar nicht neu und hatte schon mehrere ähnliche Spiele vorzuweisen, aber Street Fighter II zeigte sich von einer bisher unbekannten grafischen Seite; die Charaktere sind detailliert und groß gezeichnet, die Animationen weich und flüssig, und die Hintergründe variieren von ruhig und konzentriert bis pulsierend und opulent. Wirklich innovativ zeigt sich jedoch das Spielerische: Es bietet eine vielfältige Angriffsauswahl, verteilt auf sechs Knöpfe, die wiederum zusammen mit dem Steuerkreuz bzw. dem Stick des Spielautomaten zu neuen Bewegungen kombiniert werden können. Die meisten können ohne weiteres die ersten Tritte und Schläge austeilen, die Steuerung ist einfach und doch so komplex, dass alle Spieler immer wieder neue Spielmuster entdecken können. Zudem versteht es Capcom, das Spiel mit speziellen Attacken, die eine besondere Bewegungs- und Tastenkombination verlangen, auszustatten.

In den folgenden Jahren reichte Capcom mehrere Updates nach, unter anderem das geniale Super Street Fighter II, und veröffentlichte mehrere neue Reihen innerhalb der Serie: Street Fighter Alpha, Street Fighter EX, Capcom vs. SNK und das famose Street Fighter III, alle jeweils mit mehreren Updates. Zudem brachte Capcom auch einige Beat’em Ups hervor, die von der Spielmechanik gesehen an Street Fighter erinnern, wie zum Beispiel Dark Stalkers und Rival Schools. Neben Capcom zeigten auch andere Firmen wie SNK, Atlus und Konami, dass sie ähnlich gute Spiele in diesem Genre entwickeln können – hier eine kleine Auswahl der Spiele: Art of Fighting, Fatal Fury, Samurai Showdown, Power Instinct, Teenage Mutant Ninja Turtles: Tournament Fighters. Das Besondere war, dass die von Capcom und SNK fast gleichzeitig entwickelte Spielmechanik im Wesentlichen bestehen blieb. Es scheint fast, als wäre sie perfekt und könne nur im Detail verbessert werden.

Die Stärke der Street Fighter-Serie ist also ihre Spielmechanik, jedoch ist sie gleichzeitig ihre Schwäche, denn da sie so gut funktioniert, bleibt sie bis heute noch bestehen und wurde nur unwesentlich verbessert: Combo-Moves, Blocking (Konter), schnelles Vorpreschen und Rückwärtslaufen, Air-Guarding (Verteidigen in der Luft) und Chain Combos gehören zu den wichtigsten Neuerungen. Das Spielpublikum, das ehemals Millionen von Spielern zählte, schrumpfte mit der Zeit. Drei Gründe führen zu dieser Entwicklung: Erstens gab es in den Neunzigerjahren zu viele Spiele dieser Art, Capcom selber schickte mehrere Serien auf den Markt. Zweitens nahmen ab Mitte der 90er die 3D-Beat’em Ups an Popularität zu, während die 2D-Vertreter bei vielen als veraltet galten. Und drittens hat sich mit den Jahren eine eingeschworene Gruppe von Spitzenspielern gebildet. Während die meisten Spieler am Anfang der 90er alle auf einem ähnlichen Niveau waren, können die Gelegenheitsspieler nun nicht mehr mit den besseren mithalten, die Szene ist elitärer geworden – das gilt auch für die 3D-Beat’em Ups.

So hat sich Capcoms Street Fighter-Serie von einer einst populären und vielgespielten Spielereihe zu einem Elitesport entwickelt. Die Fans und Spielveteranen wünschen sich zwar nichts sehnlicher als eine Fortsetzung der Reihe mit „Street Fighter IV“, aber die Chancen stehen schlecht, dass die Reihe je wieder so populär wird wie früher. Nichtsdestotrotz huldigen die Liebhaber des Genres die Reihe als eine der besten in der Videospielgeschichte und einige der Street Fighter-Spiele gehören heute noch zum festen Programm von Wettkampfturnieren wie der Evo – Championships-Series.

Eine Antwort zu Street Fighter: Aus und vorbei?

  1. piccolo-junior sagt:

    vor allem hat capcom sich schwer getan mit der mathematik. Man hat lange gebraucht um von ST 2 zu ST 3 zu kommen. Nichtdestotrotz, liebe ich super street fighter 2