Die PC-isierung der Konsolen

Einst waren die Grenzen zwischen Konsole und PC klar, doch seit Microsoft im Konsolengeschäft mitmischt, leiden die Videospieler.

Der Graben zwischen Konsolenzockern und PC-Gamern lag für lange Zeit tief: Auf der einen Seite die Konsoleros mit ihren standardisierten Geräten und Pads, auf der anderen Seite die PC-Spieler mit ihren ausbaufähigen Maschinen, mit Keyboard und Maus. Konsolenspieler rühmen die Einfachheit des Videospiels und hassen die PC-Unsitten wie Patches, Abstürze und Inkompatibilität, wenn zum Beispiel wieder einmal nicht genug RAM zur Verfügung steht. PC-Zocker hingegen mögen es, immer auf dem neuesten Stand zu sein und lassen sich dies auch einiges kosten. Sie schwören auf Online-Gaming und verstehen nicht, warum man so viel Kohle für Videospiele ausgeben soll, während sie für PC-Spiele deutlich weniger (oder gar nichts?) zahlen müssen.

Weil Sony und Nintendo sich bisher ein sehr lukratives Geschäft teilten und zudem Sony mit der PS2 dank DVD-Kompatibilität das Wohnzimmer erobern wollte, musste Microsoft reagieren, da sie sich ihrer Stellung bedroht sieht und selber das Wohnzimmer besetzen will – wie zuletzt mit der „Windows XP Media Center Edition“. Mit der Erfahrung im PC-Bereich und einer gefüllten Kriegskasse will Microsoft das Konsolengeschäft gehörig aufmischen, brachte als erster Konsolenhersteller das Online-Gaming in großem Stil aufs Tapet und bietet zudem als erste Firma eine Konsole mit Festplatte an. So weit, so gut, doch damit kamen auch PC-Krankheiten dazu: Mal müssen Spiele geflickt werden, weil es einige Firmen offenbar nicht mehr so genau mit dem Testen nehmen; man könne ja den Patch runterladen und auf der Festplatte speichern. Außerdem werden jetzt Zusatz-Contents angeboten, natürlich nicht umsonst! Dafür kosten die Spiele immer noch deutlich mehr als solche für den PC, und die Hersteller achten nicht mehr darauf, dass die Daten auch auf Speicherkarten geladen werden können – man hat jetzt halt die Festplatte. Online-Gaming ist auf der Xbox übrigens nicht kostenlos, das wäre dann doch zu viel des Guten.

Mit der 360 treibt Microsoft die PC-isierung weiter und raubt noch die letzte Gewohnheit der Konsolen: Die 360 wird in zwei Versionen angeboten, einer fehlt sowohl die Festplatte als auch das Kabel für HDTV, außerdem hat der Controller ein Kabel, während die „360 Premium“ einen kabellosen Controller vorweist. Damit macht Microsoft den Entwicklern keine Freude, da sie nicht davon ausgehen können, dass jeder Spieler eine Festplatte hat, und sie somit die Hardware nicht so ausschöpfen können, wie sie es wollen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine 360 mit eingebautem HD-DVD-Laufwerk auf den Markt kommt, um Sony kontern zu können. Drei Versionen der 360? Himmel hilf! Die 360-Zocker sollten beten, dass nicht plötzlich noch Spiele auf HD-DVD kommen und die Spieler gezwungen sind, sich ein Add-On-Laufwerk zuzulegen.

Leider bleibt Microsofts Unsitte nicht nur in ihren eigenen Produkten, sondern Konkurrent Sony nahm das neue Geschäftsmodell auf und veröffentlicht ebenfalls zwei Versionen der PS3. Genau wie bei der 360 fehlt dem günstigeren Modell einiges: Die Festplatte ist nur 20 GB groß, während die teurere Version 60 GB bietet; außerdem hat nur die teure Version HDMi-Anschluss und eine Öffnung für die Speicherkarte. Nur Nintendo bleibt der Idee der Konsole treu, wird nur eine Version anbieten und auf unnötigen Multimedia-Schnickschnack verzichten. Ganz im Gegensatz zu Sony oder Microsoft: Während die PS3 nicht nur CDs, DVDs, sondern auch Blu-Ray schluckt und letzteres groß rausbringen will, macht die 360 das selbe, nur statt Blu-Ray eben mit HD-DVD. Da aber Microsoft unter allen Umständen vor Sony auf dem Markt sein will, wird HD-DVD nun halt nachgeschoben. Keine sehr glückliche Entscheidung, denn nicht nur fehlt der 360 ein HDMi-Anschluss, sondern durch den frühen Start hat Microsoft es verpasst, die 360 richtig gut zu testen, weshalb skandalös viele Konsolen ihren Geist aufgeben, obwohl viele Zocker ihr Gerät mit Samthandschuhen anfassen.

2 Antworten zu Die PC-isierung der Konsolen

  1. piccolo-junior sagt:

    Guter Artikel. Mir ist die PCisierung auch aufgefallen. Und mögen, tu ich sie gar nicht. Gott sei Dank habe ich keine Xbox. Ich hoffe, auf der PS3 wird sich so etwas nicht wiederholen.

  2. Benny sagt:

    Wenn das so weiter geht haben wir bald auf Konsolen Treiberprobleme und Mindestanforderungen