Sterben Videospiel-Foren aus?

21. Dezember 2009

Diskussionen über Videospiele finden heutzutage in Internet-Foren statt. Aber viele scheinen praktisch stillzustehen. Haben wir in den Foren ausdiskutiert?

Vor dem Internet-Zeitalter hatten die Spielerinnen und Spieler es schwer, Gleichgesinnte zu finden. Meistens waren sie auf ihr unmittelbares Umfeld limitiert: Fanden sie in ihrer Umgebung keine Person, die ähnlich in diesem Hobby involviert war, mussten sie entweder lange Reisen auf sich nehmen, um sich mit anderen Spielerinnen und Spielern treffen zu können – oder sie schrieben Leserbriefe an Videospielmagazine, die damals die wichtigste Anlaufstelle für Informationen rund um Videospiele bildeten.

Seit Ende der 90er Jahre etablierten sich jedoch die Internetforen als Informations- und Diskussionsquelle. Für Videospiel-Enthusiasten sind sie ein wahrer Segen, denn dadurch können die Gamer endlich mit Gleichgesinnten unkompliziert und jederzeit über Spiele und Spielkulturen fachsimpeln. Im Vergleich zu Internetchats haben Foren den Vorteil, dass sie den Usern gestatten, Threads und Antworten unabhängig von anderen Usern zu erstellen; nicht selten werden Threads erst Tage, wenn nicht gar Monate oder Jahre später fortgesetzt.

Mein erstes Forum war jenes von Nintendofans.de, später war ich auch in gaming-universe.de unterwegs, zuletzt im berühmt-berüchtigten NeoGAF. Zeitweise war ich in allen drei Foren gleichzeitig am Schreiben, zurzeit beschränke ich mich jedoch auf das NeoGAF: Einerseits zwang mich das Studium damals zu einer reduzierten Forumstätigkeit, andererseits verlor ich das Interesse in die zwei erstgenannten Foren. Vor allem das Forum des Nintendofans.de fehlte es seit Längerem an jeglichem Reiz. Damit komme ich auch zu der einleitenden Frage dieser Kolumne zurück: Sterben die Videospiel-Foren aus? Werden sie in Zeiten des Twittern und des Facebooks altmodisch und überfällig? Im Fall des Nintendofans.de kann man es nicht übersehen, dass die Beiträge immer spärlicher werden, die Mitglieder weggehen oder zunehmend passiv werden und vernünftige Diskussionen mittlerweile Seltenheitswert haben.

Ich habe die Frage bewusst polemisch und provokativ formuliert. Wenn das Forum des Nintendofans.de uns hier als Beispiel eines sterbenden oder zumindest stumm werdenden Forums dient, dann soll das GAF ein Gegenbeispiel darstellen: Zu jeder Zeit besuchen Tausende Menschen dieses englischsprachige Forum, sekündlich werden neue Threads erstellt oder auf die bestehenden Threads geantwortet. Die beiden Foren unterscheiden sich in den folgenden Punkten: GAF ist trotz der nordamerikanischen User-Mehrheit eine global ausgerichtete Plattform, während Nintendofans.de nur von deutschsprachigen Users benutzt wird. Noch wichtiger als das Zielpublikum sind jedoch die Moderatoren, die in NeoGAF nicht nur reagieren, sondern auch agieren. Dahinsiechende Foren kann man deshalb ganz leicht an der Passivität des Forum-Teams erkennen. Im Grunde genommen haben deshalb alle möglichen Plattformen – egal, ob Forum, Facebook, Blog, oder gar Wikipedia – immer eines gemeinsam: Sie müssen ständig „Contents“ liefern, um interessant bleiben zu können. Falls ihr also auch Mitglied eines sterbenden Forums seid und glaubt, dass diese Plattform nichts Neues mehr bringt, dann solltet ihr einen Wechsel erwägen. Denn das Internet-Forum als Plattform beweist mit Seiten wie GAF nach wie vor ihre Vitalität.


Der schlechte Einfluss des Films auf Videospiele

27. November 2009

Viele moderne Videospiele spielen sich wie interaktive Filme. Während manche Gamer dieser Entwicklung nur Gutes abgewinnen können, haben andere die Schnauze voll von diesen Möchtegern-Spielen.

Uncharted 2 - Among Thieves

Videospiele gehören mittlerweile zum Alltag vieler Menschen: Einige Personen spielen nur gelegentlich und kurz, andere machen es zu ihrem zentralen Hobby. Das Medium „Videospiele“ ist also in unserer Kultur integriert, und es hat dieses Kunststück in bemerkenswert kurzer Zeit – 40 Jahre! – geschafft. Da das Medium jedoch noch sehr jung ist, orientieren sich viele Spielentwickler an anderen Kunst- und Kulturformen. Vor allem das Medium „Film“ scheint den Videospielen nahe zu stehen.

Filme beeinflussen die Entwicklung von Videospielen erheblich, und nicht alle Videospielenthusiasten freuen sich über diese Beziehung. Von Mitte der 90er Jahre bis zu den ersten Jahren des neuen Jahrtausends stritten sich die Spieler über Sinn und Unsinn von Full Motion Videos (FMVs), das heißt kurze Filmabschnitte, die als Zwischensequenzen in Videospiele eingebaut wurden. Wahrscheinlich kennt ihr auch einige Pseudo-Spieler, die von gewissen Spielen schwärmen und dabei nur die Zwischensequenzen loben! Dieses Thema sorgt mittlerweile nicht mehr für so viel Aufregung wie früher, und zwar vor allem aus zwei Gründen: Erstens stellt der Speicherplatz bei allen Systemen kein Problem mehr dar, selbst der DS kann Karten mit 256 Mbyte lesen; die Fans der jeweiligen Firmen können das Prinzip „FMV“ deshalb nicht mehr für ihre Konsolenkriege missbrauchen. Zweitens haben viele Spielentwickler ihre Zeit des exzessiven FMV-Gebrauchs nun hinter sich und setzen in der Regel diese Filmchen etwas geschickter ein.

