Das langsame Verschwinden der Polygone

Werden die Polygone aussterben? Sind sie ersetzlich geworden? Nein, soweit gehe ich nicht, auch wenn der Titel solche Gedanken provoziert. In absehbarer Zeit werden andere Methoden in der 3D-Modellierung die Polygondarstellung nicht ablösen. Meine Behauptung geht mehr in diese Richtung: Polygone verschwinden bald aus den Köpfen der Zocker oder sind bereits verschwunden. Bei den Gelegenheitsspielern ist dies schon seit längerem der Fall; den Unterschied zwischen niedrigen und hohen Polygonwerten können diese Leute nicht sofort feststellen – zumindest nicht in der jetzigen Heimkonsolengeneration. Die Core-Gamer (d.h. die Vielzocker) selber nehmen die Polygone immer weniger wahr, oder wer macht den Grafikunterschied noch in erster Linie in der Anzahl der Polygone fest? In der N64- und PSX-Ära konnten die Programmierer die Zocker bereits beeindrucken, wenn sie die Anzahl Polygone steigerten, verdoppelten sie die Polygonzahl, begeisterten sie gar die Spieler; kündigte Sega an, der Kopf eines Virtua Fighter 3-Charakters habe so viele Polygone wie eine Figur aus Virtua Fighter 2, konnte sie viel Lob und Sympathie erwarten. Verständlich, denn zu dieser Zeit waren 3D-Modelle extrem eckig und sperrig, man schrie geradezu nach mehr Polygonen, nach mehr Details. Heutzutage hat ein Barthaar von Solid Snake in Metal Gear Solid 4 mehr Polygone als ein Charaktermodell aus Virtua Fighter 3, aber wen interessiert’s?

Metal Gear Solid 4

Wir sehen die Polygone nicht mehr, nur ein extremer Zoom erlaubt uns, den Unterschied zwischen einem Modell mit 100.000 Polygonen und einem Modell mit 1.000.000 zu bemerken – aber wer will die ganze Zeit mit einer solchen Nahsicht spielen? Polygone verschwinden deshalb nicht, weil sie nicht mehr vorhanden sind, sondern im Gegenteil: Sie werden immer mehr und deshalb weniger wahrnehmbar. Nun möchte man meinen, dass die Programmierer frohlocken würden, weil die PS3 und die Xbox 360 mehr Polygone darstellen können als man eigentlich für eine saubere Darstellung benötigt. Leider bauen die Entwickler lieber extrem detaillierte Polygonmodelle, obwohl man den Detailgrad in 95% der Spielsituationen nicht bemerken wird und in den restlichen 5% erst mit einem hohen Kamerazoom bewundern darf. Dafür opfern die Entwickler eine hohe Framerate und zeigen statt 60 halt 30 fps (Frames per Second), Notfalls bleiben die 30 fps nicht einmal konstant und gehen in die Knie. Deshalb die Bitte an die Entwickler: Wenn ihr schon nicht fähig seid, eine einwandfreie Game Engine zu basteln, die den hohen Ansprüchen genügt, dann schraubt wenigstens die Polygonwerte runter – wenn ihr schon nicht auf die Effekte verzichten wollt. Ein paar kleine Eckchen stören den Gesamteindruck weniger, als wenn die Framerate immer wieder einbricht. Aber viele Entwickler wollen dann lieber beeindruckende Screenshots machen – ist halt bessere Werbung!

Gastbeitrag von Neo C.

Eine Antwort zu Das langsame Verschwinden der Polygone

  1. Bischen spät aber was solls :)
    Netter Beitrag seh ich genauso.