Der DS und der schwache West-Support

Nintendo feiert mit dem DS eine ihrer größten Erfolgsgeschichten: Zwar bleibt der DS in den Staaten noch etwas hinter dem GBA, was die Verkaufszahlen betrifft; in Europa und Japan hingegen wird der DS die Gesamtverkäufe des GBA sicher übertrumpfen, selbst wenn der DS wahrscheinlich keine so lange Zeit wie der Game Boy auf dem Markt bleiben wird. Insbesondere in Japan bricht der DS alle Rekorde, denn er war nicht nur zwischen Januar 06 bis Ende Juni 06 ausverkauft, sondern weist schon jetzt eine stattliche Anzahl an Millionenseller auf und wird in den nächsten Monaten noch einige Millionenseller dazubekommen. Außerdem haben sich manche Titel schon mehr als zwei Millionen mal verkauft – selbst in Japan sind solche Zahlen unglaublich.

Doch es gibt auch weniger ruhmreiche Seiten in der DS-Ära: Erstens sind fast alle Titel mit Millionenabsätzen von Nintendo. Und zweitens kommen die meisten namhaften Spiele, vor allem Exklusivtitel, aus Japan. Die westlichen Entwickler beschränken sich größtenteils auf Portierungen ihrer Multiplattformtitel oder machen uninspirierte Lizenzspiele. Warum strengen sich die westlichen Firmen nicht mehr an? Der DS verkauft sich auch im Westen ordentlich bis sehr gut; und Animal Crossing, Nintendogs sowie Gehirn-Jogging zeigen, dass auch die Europäer und die Nordamerikaner gewillt sind, gute Spiele zu kaufen. Außerdem verkaufen sich auch gute Spiele der Dritthersteller ziemlich gut. Doch die westlichen Entwickler konzentrieren sich lieber auf die Heimkonsolen, obwohl die Xbox 360 gerade mal einen Bruchteil des Marktanteils eines DS hat.

Dabei müssen die Entwickler nicht mal besonders originell sein: Warum keine Portierung der erfolgreichen PC-Strategiespiele? Für Echtzeit-Strategiespiele mag die Auflösung des DS zu klein sein, aber rundenbasierte Spiele hätten dieses Problem nicht. Auch wünschen sich nicht wenige Spieler ein paar Adventure-Spiele im Stile des berühmten „Monkey Island“, doch von einer neuen Welle solcher Spiele kann nicht die Rede sein – zumindest nicht solche westlicher Prägung! Die japanischen Entwickler hingegen haben dieses Genre für sich entdeckt und können vom mangelnden West-Support profitieren: Nintendo bietet in Zusammenarbeit mit Cing „Another Code“, während sich Capcom mit „Phoenix Wright“ vor allem bei den Core Gamern ein gutes Image zulegt. Eine weitere Tatsache soll uns erschrecken: Egal ob Final Fantasy III, Children of Mana, ein neues Castlevania oder Pokémon Diamond & Pearl – alle kommende Hits sind Spiele aus Japan! Während die japanischen Spielehersteller längst wissen, dass der DS einen guten Absatzmarkt darstellt, können die westlichen Entwickler nichts mit ihm anfangen.

Es zeigt sich, dass die westliche Spieleindustrie zu schematisch denkt und sich nicht kreativ mit neuen Steuermöglichkeiten auseinandersetzen kann. Während Nintendo mit Nintendogs und Gehirn-Jogging zwei Millionenseller hat, die spielerisch vor allem auf Touchscreen und Mikrophon setzen, kommen die westlichen Entwickler nicht über kleinere Spielereien hinaus. Doch selbst von den altbewährten Spielen haben nur wenige den Weg zum DS gefunden, als löbliches Beispiel muss „Tony Hawk’s American Sk8land“ erwähnt werden, das sowohl gutes Gameplay als auch einen Online-Modus bietet.

Ansonsten dominieren vor allem die japanischen Titel die Charts. Welche Konsequenzen hat der schwache West-Support? Nintendo muss den DS quasi alleine mit Software an die Spitze bringen, um den japanischen Drittherstellern eine gute Plattform im Westen zu garantieren. Japanische Firmen wie Capcom und Atlus können mit Titeln wie „Phoenix Wright“ und „Trauma Center“ ertragsreiche Nischen besetzen. Und Square Enix wird mit „Final Fantasy III“ und „Dragon Quest Monsters: Joker“ nicht nur gewinnträchtige Hits landen, sondern durch ihr Engagement auch viel Kredit bei den Vielzockern bekommen. Die westlichen Entwickler hingegen werden ihren Ruf nicht los, technikfixiert und einfallslos zu sein. Logisch erscheint es einem, dass der fleißigste DS-Entwickler außerhalb Japans der Software-Gigant EA ist und dessen DS-Spiele nettgemeinte Ports sind, ohne großen Reiz für die Vielzocker und Spielfeinschmecker.

Eine Antwort zu Der DS und der schwache West-Support

  1. piccolo-junior sagt:

    Du hast voll ins Schwarze getroffen. Ich weiss auch nicht. wieso Adventure Titel nicht für den DS erscheinen. Dabei sind Spiele für den DS sicher nicht teuer zu entwickeln, das müsste den Firmen doch eigentlich gefallen.