Der Einfluss des Films auf die Videospiele wirkt jedoch weiter: Obwohl die neuen Konsolen über mehr Rechenleistung als die letzte Generation verfügen, streben immer weniger Firmen an, die Animationsqualität auf 60 fps (60 Bilder pro Sekunde) zu hieven. Einerseits kämpfen die Entwickler mit neuen technischen Voraussetzungen wie der höheren Bildauflösung und müssen sich deshalb in anderen Bereichen zurücknehmen; andererseits wollen viele Entwickler gar nicht erst eine höhere Framerate als 30 fps! Eine niedrigere Framerate erlaubt ihnen nämlich, den Detailgrad und die Anzahl der Grafikeffekte zu steigern, weil der Prozessor pro Sekunde weniger Bilder generieren muss. Bizarrerweise zeigen sich einige Spieler gar nicht enttäuscht über diese Entwicklung, im Gegenteil: Die niedrige Framerate erzeuge genügend flüssige Animationen und sei den Filmen näher, da diese nur 24 fps haben. Statt 60 fps geben sich deshalb manche Spielentwickler mit halb so viel zufrieden und nutzen dafür die gewonnene Prozessorenleistung für die Darstellung von „Motion Blurring“. Dieses Schlieren bei bewegten Bildern sorgt für die Bindung der einzelnen Bilder und ist der Grund dafür, dass Filme trotz niedriger Framerate als weich animiert empfunden werden. Gleichwohl entspricht die Filmdarstellung nicht der Wirklichkeit, da ein Mensch angeblich bis zu 90 Bilder pro Sekunde (unbewusst) wahrnehmen kann. Die Filme haben einige Spieler jedoch so stark beeinflusst, dass sie ein Spiel mit hoher Framerate als weniger realistisch empfinden als eines mit 30 fps. Die Filmwirklichkeit wird dadurch zum Status Quo.

Diese verringerte Animationsqualität stören Spielenthusiasten wie mich, nicht nur aus darstellerischen Gründen, sondern vor allem aus spielerischen: Eine geringere Framerate bedeutet auch weniger Inputabfrage, das heißt, die Steuerung wird träger. In der Regel reagiert der Prozessor nach einem Input (zum Beispiel ein Knopfdruck) erst ab dem dritten Frame. Gute Spiele mit 60 fps erzielen deshalb eine Reaktionsgeschwindigkeit von 50 bis 70 Mikrosekunden, während gute Spiele mit 30 fps bestenfalls zwischen 100 bis 140 Mikrosekunden liegen. Die leistungsstarken Konsolen wie die PS3 oder die Xbox 360 haben deshalb ungewollt eine Verminderung der spielerischen Qualität verursacht, zumindest was die Steuerung betrifft. Ebenso mitschuldig sind die Spielerinnen und Spieler, die diese Entwicklung unterstützen bzw. toll finden, dass die Spiele wie Filme aussehen und dadurch in Kauf nehmen, dass die Steuerung nicht das Optimum erreicht. Ob das Medium „Videospiele“ sich von Filmen distanzieren kann, hängt deshalb nicht zuletzt davon ab, ob die Spielerinnen und Spieler sich von der Sehgewohnheit bei Filmen emanzipieren können. Denn höhere Prozessorenleistung bringt nichts, wenn der Spielentwickler bei 30 fps bleiben und eine Filmrealität nachahmen will. Und er sieht auch keinen Grund für einen Philosophiewechsel, wenn die Zocker gar keine höhere Framerate wollen und diese gar als unrealistisch abtun.


Otaku1990 in Japan (Teil 6)

13. November 2009

Jede Reise hat auch mal ein Ende. Wie wir unseren Urlaub in Tokyo zu einem gebührenden Abschluss brachten, lest ihr im letzten Teil dieser Serie…

Venus Fort

Als ich am Morgen einen Blick aus dem Fenster warf, traute ich kaum meinen Augen: Nach vier bewölkten, regnerischen Tagen erstreckte sich nun endlich ein klarer, blauer Himmel über Tokyo. An unserem letzten Tag in Japan, na endlich!
Meine Auffassung der Wetterlage änderte sich bereits wenige Minuten später, als André und ich uns in Richtung U-Bahn-Station aufmachten, denn erst an der frischen Luft kapierten wir, was „schönes Wetter“ in Tokyo während der Sommerzeit bedeutet: Es ist HEIß! Und schwül dazu!

Dennoch untermalte der Sonnenschein wunderbar unser heutiges Ziel: Odaiba, die künstliche Insel! Nach Verlassen des Bahnhofs fanden wir uns bereits am Strand wieder, wo Japaner das Wetter nutzten, um Aktivitäten wie Beach-Volleyball nachzugehen. Schwimmen sahen wir allerdings niemanden, wahrscheinlich weil das Wasser der Bucht entsprechend dreckig ausfällt.
Ohne wirkliches Ziel vor Augen schlenderten wir durch Odaiba, vorbei am Hauptquartier von Fuji TV (wiederzuerkennen an seiner Aussichtskuppel), mit der Rainbow Bridge im Rücken und dem großen Riesenrad im Augenwinkel. Ich hielt währenddessen vor allem nach einer bestimmten Attraktion Ausschau, von welcher ich bereits vor dem Urlaub in einem Reiseführer erfahren hatte: „Venus Fort“, ein riesiges Einkaufszentrum, welches vor allem durch seine Innenarchitektur glänzt. Und tatsächlich: Nach nicht einmal einer viertel Stunde Fußmarsch standen wir plötzlich vor einem relativ unscheinbar wirkenden Gebäude mit entsprechender Aufschrift. Die winzige Eingangshalle, welche genauso gut zu einer Arztpraxis hätte gehören können, ließ mich doch etwas grübeln, ob wir denn wirklich richtig waren. Kurzerhand bestiegen wir den Fahrstuhl und warteten ungeduldig darauf, dass sich die Türen wieder öffneten. Als sie dies endlich taten, offenbarte sich uns ein atemberaubender Anblick…

