Über den Erfolg des DS

Viele hielten den DS für einen verzweifelten Gegenangriff Nintendos, als Nintendo seinen neuesten Handheld auf der E3 2004 präsentierte, während Sony die PSP ebenfalls auf der E3 zeigte und mit dieser in den Handheldmarkt einsteigen wollte. Tatsächlich gibt es Hinweise, die diese Behauptung bekräftigen:

  • Nintendo kam sehr spät mit der Ankündigung des DS, nämlich nur wenige Monate vor der E3 2004, während Sony bereits 2003 die PSP ankündigte.
  • Nintendo selbst hat zugegeben, dass sie bereits ab 2003 an einem Handheld arbeiten, der möglicherweise 2006 kommen könnte, sollte der DS keinen Erfolg haben.
  • Firmenchef Satoru Iwata stapelte die Erwartungen tief und meinte, der DS sei ein Erfolg, wenn ein Zehntel der Spieler diesen annähme.
  • Die Software zum Launch war eher mager, und es dauerte in Japan ein halbes Jahr, bis die ersten verkaufsfördernden Spiele auf den Markt kamen.
  • Auch das Aussehen des Handhelds war lange nicht endgültig und wurde noch wenige Monate vor dem Launch geändert.

Trotzdem kann man, was den DS betrifft, nicht von einem Schnellschuss sprechen: Das Konzept ist durchdacht, die Hardware nicht nur günstig, sondern auch effizient, und hat den Vorteil, GBA-Spiele abspielen zu können, weil einer der beiden DS-Prozessor jenen des GBA ähnelt, abgesehen von der höheren Taktzahl. Auch entschied sich Nintendo für das richtige Speichermedium: Die Speicherkarten sind günstig, haben genügend Speicherplatz und besitzen zugleich sehr kurze Zugriffszeiten, weshalb Ladezeiten nur in verschwindend wenigen Spielen auftauchen. Die neuen Elemente wie eingebautes Mikrophon und zwei Bildschirme, wovon einer berührungssensitiv ist, sorgen für neue spielerische Erfahrungen, Funkübertragung bei mehreren Spielern verspricht mehr Komfort, WiFi-Tauglichkeit deutet auf Nintendos Willen hin, konsequent ins Online Gaming einzusteigen.

Dass das Konzept Erfolg hat, zeigten die Verkäufe im ersten Halbjahr: Millionen von Geräten wurden in kurzer Zeit verkauft, Nintendo musste am Anfang fast monatlich die Verkaufsziele erhöhen. Doch Nintendos wahre Strategie kam erst mit „Nintendogs“ und „Brain Training“ (hierzulande bekannt als „Gehirn-Jogging“) zum Zuge! Als die Verkäufe langsam zurückgingen, veröffentlichte Nintendo in Japan die ersten Spiele der sogenannten „Touch Generation“-Spiele, die nicht nur die Eigenschaften des DS voll nutzen, sondern neue Zielgruppen ansprechen sollen. Diese Spiele stechen in erster Linie durch ihre Bedienung hervor, vorzugsweise sollen die Spieler mit dem intuitiven „Touch Screen“ steuern, was vor allem wenig geübten Spielern oder gar völlig unerfahrene dazu bringen soll, ihre Hemmung vor der Bedienung zu verlieren. Dass diese Art von Spielen sich unerwartet zu einem großen Erfolg entwickelte, sorgte nicht nur für einen großen Schub in den DS-Verkäufen: In Japan löste „Brain Training“ und dessen Nachfolgerspiel „Brain Training 2“ einen noch nie zuvor gesehen Boom aus, weshalb der DS und die Weiterentwicklung „DS Lite“ seit Anfang 2006 chronisch ausverkauft sind und dies bis Ende Juni noch so bleibt.

Warteschlange für Nintendo DS Lite

Gleichzeitig helfen diese Spiele, die altbekannten, d.h. traditionelle Spiele in ihren Verkäufen zu steigern. Denn dass zumindest ein Teil der neuen Kunden, die erst durch Brain Training zum Spieler geworden sind, ein paar traditionelle Spiele kaufen werden, ist keine weit hergeholte These. Diese wird auch durch eine bereits sehr hohe Tie-Ratio gestützt, die Anzahl der DS-Spiele pro DS ist also hoch. Nicht nur deshalb zeigt es sich, dass Nintendos neue Strategie, völlig neue Zielgruppen zu erreichen, den alten Spielen nicht schadet, sondern im Gegenteil sie wieder attraktiver macht. Deshalb bildet die Kombination der Touch Generation-Spiele mit den traditionellen Spielen einen kraftvollen One-Two-Punch, indem sowohl die neuen Kunden wie auch die Vielzocker in ihren Bedürfnissen befriedigt werden, wobei vor allem die Vielzocker mit genügend traditionellen Spielen versorgt sein wollen, weshalb Nintendo dem mit ihren Spieleankündigungen auch Rechnung trägt; unter anderem gehören 2D-Spiele zum Spielangebot.

2 Antworten zu Über den Erfolg des DS

  1. Ness sagt:

    Vielleicht hätte der Erfolg gerade in Japan noch deutlicher betont werden sollen, aber ansonsten wieder ein klasse Artikel. =)

  2. piccolo-junior sagt:

    Zu Beginn dachte ich , der DS werde ein Flop. Hässlich, wenig Leistung, dämlich Features. Zum Glück wurde ich eines Besseren belehert.

    Wie immer ein hervorragender Artikle. Weitermachen^^