Videospiele für alle!

In Industrieländern spielen die Leute schon seit fast zwei Jahrzehnten Video- und PC-Spiele. Doch wie sieht es in ärmeren Ländern aus?

Videospiele gehören zu den teuersten Konsumgütern: Eine neue Konsole kostet mindestens 200 €, in dieser Generation soll die PS3 gar 599 € kosten. Neue Spiele sind meist ab 50 € zu haben, jedoch sollen Xbox 360-Spiele bis zu 70 € kosten. Selbst für neue Handhelds muss man immerhin 150 € (DS Lite) ausgeben, für PSP-Spiele zahlt man bis zu 50 €. Da die Produktionskosten weiterhin steigen, die Anzahl der Spieler hingegen stagniert, werden die zusätzlichen Kosten auf den Spieler abgewälzt, d.h. die Spiele sind teurer geworden. Dadurch verliert das Videospielen an Reiz für viele Gelegenheitsspieler, während Core-Gamer gelegentlich auf Preisreduktionen warten. Zum Glück geht zumindest Nintendo in die andere Richtung und versucht beim DS ein Zwei-Preise-Modell zu setzen, in dem neben den üblichen Spiele für 40 € auch solche für 30 € angeboten werden. Günstig produzierte Spiele sollen auch weniger kosten dürfen! Hoffentlich geht Nintendo auch mit der Wii in diese Richtung.

Wenn aber bereits in Industrieländern das Videospielen als teures Hobby gilt, was ist dann mit den Entwicklungsländern und den Schwellenländern? Gewiss lassen sich auch in diesen Ländern Videospiele und Konsolen kaufen, aber die Verbreitung kann man nicht mit jenen der Industrieländer vergleichen. Die Vermarktung geht ohne eine Niederlassung nicht voran: Nintendo hat zum Beispiel je eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten und in Europa, aber ohne eine eigene Niederlassung kann Nintendo nicht mal in Korea ein gutes Geschäft aufbauen. Die Konsolenhersteller zögern oft mit Expansionsplänen in den Schwellenländern: Nur wenige Leute haben das Geld für Videospiele, und das größte Problem besteht darin, dass die meisten eher Raubkopien kaufen. Das Geschäft mit Originalsoftware leidet deshalb darunter, auch weil der Verkauf von Raubkopien nicht konsequent bestraft wird und vor allem in Südostasien die Märkte Raubkopien anbieten – staatlich toleriert. Sie kosten meistens nur einen Bruchteil des Originalpreises, nicht selten kommen auch solche mit bereits freigeschalteten Extras in den Handel. Ebenso beliebt sind GBA-Module, die mehrere Spiele beinhalten. Angesichts dieser Lage können die Konsolenhersteller in diesen Ländern nicht mit dem jetzigen Geschäftsmodell operieren. Aber das Videospiel als Medium kann nicht wachsen, wenn die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht mit ihm in Kontakt kommt. Was können die Hersteller dagegen tun? Nintendo hat in China den Versuch mit „iQue“ gestartet.

iQue Player

Die Konsole besteht hauptsächlich aus einem Controller, der an den Fernseher angeschlossen werden muss. Die Spieler laden ihre Spiele in Ladestationen herunter, wodurch Nintendo an Produktionskosten einsparen kann. Außerdem besteht der größte Teil der iQue-Spiele aus N64-Klassikern, d.h. Nintendo entwickelt keine neuen Spiele und versucht nur mit den bereits vorhandenen Klassikern, Kapital zu schlagen. Keine dumme Idee: Um gegen Raupkopien ankommen zu können, muss man die Spielepreise so stark senken, dass sie auch gegen Raubkopien bestehen können. Eine weitere und bekannte Möglichkeit ist es, das Geschäft mit Hardware zu machen. Tatsächlich kosten Konsolen auch in Schwellenländern nicht wenig, kopiert wird vor allem die Software. Beliebt in diesen Ländern sind deshalb Sonys PS1 und PS2, selbst heute noch kann man dort Famicom und Super Famicom ergattern, von Game Boy und Game Boy Advance ganz zu schweigen. Zurzeit versucht Nintendo, den DS als „iQue DS“ in China zu vermarkten. Die Software wird sicherlich raubkopiert, aber mit der Hardware kann Nintendo Gewinne einfahren. Im Gegensatz zu Sony, da sie die PSP unter Wert verkaufen. Ansonsten müssen die Konsolenhersteller hoffen, dass die Schwellenländer rigoroser gegen die Raubkopierer vorgehen und dass ihre Bevölkerung qualitätsbewusster wird. Dies kann nur dann eintreffen, wenn die Leute in diesen Ländern sich die teuren Originale leisten können und wollen. Wenn aber die Mittelschicht dort eine bestimmte Größe erreicht hat, werden die fehlerhaften Raubkopien nur noch wenig gelten und Originale viel Prestige bringen.

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