Das Innere von Venus Fort ist komplett im Gewand einer südeuropäischen Stadt eingerichtet und verfügt sogar über einen künstlichen Himmel. Die Geschäfte sind wie in einer italienischen Einkaufsstraße angeordnet. Sogar einen Springbrunnen im Barock-Stil gibt es zu bewundern, und das auch noch von mehreren Stockwerken aus. Mit einem Softeis bewaffnet (so ziemlich das einzige erschwingliche Produkt vor Ort) spazierten wir durch die „Straßen“ von Venus Fort, besuchten einen bis zur Decke mit „Pokémon“-Merchandise gefüllten Spielzeugladen, ergötzten uns an den Auslagen diverser Imbisse und genossen währenddessen die Klimaanlage. Bevor wir uns versahen, fanden wir uns in „Tokyo Leisure Land“ wieder und bemerkten erst jetzt, dass dieser Teil des Gebäudes zusammen mit Venus Fort und einigen anderen Abschnitten zum großen „Palette Town“-Komplex gehört. Nun befassten wir uns erst einmal mit den unzähligen Arcade-Automaten und erprobten uns in einer Runde „Mario Kart GP 2“ (spielerisch der Hauptreihe defenitiv unterlegen, aber trotzdem witzig, nicht zuletzt aufgrund des Live-Kommentars von Koichi Yamadera). Unser weiterer Weg führte uns durch die Messehalle „Megaweb“ von Toyota und schließlich zum „Daikanransha“, dem 115 Meter hohen Riesenrad, für welches Odaiba berühmt ist. Diese Chance ließen wir uns natürlich nicht nehmen und bestiegen nach längerem Anstehen eine der Gondeln (zu meinem Glück bemerkte André erst im Nachhinein, dass auch Fahrten mit komplett durchsichtigen Gondeln angeboten wurden).

Wir erschraken nicht schlecht, als uns nach Beginn des Ritts eine piepsige Stimme durch die Lautsprecher begrüßte. Hello Kitty höchstpersönlich erklärte uns lang und breit (in Japanisch und Englisch), dass das Daikanransha aufgrund des 35. Jubiläums der Schmusekatze ganz in dessen Stil eingekleidet worden war. Aha, deshalb also blinzelte mir ein großer Hello Kitty-Aufkleber von einem der Gondelfenster entgegen. Während uns die Stimme weiterhin zutextete, genossen wir die Aussicht, denn wir waren soeben am höchsten Punkt des Riesenrads angekommen. In weiter Ferne erblickte André den riesigen „Gundam“-Nachbau, welcher in Odaiba zur Feier des 30. Jahrestages der Anime-Serie (noch ein Jubiläum!) aufgestellt worden war. Nun war klar: Bevor wir unseren Abstecher nach Shibuya angingen, mussten wir zuerst noch den Gundam besichtigen!

Real-G Gundam

Eine kurze Strecke per Zug und zu Fuß und schon türmte sich der etwa 18 Meter hohe RX-78-2-Nachbau vor uns auf. Entgegen unserer Erwartungen konnten wir uns dem Roboter nähern, ohne Eintritt zahlen zu müssen. Nur wer bis in nächste Nähe kommen wollte, musste 1000 Yen locker machen. In regelmäßigen Zeitabständen drehte der Gundam, begleitet von originalgetreuen Soundeffekten, seinen Kopf, manchmal stieß er sogar Dampf aus, untermalt von den Ohs und Ahs der japanischen Masse.

Auch von diesem Spektakel mussten wir uns leider alsbald wieder trennen, denn wir hatten an unserem letzten Tag in Tokyo noch ein wichtiges Viertel zu besichtigen: Shibuya!
Als wir aus der Shibuya Station auf die berühmte Kreuzung traten, traf es uns mit voller Wucht: Das Bild, welches wir immer von Tokyo hatten, genau vor unseren Augen! Welche Menschenmassen!

Bei solch einem heillosen Durcheinander verlor sogar André den Überblick, sodass wir vollkommen ziellos durch die überfüllten Straßen Shibuyas irrten. Wie bereits am ersten Tag unserer Reise, in Akihabara, ließen wir die Eindrücke einfach auf uns wirken und uns von den Menschenmassen herumspülen. Wir kamen nicht einmal dazu, Fotos zu schießen (abgesehen von den Videos, welche wir von der Shibuya Crossing machten).

Ich weiß nicht mehr wie, aber wir schafften es irgendwann tatsächlich zu einer U-Bahn-Station. Bevor wir einen der Züge bestiegen, war zuerst einmal eine Lagebesprechung angesagt. Uns blieben nur noch wenige Stunden in Tokyo. Hatten wir alles gesehen?
Wir waren unteranderem in Akihabara, Ginza, Roppongi, Shibuya und Shinjuku gewesen. Die wichtigsten Viertel hatten wir also abgeklappert. Selbst Mitaka und Nikko hatten wir begutachten können. Wir hatten in einer Woche mehr von Tokyo gesehen, als ich je für möglich gehalten hätte. Waren wirklich noch Wünsche offen? Ja, André hatte noch zwei kleine Angelegenheiten zu erledigen: Erstens wollte er noch das Sony Building von innen sehen (als wir davor gestanden und den Fisch-Roboter bestaunt hatten, war es bereits geschlossen gewesen) und zweitens wollte er Japan nicht verlassen, ohne zuvor sein Reisebudget für Actionfiguren verbraten zu haben.

