Das Ende der Bitmap-Ära

Die Zeichen stehen nicht gut für gezeichnete 2D-Spiele: In der ganzen Next-Gen-Diskussion dreht sich momentan alles darum, welche Faktoren die 3D-Grafik auf die nächste Stufe zu bringen vermögen; Unreal-Engine 3, Auflösung, aufwendige Effekte und vieles mehr. Davon kann die 2D-Grafik nicht profitieren, und so konzentrieren sich die letzten 2D-Mohikaner unter den Entwicklern auf die Plattform DS; denn Nintendos Handheld ist die letzte Hochburg stolzer 2D-Spiele, auch wenn die PSP einige wenige 2D-Spiele auf Bitmap-Basis vorweist – ebenso die noch aktuellen Heimkonsolen PS2, Xbox und Cube. Doch selbst auf dem DS müssen die 2D-Spiele die Aufmerksamkeit der Spieler teilen, und zwar mit den vielen 3D-Spiele, die ebenfalls auf dem DS präsent sind.

Warum verlieren 2D-Spiele, insbesondere jene mit Bitmap-Grafik, immer mehr an Bedeutung? Weshalb dominiert die 3D-Grafik, und warum beschränken sich die meisten technischen Entwicklungen auf 3D? Eine mögliche Erklärung ist die folgende: Bitmap-Grafik nimmt mit der Auflösung an Aufwand zu. Sicherlich trifft dies auch bei der 3D-Grafik zu, aber einen Bitmap-Charakter zu animieren bedarf bei hoher Auflösung viel mehr Arbeit! Da der DS über eine eher kleine Auflösung verfügt und dessen 3D-Fähigkeiten nicht über jene des Nintendo 64 hinausreicht, machen einige Spiele mit Bitmap-Grafiken eine sehr gute Figur. Aber auf der Xbox 360 und der PS3 sind 2D-Spiele auf Bitmap-Basis passé, alleine die hohe Auflösung von mindestens 720p hindert die Entwickler daran, ein solches Spiel entwickeln zu wollen.

Viewtiful Joe

Ein anderer Grund liegt in der Entwicklung der 3D-Grafik: Lange Zeit galt sie als eher sperrig, zuweilen kalt und steril, ganz im Gegensatz zu der oft Comic-artigen Bitmap-Grafik. In den letzten paar Jahren jedoch haben die Entwickler da viele Fortschritte erzielt! Die Animationen sind runder und lebendiger geworden, und auch die Darstellung kommt der Bitmap-Grafik wieder näher – auch dank der Cel-Shading. Spiele wie Viewtiful Joe, Zelda: The Wind Waker und Okami wirken trotz der dreidimensionalen Darstellung wie gezeichnet, märchenhaft, zuweilen auch cool und lässig wie in Jet Set Radio.

Zyniker weisen darauf hin, dass zweidimensionale Spiele nicht etwa weniger wurden, sondern sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. Und sie haben nicht Unrecht, zumindest was die Spielmechanik betrifft: Tatsächlich nutzen viele 3D-Spiele nicht die ganzen dreidimensionalen Freiheiten aus, sondern bleiben in ihrer Spielmechanik auf der zweidimensionalen Ebene. Manche Spiele wie New Super Mario Bros. nutzen die 3D-Grafik wirklich nur für die Darstellung, das Spielprinzip ist nicht wesentlich anders als jenes der 2D-Genrevertreter. Viele 3D-Spiele versuchen von der Dreidimensionalität Nutzen zu ziehen, scheitern aber aus einem der zwei folgenden Gründen: Manche Spielprinzipien können aus der dritten Dimension keinen konkreten Nutzen ziehen, ansonsten müsste man die ganze Spielmechanik verändern – so zum Beispiel Street Fighter EX. Andere Spiele lassen sich mit den bisherigen Controllern nur schwer dreidimensional steuern; kein Wunder, denn die Controller der PS2, der Xbox und des Cubes haben ihren Ursprung im SNES-Controller, abgesehen vom Analogstick. Und da die 360 und die PS3 weiterhin auf diesem Controller aufbauen, wird das Problem nicht verschwinden. Sony muss noch zeigen, dass der neu eingebaute Bewegungssensor in der PS3 dieses Problem der mangelhaften 3D-Steuerung mildern kann.

Bleibt noch die Wii, Nintendos neue Konsole: Kann der neue Controller, von Fans „Wiimote“ genannt, die 3D-Steuerung verbessern? Darauf hoffen nicht nur Fans, sondern die ganze Spielergemeinschaft. Es wird Zeit, die dreidimensionale Welt auch wirklich fühlen zu können, sich intuitiver darin bewegen zu dürfen. Gleichzeitig versucht Nintendo mit Wii, die 2D-Bitmap-Spiele wieder vermehrt unter die Leute zu bringen, und zwar mit der „Virtual Console“, einem Download-Service wie iTunes. Intuitivere 3D-Erfahrung und Reanimation der 2D-Spiele – was will man mehr?

3 Antworten zu Das Ende der Bitmap-Ära

  1. Ness sagt:

    Super geschrieben, interessante Thematik, klasse Text. Was will man mehr? Natürlich 2D Spiele! =)

  2. MOD666 sagt:

    Füge das Argument ‚Bitmaps wirken billig‘ hinzu. Bitmap-Grafiken gibt es seit jeher, die 3D-Konkurrenz brauchte viel Zeit, um überhaupt ansehnlich zu werden. Analog zum ‚Realismus‘ bleibt das empfinden eines ‚wertvolleren‘ Produktes bei einem der die scheinbar aufwendigere Technik nutzt. Der Aufwand eine Vielzahl hochauflösender Sprites herzustellen wird dagegen auf dem Markt nicht ausreichend gewürdigt, für die wenigsten wird ein gelungenes 2D-Spiel mit einem in der gleichen Liga spielen, das die neuesten Shader benutzt.

  3. piccolo-junior sagt:

    Ich glaube, viele Spieler halten Bitmap-Grafiken für veraltet. Gerade Leute, die nur Gelegenheitsspieler sind und nur FIFA und GTA spielen, kann man mit Bitmaps nicht mehr beeindrucken. In einem Punkt bin ich mit dir nicht einverstanden. Spiele vie Mario 64, Zelda und auch andere Spiele lassen sich mit den Controller sehr gut spielen.