Wie weiter mit Bitmap?

Freunde der 2D-Grafik haben es in der jetzigen Zeit wahrlich nicht einfach. Diesmal möchte ich die Gedanken in „Das Ende der Bitmap-Ära“ fortsetzen, und beginnen möchte ich mit einem Kommentar von Mod666, der die Kolumne wie folgt ergänzte:

„Füge das Argument ‘Bitmaps wirken billig’ hinzu. Bitmap-Grafiken gibt es seit jeher, die 3D-Konkurrenz brauchte viel Zeit, um überhaupt ansehnlich zu werden. Analog zum ‘Realismus’ bleibt das Empfinden eines ‘wertvolleren’ Produktes bei einem, der die scheinbar aufwendigere Technik nutzt. Der Aufwand, eine Vielzahl hochauflösender Sprites herzustellen, wird dagegen auf dem Markt nicht ausreichend gewürdigt, für die wenigsten wird ein gelungenes 2D-Spiel mit einem in der gleichen Liga spielen, das die neuesten Shader benutzt.“

Der Meinung bin ich auch: Der Fortschritt in der 2D-Grafik stagniert nicht, weil dieser nicht vorhanden wäre, sondern weil dieser nicht genügend unterstützt wird! Die grafische Entwicklung von „Street Fighter II“ zu „Street Fighter III: Third Strike“ ist unübersehbar, doch gehen die Verkaufszahlen seit Street Fighter II stetig zurück. Ebenso gehört das Genre der Shoot ‚em Ups wie „Gradius“ und „R-Type“ seit Mitte der 90er Jahren zur Randerscheinungen. Ausgerechnet jenes Genre, das die 2D-Grafik entscheidend mitgeprägt hat, mit seinem Hunger nach einer hohen Anzahl Sprites! Wie wenig die Leute 2D-Spiele noch unterstützen, zeigt gerade das Spieleportfolio der PS3 und der Xbox 360: Die relevanten und medienwirksamen Spiele präsentieren sich alle im 3D-Gewand.

Sterben die 2D-Spiele aus? Wie schon in der vorangegangen Kolumne erwähnt, werden wahrscheinlich auch in Zukunft noch Spiele im zweidimensionalen Stil erscheinen – allerdings mit Polygonen und im Cel-Shading-Look. Das heißt, dass die Präsentation aus einem 2D- und 3D-Mix besteht: Die Spielmechanik bleibt zweidimensional, bunt und wie gezeichnet, die Präsentation hingegen erscheint dreidimensional, also mit einer Tiefe im Raum. Als Beispiele mögen „Viewtiful Joe“ und „New Super Mario Bros.“ herhalten. So lange diese Spiele noch Resonanz finden, werden sie auch produziert. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass bisher eher wenige Spiele Cel-Shading anwenden. Insbesondere im Westen geht die Grafik eher in Richtung Realismus.

New Super Mario Bros.

Welche Überlebenschancen haben also 2D-Games, insbesondere jene mit Bitmap-Grafik? In der ganzen „Next Generation“-Diskussion spielen 2D-Spiele keine große Rolle mehr, die technische Entwicklung konzentriert sich vorwiegend auf den 3D-Bereich. Zwar ließen sich die Fortschritte auch in 2D anwenden (so zum Beispiel Mehrfach-Anti-Aliasing), aber kaum eine Firma würde Millionen riskieren, um ein 2D-Spiel zu produzieren. Bitmap-Grafik setzt man also vor allem in kostengünstigeren Produktionen ein, neben der PSP und dem DS gehören Handys zu den favorisierten Plattformen. Zwar bieten PSP und DS beide 3D-Grafik, und selbst moderne Handys können 3D zeigen: Aufgrund der eher niedrigen Auflösung und der technisch beschränkten Möglichkeiten lassen sich manche Spielewelten mit zweidimensionaler Bitmap-Grafik allerdings besser darstellen – dies gilt für den DS und die Handys. Auf der PSP hingegen setzen die Entwickler häufig auf 2D, weil sie Kosten sparen wollen. Insbesondere bei Serien, die bereits auf den Heimkonsolen auf 2D setzen, würde eine solche Portierung günstiger kommen als eine komplette Neuentwicklung in 3D.

Wie wird aber die Zukunft aussehen, wenn Nintendo und Sony die nächste Handheldgeneration einläuten? Wenn selbst Handhelds technisch so weit sind, dass 3D bevorzugt wird? Eine mögliche Antwort liefert der „Virtual Console“-Service von Nintendo und die „Xbox Live Arcade“: Um die Kosten und damit das Risiko zu senken, die eine Veröffentlichung mit sich bringen, bieten sowohl Nintendo als auch Microsoft den Entwicklern die Möglichkeit, Spiele als Downloadangebot anzubieten. Im Moment und in naher Zukunft beschränkt sich das Angebot noch auf altbekannte Spiele, und nur wenige Neuentwicklungen wie „Geometry Wars“ finden den Weg in den Spielekatalog. Sollte sich der Online-Service jedoch zunehmender Beliebtheit erfreuen, dann können die Zocker auf einen neuen 2D-Trend hoffen. Man darf gespannt sein, ob nicht gar neue, kleine Firmen entstehen, die sich auf diesen neuen Markt konzentrieren werden.

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