Zuerst statteten wir also Ginza ein weiteres Mal einen Besuch ab (wir wollten schließlich nicht schon wieder vor verschlossenen Türen stehen). Diesmal kamen wir rechtzeitig und konnten die neuesten technischen Spielereien aus dem Hause Sony begutachten, sowie uns einen 3D-Film zur Unterwasserwelt zu Gemüte führen. Danach beendeten wir unseren Urlaub so, wie wir ihn begonnen hatten: In Akihabara. André plünderte sämtliche Anime-Läden und deckte sich mit neuen wie gebrauchten Actionfiguren ein. Ich hielt mich eher zurück (wohin schließlich mit all dem Zeug), aber eine kleine Statue von Simon aus „Tengen Toppa Gurren Lagann“ tat es mir dann doch an und ich schlug zu.

Bepackt mit unseren Einkaufstüten trafen wir abends wieder in Shiba ein. Erst jetzt, als die Aufregung sich legte, bemerkten wir unsere leeren Mägen, die seit dem Frühstück keine feste Nahrung mehr gesehen hatten. Es gab nur ein Gericht, das unseren letzten Tag gebührend abzuschließen vermochte: Eine große Schüssel dampfender Ramen!
Wir betraten ein Ramen-Restaurant in der Nähe unseres Hotels, das mir schon mehrere Male aufgefallen war und ließen uns kraftlos auf ein paar Stühle niedersinken, hinter uns einige japanische Angestellte, die ihren Feierabend genossen (an einem Samstag) und gerade ihr erstes Bier serviert bekommen hatten.

Unser Zustand an diesem Abend war durchaus mit dem am ersten Tag zu vergleichen. Die warme, würzige Suppe war nun genau das richtige, um unseren nervösen Mägen etwas Gutes zu tun. Als man uns schließlich die großen Schüsseln vorsetzte (die Japaner schienen bereits angetrunken zu sein und schmissen irgendetwas um, woraufhin innerhalb von Sekunden ein Angestellter mit Handtüchern zur Stelle war) vergruben wir uns in den Nudeln, schlürften genüsslich die Brühe und griffen ab und an zu einem Glas Wasser. Das Aroma Tokyos zerfloß auf unseren Zungen und hinterließ einen fremdartigen und doch wohltuenden Nachgeschmack. Es sättigte uns und wärmte unsere Herzen, sodass uns der Abschied von Japan nicht mehr ganz so schwer fiel.

26. Juli. Ich sitze neben André in meinem Sitz (wie beim Hinflug erhielten wir auch diesmal eine Zweierreihe) und warte auf den Start des Fluges. Plötzlich setzt sich die Maschine in Gang. Wir nehmen immer mehr an Tempo zu, bis wir schließlich abheben. Auf Wiedersehen, ihr höflichen Japaner, die ihr sogar den Bürgersteig saubermacht, wenn ihr eure Cola verschüttet. Auf Wiedersehen ihr Getränke- und Gashapon-Automaten, ihr Porno-Abteilungen in Akihabara und ihr ohrenbetäubenden Gashapon-Hallen in Shinjuku! Auf Wiedersehen, Tokyo Tower, auf Wiedersehen, ihr überteuerten, flambierten Currywürste, ihr gemütlichen Yukata-Bademäntel, ihr Schreine und Tempel. Auf Wiedersehen, ihr überdimensionalen Einkaufszentren, ihr Berge und Seen, ihr Wälder und Wasserfälle, ihr Geschäftsviertel bei Nacht, deren rote Ampeln ich so gerne übersehe. Auf Wiedersehen, ihr Haifisch-, Laputa- und Gundam-Roboter. Auf Wiedersehen, ihr Fischgerichte, wohlschmeckenden Suppen und Teigwaren aus dem hiesigen 7-Eleven.
André weist mich darauf hin, einen Blick aus dem Fenster des Flugzeugs zu werfen. Der große Fujiyama, welcher sich tagelang aufgrund des schlechten Wetters unseres Blickes entzogen hatte, streckt uns nun stolz seinen Gipfel entgegen. Ein paar Sekunden später und auch er ist unter der Wolkendecke verschwunden. Auf Wiedersehen, Fujiyama. Auf Wiedersehen, Tokyo. Auf Wiedersehen, Japan. Bis zum nächsten Mal!


Otaku1990 in Japan (Teil 5)

9. Oktober 2009

Ein neuer Tag im Land der aufgehenden Sonne bricht an. Neben einem typischen Großstadtviertel würden wir heute die Peripherie Tokyos, sowie die Facetten des U-Bahn-Systems kennenlernen…

Shinjuku

„Chuuou Line… Chuuou Line… Chuuou Line…“, murmelte ich vor mich hin, während ich die Schilder über unseren Köpfen studierte. Wir befanden uns im Bahnhofsgebäude von Shinjuku, einem der wichtigsten Stadtteile Tokyos. Als hübsch würde ich das, was ich von Shinjuku gesehen habe, nicht bezeichnen. Eher erinnerte es mich an die tristen Betonfassaden, immer wieder unterbrochen von Wolkenkratzern, welche man in jeder Großstadt vorfindet. Bei unserem kurzen Bummel durch einen Teil des Bezirks, der auch gerne als „Mini-Akihabara“ bezeichnet wird, wühlten wir uns durch das vollkommen unüberschaubare Angebot eines mehrstöckigen Allzweckladens (in welchem man von Unterwäsche, über Videospiele bis hin zu Sex-Toys alles in rauhen Mengen vorfindet und in dem man kaum treten kann), setzten uns dem ohrenbetäubenden Lärm einer Pachinko-Halle aus und landeten schließlich in der Shinjuku Station, dem verkehrsreichsten Bahnhof der Welt. Während unserer Anwesenheit hielt sich das Menschenaufkommen allerdings in Grenzen. Überhaupt war uns Tokyo bisher erstaunlich leer vorgekommen.

