Japan: Microsofts Waterloo

Die meisten mögen mitbekommen haben, dass Microsofts letzte Konsole, die Xbox, in Japan wenig Resonanz bekam – höflich ausgedrückt! Da Hartnäckigkeit zu den Stärken der Firma Microsoft gehört, versuchte sie mit der Nachfolgerin „Xbox 360“ nochmals, den japanischen Markt zu knacken. Dabei spricht einiges für die 360: Microsoft zieht die Spendierhose an und drückte den Preis so tief gegen unten, dass die europäischen Spieler sich veräppelt fühlen müssten. Gerade mal 38.800 Yen kostet die 360, kein Vergleich zu den 399 € hierzulande! Außerdem kommt Sonys PS3 erst im Winter 2006 raus, während die 360 schon seit Ende 2005 in Japan erhältlich ist. Trotzdem bleibt die 360 ein Ladenhüter und verkauft sich sogar noch schlechter als die Vorgängerin. Warum? Folgende Gründe sind zu nennen:

  • Die 360 hat am Anfang kaum japanische Spiele gehabt und hat jetzt immer noch kein großes Spieleangebot japanischer Prägung. Alle japanischen 360-Spiele haben zudem bisher nicht zeigen können, dass sie das Zeug zum Systemseller haben. Ob die nächsten Spiele wie Blue Dragon die Kohle aus dem Feuer holen können?
  • Die 360 kommt gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Dem DS (Lite) gehört die volle Aufmerksamkeit, kein anderes System ist derzeit so begehrt. Außerdem warten viele Kunden auf Nintendos Wii sowie Sonys PS3 und warten deshalb ab.
  • Westliche Produkte haben es in Japan schwer; wenn ein Produkt kein Prestige mit sich bringt, dann erst recht! Xenophobie? Darüber möchte ich nicht sinnieren. Microsoft muss die 360 wahrscheinlich so vermarkten, dass die Konsole zum Lifestyle gehört, dass sie ähnlich wie der iPod ein Must-Have ist. Nur leider ist das Ding ziemlich groß und macht verdammt viel Lärm.

Microsoft-Fans reden meist das katastrophale Abschneiden in Japan klein und weisen auf die Verkäufe in den USA und in Europa hin. Im Westen verkauft sich die Konsole tatsächlich ordentlich; dennoch wird es für Microsoft schwer, eine dominante Stellung in diesem Milliardengeschäft einzunehmen, wenn die Verkäufe in Japan nicht besser werden. Und das weiß Microsoft! Ohne ein gutes Fundament in Japan werden die großen japanischen Dritthersteller ihre besten Spieleserien nicht für die Xbox bringen wollen; und wenn doch, dann nicht exklusiv! Und mögen die EA-Spiele im Westen eine größere Rolle spielen als die meisten japanischen Spiele, so mangelt es der 360 an Spielevielfalt und kann vor allem die Gelegenheitsspieler nicht erreichen. Außerdem hat Microsoft nicht die gleiche Anzahl an eigenen Spieleproduktionen wie Nintendo oder Sony, obwohl sie in den letzten Jahren mehrere Firmen aufgekauft haben. Wie kann die 360 zu besseren Verkaufszahlen in Japan kommen?

Offensichtlich wollen die Japaner die Konsole nicht einmal geschenkt: Die Software muss stimmen, um wenigstens in Japan zu retten, was noch zu retten ist. Mit großzügigen Vereinbarungen, bezahlten Aufträgen und technischer Hilfe könnte Microsoft ein paar Spiele für sich gewinnen. Noch wichtiger wäre aber ein Aufbau eines eigenen japanischen Entwicklerteams! Doch hat Microsoft die Geduld dafür? Wahrscheinlich wird man wieder das finanzielles Gewicht auf die Waage legen und ein paar japanische Firmen aufkaufen. Der Zeitpunkt käme gerade günstig, denn trotz des DS läuft es in vielen Firmen nicht rund, die Softwareverkäufe enttäuschen die Publisher, und manche Traditionsfirmen schreiben gar rote Zahlen. In bester Gesundheit befindet sich nur Nintendo, deren DS-Spiele unglaubliche Erfolge feiern. Ausgerechnet Nintendo! Hätten sie damals Microsofts Angebot für die Übernahme angenommen, könnte Microsoft Japan im Sturm erobern! Doch Nintendo bzw. der damalige Firmenchef Yamauchi lehnte das milliardenschwere Angebot ab. Zum Glück, denn seien wir mal ehrlich: Würde Nintendo, die notorisch innovative Firma, zu Microsoft passen, die sich trotz Forschungsgelder in Millardenhöhe vor allem dadurch auszeichnet, die Konzepte anderer zu übernehmen? Würde Nintendo, die nur auf das Videospiel fixiert ist, zur Microsoft passen, die zurzeit gleich in mehreren Fronten gegen Konkurrenten kämpft und dabei ähnlich wie Sony alle Sparten miteinander zu verbinden versucht?

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