Nintendos einsamer Weg

Nintendo hat eine Vision, aber können die Dritthersteller diese begreifen?

Shigeru Miyamoto, Gunpei Yokoi, Hiroshi Yamauchi: Jeder hat Nintendos Firmenphilosophie entscheidend mitgeprägt. Miyamoto mit seinen Prinzipien im Game Design; Yokoi mit seiner Denkweise und seinem Geschick in der Hardware-Entwicklung; innerhalb von zwei Jahrzehnten wuchs Nintendo unteranderem dank ihnen zu einem milliardenschweren Unternehmen. Laut Spieleproduzent Miyamoto soll aber der frühere Firmenchef Yamauchi am meisten Einfluss auf die Firmenphilosophie gehabt haben. Die zwei wichtigsten Sätze, die jeder Nintendo-Angestellte befolgen sollte, lauten: Niemals mit dem Status Quo zufrieden sein und sich nicht von anderen Leuten (z.B. der Konkurrenz) beeinflussen lassen.

Deshalb sind der DS wie auch die Wii bei allen Neuerungen typische Nintendo-Produkte. Die Preisgestaltung bleibt im Rahmen der bisherigen Konsolen und Handhelds Nintendos, und an der Effizienz der Maschinen zweifelt niemand. Yamauchi ist zwar nicht mehr Firmenchef, dennoch trägt das Konzept, das zur Produktion des DS und der Wii führte, seine Handschrift, unterliegt seinen Vorstellungen. Überzeugt vom Erfolg des DS, setzt der jetzige Firmenchef Satoru Iwata den eigenwilligen Weg mit Wii fort; fast alle glauben daran, dass Nintendo mit dem neuen Controller wunderbare und vor allem neue Spielkonzepte kreieren wird. Aber verstehen die Dritthersteller das Konzept der Wii? Werden die Entwickler der Drittpartien fähig sein, mehr als nur kleine Spielereien zu bewerkstelligen?

Wenn wir das DS-Spielangebot und dessen Entwicklung anschauen, dann finden wir einige positive, aber auch ein paar ernüchternde Feststellungen: Manch ein Dritthersteller findet durchaus Möglichkeiten, den Touchscreen und das Microphon einzubinden, Namco entwickelt gar Spiele, die sich ausschließlich mit Touchscreen steuern lassen. Doch letzlich konnte nur Nintendo die Spielewelt auf den Kopf stellen, indem sie mit Brain Training und Nintendogs zwei neue Franchises kreierte, die unverhofft zum weltweiten Riesenerfolg geworden sind. Außerdem erreicht Animal Crossing mit dem DS-Ableger endlich seine volle Blüte – WiFi sei dank! Mit anderen Worten: Erst die untypischen Spiele, oft als „Non-Games“ abgetan, haben die Misere des Videospielmarktes beseitigen können. Die Dritthersteller hingegen haben am Anfang nichts dergleichen auf die Beine stellen können und beginnen erst jetzt, „Non-Games“ als Chance zu sehen; mit dem Resultat, dass die Brain Training-Klone nur einen Bruchteil der Verkaufszahlen des Originals erreichen. Stattdessen sind die meisten Spiele Ableger einer bekannten Serie, selbst Neuentwicklungen bleiben eher genretreu.

Ist das ein schlechtes Omen für die Wii? Nicht unbedingt, denn seit der DS so populär geworden ist, haben die Dritthersteller nicht nur bessere Verkaufszahlen erzielt, sondern werden sicher ein paar Spiele liefern können, die das Potenzial eines Millionen- und Systemsellers haben. Für die Wii sagt die Erkenntnis aus den ersten DS-Jahren aber voraus, dass Nintendo sich am Anfang nicht auf die Dritthersteller verlassen kann, sondern selbst die Kohle aus dem Feuer herausholen muss. Firmenchef Iwata weiß das, und so bietet Wii eine reiche Palette: Wii Sports, Wii Music und Wario Ware für die Gelegenheitsspieler, Zelda, Metroid und Mario für die Vielzocker. Nicht zu vergessen das Prestigeprojekt „Super Smash Bros. Brawl“, denn dieser Fun-Prügler soll zeigen, dass es auch auf der Wii sündhaft teure Spielentwicklungen geben wird. Bei aller Stärke sollte Nintendo sich aber gelegentlich zurückhalten, um den Drittherstellern auch ein bisschen Rampenlicht zu gewähren. Die richtige Software-Verteilung über die ersten zwei Jahre wird eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, will Nintendo diesmal mit Wii mehr Erfolg haben als mit dem Cube. Mit toller Software ist es nicht getan, das hat das N64 mit seinen teils überragenden Spielen gezeigt. Und wenn sogar die Qualität nicht den hohen Nintendo-Standard hat, wie es beim Cube oft der Fall war, dann erst recht nicht. Es wird Zeit für Nintendo, wieder besser zu sein.

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