Der Grund, weshalb wir die Shinjuku Station aufgesucht hatten, war das Ghibli Museum, welchem wir heute einen Besuch abstatten wollten. Bereits am ersten Reisetag hatten wir einen der hiesigen Lawson-Supermärkte aufgesucht, wo man sich die entsprechenden Tickets (deren Stückzahl stark begrenzt ist) am Automaten ziehen kann. Ich hatte mich schon vor der Abreise online darüber schlau gemacht, wie ich die komplett in japanischer Sprache gehaltenen Automaten zu bedienen hatte, um an mein Ticket (eigentlich eine Reservierung und nur für einen bestimmten Zeitrahmen an einem bestimmten Tag gültig) zu kommen. Dementsprechend selbstsicher näherte ich mich der Maschine, nur um festzustellen, dass dessen Interface inzwischen komplett überarbeitet worden war. Zum Glück eilte einer der Angestellten zur Hilfe und bediente den Automaten nach unseren Anweisungen, sodass wir schon bald unsere Eintrittskarten für das Ghibli Museum in den Händen halten durften.

„Aha! JR Chuuou Main Line!“, stieß es aus mir hervor. Wir hatten die Zuglinie gefunden, welche unteranderem nach Mitaka, einem Städtchen am Rande Tokyos und Standort des Museums, fährt. Wir erreichten das Bahngleis zur rechten Zeit, sodass der Zug bereits nach ein paar Minuten angerollt kam. 20 Minuten dauerte die Fahrt nach Mitaka und entgegen meinen Erwartungen fiel das Zugfahren genauso günstig aus wie das Fahren mit der U-Bahn. Wer in Tokyo lebt, kann wirklich nicht behaupten, über keine geeignete Transportmöglichkeit zu verfügen.

Mitaka strahlte eine wunderschön idyllische Vorstadtatmosphäre aus. Kaum ein Auto auf den Straßen, der Himmel verdeckt durch das Wirrwarr an Stromkabeln und überall enge Gässchen, welche uns an den kleinen Wohnhäusern mit ihren noch kleineren Höfen und Gärten vorbeiführten. Irgendwie fühlte ich mich, als würde ich durch Inaba aus „Persona 4“ schlendern.

Mitaka

Nach einem viertelstündigen Fußmarsch erreichten wir schließlich das Gelände des Ghibli Museums, welches von Außen äußerst unscheinbar anmutet. Da wir recht früh dran waren und der nächsten Besuchergruppe noch kein Einlass gewährt wurde, vertraten wir uns die Beine im angrenzenden Sportgelände, wo Japaner im Kreis joggten und Tennis spielten (trotz des noch immer mäßigen Wetters). Langsam bildete sich vor dem Eingang des Museums eine kleine Menschentraube, weswegen wir dorthin zurückkehrten, um kurz danach in die heiligen Hallen eintreten zu dürfen. Die Frau, welche unsere Reservierungen in die eigentlichen Tickets (kleine Filmstreifen) umtauschte, erkundigte sich, woher wir kämen und schien höchst erfreut über deutsche Gäste, weshalb sie uns ein enthusiastisches „Guten Tag!“ entgegenschmetterte.

So unscheinbar das Ghibli Museum von außen wirkt, umso schöner ist dessen Inneres gestaltet. Wer am Ticketschalter vorbei gen Haupthalle schreitet, darf unterwegs die liebevoll gestalteten Deckengemälde und die Glasmalereien in den Fenstern betrachten, in welchen sich diverse Ghibli-Figuren verstecken.
Die Haupthalle hinterließ bei mir den stärksten Eindruck. Hier fühlt man sich mitten in die Szenerie eines Ghibli-Films hineinversetzt: Hölzerner Boden, hohe Wendeltreppen, Verbindungsbrücken und eine Glaskuppel erzeugen eine ungemein gemütliche Atmosphäre.
Ohne wirkliches Ziel vor Augen schlenderten wir durch die einzelnen Abteile, wobei wir zuerst einen Raum betraten, in welchem diverse Methoden des Animierens zur Schau gestellt wurden. So wurde zum einen eine Szene aus dem neuesten Ghibli-Film „Ponyo“ in Einzelbildern ausgestellt, welcher man durch das Drehen an einer Kurbel leben einhauchen konnte, zum anderen wurde das Prinzip der Stop-Motion-Animationstechnik anhand eines Karussells, bestückt mit Figuren aus „Mein Nachbar Totoro“ veranschaulicht: So waren mehrere Exemplare des Katzenbuses, jedes in einer bestimmten Pose, im Kreis angeordnet. Alle paar Sekunden begann sich das Karussell zu drehen, wodurch sich der Katzenbus zu bewegen schien. Nun wurde auch noch ein Blitzlichteffekt hinzugeschaltet, was eine absolut flüssige Bewegung erzeugte, sodass der Katzenbus lebensecht seine sechs Beine durch die Lüfte schwang.
Zusätzlich zu dieser Attraktion gab es einen Schrank mit vielen kleinen Türchen, unter denen jeweils Jahreszahlen angebracht waren. Öffnete man eines der Türchen, so fiel der Blick auf eine Szene aus dem jeweiligen Ghibli-Film, welcher in dem entsprechenden Jahr veröffentlicht wurde. Ebenfalls beeindruckend war eine Miniaturausgabe des Roboters aus „Das Schloss im Himmel“, um den dank optischer Täuschung ein Schwarm von Vögeln in die Lüfte emporzusteigen schien. Allein in diesem einen Raum gab es selbstverständlich noch viel mehr zu sehen, doch auf jedes Ausstellungstück einzeln einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichts bei weitem sprengen.

Nachdem wir in dem kleinen Museumskino einen exklusiven Kurzfilm aus dem Hause Ghibli genießen durften, ein altmodisches Atelier (vollgestopft mit wunderschönen Zeichnungen und Skizzen zu den diversen Filmen des Studios) besichtigt und den Kindern beim Herumtollen auf einem Katzenbus-Nachbau zugeschaut hatten, machten wir uns auf den Weg zur Dachterasse, wo eine lebensgroße Statue des Robotersoldaten aus „Das Schloss im Himmel“ auf uns wartete. Wie jedes der Außenareale des Museums war auch das Dach reich an Vegetation, was einen großen Teil des Charms des Ghibli Museums ausmacht. Ein Foto vor der Roboterstatue zu machen, ist natürlich Pflichtprogramm, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Fotografieren im Inneren des Gebäudes verboten ist. Nachdem einige Japaner ihre Schnappschüsse im Kasten hatten, waren dann auch André und ich an der Reihe. Bitte lächeln!

Bevor wir uns einige Zeit später wehmütig auf den Rückweg machten, statteten wir dem wunderschön gestalteten Innenhof des Museums noch einen Besuch ab. Hier können sich durstige Besucher unteranderem an einem voll funktionstüchtigen Brunnen Wasser pumpen oder sich an den zahlreichen kleinen Details, wie den grinsenden Gullideckeln und den bemalten Fensternischen laben. Als wir das Museum schlussendlich wieder verließen, strahlten André und ich über beide Ohren, denn der Besuch des Ghibli Museums war wirklich ein Erlebnis und stellt rückblickend wohl den Höhepunkt unserer Reise dar.

So viel Begeisterung macht natürlich hungrig und so blieb ich mit einem Male stehen, als ich auf dem Rückweg durch Mitaka ein Schaufenster mit Plastiknachbildungen von diversen schmackhaft anmutenden Gerichten erblickte. Die Vitrine gehörte zu einem urigen japanischen Restaurant, wie man sie sonst nur aus Animes kennt. Als wir drinnen Platz genommen hatten, wurde uns bereits je ein Glas Wasser serviert (dieses gibt es in japanischen Restaurants stets gratis, aber da es sich um Leitungswasser handelt und dieses kräftig gechlort wird, mundet es dem deutschen Gaumen nicht wirklich) und unsere Bestellungen aufgenommen. Ich hatte meine Wahl schnell mitgeteilt, aber André strauchelte ein wenig, was wir damit lösten, dass er dem Bediensteten das von ihm auserkorene Gericht draußen im Schaufenster zeigte. Während wir auf unsere Speisen warteten, warf ich einen Blick hinüber zur Küche, wo der Meister mit Elan die Nudeln bearbeitete, während ihm der Schüler, welcher uns bedient hatte, ihm ab und an zur Hand ging. Auf dem kleinen Fernseher an der Wand wurde derweil Sumo-Ringen übertragen. Das nenne ich ein original japanisches Erlebnis!

Gesättigt von Curry-Reis und Nudelsuppe trafen wir schließlich wieder in der Mitaka Station ein, wo bereits ein Zug auf uns wartete. Ich wollte kurz innehalten, um nachzuschauen, ob es sich um die richtige Linie handelte, doch André stürmte (da der Zug jeden Moment abzufahren drohte) ohne zu zögern in den Wagen hinein, während ich protestierend hinterherstolperte.
Es dauerte ungefähr zehn Minuten, in welchen eine uns unbekannte Haltestation nach der anderen über die Anzeigetafeln huschte, bis auch André bemerkte, was los war, sich zu mir drehte und bemerkte: „Ich glaube wir sind auf der falschen Linie“. Bravo, gut erkannt!

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir damit, über einen riesigen Umweg per U-Bahn wieder zu unserem Hotel zurückzufinden, weshalb unser zweiter Abstecher nach Shinjuku, welchen wir nach dem Besuch des Ghibli-Museums eingeplant hatten, flach viel. Zumindest konnte ich ausgiebig Japaner beim U-Bahn-Fahren studieren. Neben genervten Eltern und einem „Dragon Quest IX“ spielenden Pärchen durfte ich Bekanntschaft mit einem müden Angestellten machen, dessen Kopf alle paar Sekunden auf meine Schulter hinabzusinken drohte. Ein weiteres original japanisches Erlebnis!


Otaku1990 in Japan (Teil 4)

12. September 2009

Unser Tokyo-Trip geht weiter. Heute würden wir die Mega-Metropole nicht nur von seiner großstädtischen, sondern auch seiner landschaftlichen Seite kennenlernen…

Ginza

Welch penetrante Töne dringen da durch meine Ohrstöpsel, welche ich mir als Maßnahme gegen Andrés Schnarchgewohnheiten in den Gehörgang geschraubt hatte? Es ist der Song „Zetsubou Billy“, der mich bereits zum zweiten Mal ruckartig aus dem Reich der Träume befördert. Ohne zu zögern hüpfe ich aus den Federn und schnappe mir die bereits am Vorabend bereitgelegten Kleidungsstücke, bevor ich in Richtung Badezimmer verschwinde. Richtig aufwachen kann ich auch noch unter der Dusche, denn meine Zeit in Tokyo ist begrenzt und heute beginnt bereits der dritte Tag meines Aufenthalts im Land der aufgehenden Sonne!

Nach dem Frühstück (welches bei mir weitaus konservativer ausfiel als am Morgen zuvor) sammelten André und ich uns zusammen mit den anderen Mitgliedern unserer Reisegruppe in der Eingangshalle des Tokyo Prince Hotel und warteten auf unseren Bus. Schließlich stand heute unsere zweite und letzte organisierte Tour an. Unser Weg sollte uns diesmal zum Nikko Nationalpark führen, was unseren Bedarf an Natur abdecken sollte. In Japan gibt es ein Sprichtwort, dass in etwa lautet „Sage nicht prachtvoll, bevor du Nikko gesehen hast“.
Was mir auf der etwas längeren Busfahrt (Nikko liegt etwa 140 Kilometer nördlich von Tokyo) sofort auffiel, war der kompetente Reiseleiter, welcher nicht nur wesentlich besser Englisch sprach als sein Kollege am Vortag, sondern auch eine gehörige Portion Humor an den Tag legte und seine Vorträge dementsprechend unterhaltsam gestaltete.

Unser erstes Ziel stellten der Rinnouji-Tempel und der Toushougu-Schrein dar, welche direkt aneinander liegen (ein schönes Beispiel für die Vermischung von Buddhismus und Shintoismus in Japan). Praktischerweise erreichten wir das Gelände um Punkt 12 Uhr, was es uns ermöglichte, einem Mönch beim Läuten der Tempelglocke zuzuschauen. Unser Reiseleiter führte uns anschließend durch den Komplex von Tempelgebäuden und machte uns auf Details aufmerksam, die dem ungeschulten Touristen-Auge andernfalls entgangen wären. So erfuhren wir beispielsweise, dass eines der Reliefs, welches einen Elefanten darstellte, entstanden ist, ohne dass der Künstler je einen Elefanten oder ein Bild eines Elefanten zu Gesicht bekommen hatte. Stattdessen vertraute er allein auf Beschreibungen aus seinen Büchern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen!
Auch die berühmten drei Affen (die nichts böses hören, nichts böses sagen und nichts böses sehen) gab es an einer der Tempelfassaden zu bewundern. Obwohl das damit verbundene Sprichwort tief in der japanischen und chinesischen Tradition verwurzelt ist, sind dessen Ursprünge und genaue Bedeutung bis heute nicht ganz geklärt.

Unser nächster Programmpunkt (dem ein umfangreiches japanisches Mittagessen vorausgegangen war) führte uns tiefer in die Berglandschaft Nikkos. Hier hoffte André, endlich die wilden Affen anzutreffen, welche in Nikko nicht unüblich sind und die er bisher vermisst hatte. Leider sollte er dabei keinen Erfolg haben.
Als Entschädigung bot sich uns ein Ausblick auf den Chuuzenji-See, welchen wir nach einer kurvenreichen Fahrt durch etliche Serpentinen erreicht hatten. Mit seinen 25 Kilometern Umfang ruht der See stattliche 1.270 Meter über dem Meeresspiegel und mündet im Kegon-Wasserfall, welchen wir als nächstes besichtigten. Dessen Wassermassen stürzen ganze 97 Meter in die Tiefe, was den Kegon-Wasserfall zu einem der drei höchsten Wasserfälle Japans macht. Seitdem ein japanischer Dichter sich hier in den Tod stürzte (nachdem er ein Abschiedsgedicht in den Stamm eines Baumes geritzt hatte), begehen verzweifelte (oft junge) Japaner hier Selbstmord.

Abgesetzt wurden wir nach dem Ausflug in Ginza, einem teuren Geschäftsviertel Tokoys, direkt vor dem Sony Building (was Andrés Augen zum Glühen brachte). Unser Blick fiel auf einen vor dem Gebäude befindlichen Glaskasten mit der Aufschrift „Sony Aquarium“, in welchem ein kleiner Haifisch gemütlich seine Runden drehte. Erst als wir ihn eine Weile angestarrt hatten, fiel uns auf, dass es sich bei dem Tier in Wirklichkeit um einen täuschend echt wirkenden Roboter handelte! Kein Wunder, dass so viele Japaner begeistert drumherum standen und mit ihren Handys eifrig Fotos schossen, sowie Filmchen drehten. Wir taten es ihnen gleich. Da das Sony Building selbst bereits geschlossen war, beschlossen wir, ihm an einem anderen Tag nochmals einen Besuch abzustatten, sollten wir nochmal in der Nähe sein.

Abends durch die Straßen von Ginza zu schlendern raubte uns den Atem. Ein Meer von Lichtern, riesige Bürogebäude, Geschäfte und Restaurants, dazu belebte Bürgersteige und volle Straßen, ohne dass die Geräuschkulisse als laut bezeichnet werden könnte. Eine der riesigen Kreuzungen zu überqueren, während einem eine Heerschar von Japanern entgegenschreitet, ist schon eindrucksvoll. Vor allem da man theoretisch die Augen schließen könnte und trotzdem am anderen Ende der Kreuzung ankommen würde, ohne auch nur einmal Körperkontakt mit den Einheimischen gehabt zu haben. Vom hektischen Treiben anderer Metropolen kann hier keine Rede sein. Die Atmosphäre wirkte gleichzeitig ruhelos und beruhigend. Durch die hypnotisierende Wirkung der Ginza am Abend wäre ich fast über mehrere rote Ampeln gelaufen, hätte mich André nicht rechtzeitig aufgehalten. Nebenbei erwähnt stehen in der Ginza die hübschesten Polizeihäuschen. Teilweise muten sie an, als wären sie von einem Star-Architekten designt worden.

In einem der sündhaft teuren Restaurants der Ginza zu Abend zu essen, kam natürlich nicht in Frage, weswegen wir uns eine U-Bahn nach Shiba schnappten, um uns in der Nähe unseres Hotels nach einer passenden Möglichkeit, unsere Bäuche zu füllen, umzuschauen. Ich äußerte schließlich die glohreiche Idee, dem deutschen Lokal „Franziskaner“, an welchem wir bereits mehrmals vorbeigegangen waren, einen Besuch abzustatten. André war der Idee nicht abgeneigt, denn auch er hatte für heute genug von dem gesunden Zeug, welches man uns in den japanischen Lokalen bisher serviert hatte.

Franziskaner

Als wir uns auf den Barhockern niederließen, umsäuselte der Klang deutscher Partymucke frisch vom Ballermann unsere Ohren, während auf einem kleinen Bildschirm an der Wand Szenen aus München abgespielt wurden. Das Geschäft wurde von Japanern geführt (gegenteiliges hätte mich auch gewundert) und es waren Japaner, welche an einem der Tische in den Genuss eines deutschen Bieres kamen.
Die Kellnerin informierte sich nach dem Austeilen der Speisekarte bei uns, ob wir die Servicegebühr zusammen oder getrennt zahlen wollten. Etwas verdutzt entschied ich mich für letztere Variante und bestellte gleichzeitig zwei Cola. Auf der Speisekarte entzifferte ich das ins Katakana-Korsett gezwängte Wort „Currywurst“ („karee uorusuto“), genau das richtige für unsere armen Mägen. Der Koch zog daraufhin eine beeindruckende Show ab, indem er die Wurst flambierte. Ob man so eine Currywurst zubereiten sollte, sei mal dahingestellt.
Was wir serviert bekamen, war eine für Japan typisch kleine Portion, bestehend aus der angepriesenen Currywurst (übrigens eine Bockwurst), Sauerkraut (war ja klar) und Kartoffelecken. Nun, zumindest ging das Gericht geschmacklich in Ordnung. Nach dessen Verzehr wurde uns die Rechnung ausgehändigt, woraufhin Andrés Augen sich weiteten, während ich ein lautes Lachen unterdrücken musste. Zwei Cola zu je 700 Yen, zwei Currywürste zu je 1.100 Yen, dazu zweimal Servicegebühr in Höhe von 500 Yen. Macht zusammen 4.600 Yen, umgerechnet etwa 35 Euro. Meine Herren!
Nachdem wir Tokyo bisher als ungewöhnlich günstig empfunden hatten, war es ganz schön, die Metropole auch einmal von seiner teuren Seite erlebt zu haben…


SMRPG – Project Nemesis (Demo IV)

5. September 2009

Wieder sind einige Monate ins Land gezogen, wieder darf ich eine neue Demo-Version meines RPG Maker-Games „Super Mario RPG – Project Nemesis“ (welche hier heruntergeladen werden kann) präsentieren. Das Fertigstellen des neuesten Kapitels von Flashs Abenteuer ging vergleichsweise schnell über die Bühne, liegen zwischen der dritten und der vierten Demo doch „nur“ knapp zehn Monate. Dies liegt wohl vor allem an dem traditionellen Aufbau des Kapitels, aber dazu später mehr…

Super Mario RPG - Project Nemesis

Nachdem Flash, Sqidd und (neu hinzugestoßen) Gumbamed das Smaragd-Zepter aus der großen Pyramide in Desert Hill geborgen haben, begeben sie sich auf Rat von Broozer van Punch wieder nach Grass Land, wo sie sich einen Eingang zum Regenbogen-Boulevard (welches das Reisen durch die Schwammerlwelt erleichtern soll) erhoffen. Leider ist der Eingang verschlossen und kann nur von der anderen Seite geöffnet werden. Zu diesem Zeitpunkt wechselt das Spiel zum Dúo Muertos, einem Team bestehend aus dem Knochentrocken Bones und dem schüchternen Buu Huu Teresa. Diese treten im weit entfernten Iced Land ihren ersten Tag als Gardisten bei Big Boo an. Können sie Flash und Co. weiterhelfen?

Die Idee, den Spieler in der ersten Hälfte des Kapitels die Kontrolle über eine andere Spielfigur zu verleihen, kam mir beim Zocken von Earthbound, wo Jeff aus dem fernen Winters aufbricht, um Ness und Paula zu befreien. Das ganze bringt sicherlich frischen Wind in die Sache und ist gleichzeitig nützlich, um die Aufmerksamkeit des Spielers auf einige neue Spielmechaniken zu lenken.

Das Kampfsystem von Project Nemesis gewinnt ab Kapitel 3 eine neue taktische Finesse hinzu: Die Fähigkeit, die eigene Angriffs- oder Verteidigungskraft kurzzeitig zu erhöhen. Ersteres ist besonders wichtig bei Gegnern mit hoher Verteidigung und keinen elementaren Schwächen. Dass durch diese Technik der Schaden kurzerhand verdoppelt werden kann, lässt den direkten Angriffen eine stärkere Rolle zukommen, sodass sich der Spieler immer wieder fragen muss, ob er nun mit Spezialattacken vorgeht oder seine Werte erhöht, um dann direkt anzugreifen. Um dem Spieler dieses Verhalten anzutrainieren, tauchen in dem neuesten Kapitel dementsprechend viele Gegner mit hoher Verteidigung auf. Aber keine Bange, das wird nicht so bleiben.

Kapitel 3 von Project Nemesis ist spielerisch recht traditionell gehalten: Zu einem Großteil setzt es sich aus Dungeons zusammen (drei kleinere Verließe erwarten den Spieler diesmal). Aus diesem Grund ging das Programmieren relativ glatt über die Bühne, außerdem konnte ich mich auf zwei Beta-Tester beschränken (Marston und Zyankalium), welche die Demo dementsprechend auch ziemlich bugfrei vorfanden.
Aufgelockert wird das Durchstöbern der Dungeons durch den Besuch des gegnerfreien Regenbogen-Boulevards, wo man sich über dessen Bewohner amüsieren und sich von Pfeilplattformen durch die Gegend schießen lassen kann.
In Sachen Humor bleibt sich Project Nemesis auch diesmal treu und sorgt mit seinen teils selbstironischen Dialogen für das ein oder andere Schmunzeln. Diejenigen, welche schon die voherigen Demos gespielt haben, werden sich außerdem über ein Wiedersehen mit Blacky, dem schwarzen Gumba-Ritter, freuen, während eine neue Figur mit Kult-Potenzial, der große Bitking, das erste Mal auftaucht (eine größere Rolle wird er allerdings erst später spielen). Übrigens wird Flashs Entwicklung fort vom argwöhnischen Anti-Helden langsam augenscheinlich, als er auf das Dúo Muertos, seine größten (und wahrscheinlich auch einzigen) Fans, trifft und sich deren Anliegen ohne Hintergedanken annimmt.

Super Mario RPG - Project Nemesis

Unbedingt erwähnt werden sollte der Schwierigkeitsgrad, denn dieser zieht in dieser Demo nochmals an (ich entschuldige mich bei all denjenigen, denen bereits die voherigen Kapitel zu schwer waren). Nicht nur das taktischere Kampfsystem erfordert kluges Vorgehen, auch das Management der Items sollte wohl überlegt sein, denn inzwischen bekommt man die Heilgegenstände nicht mehr nachgeschmissen. Zeit, die gesparten Münzen bei einem Großeinkauf im Shop loszuwerden.
Höhepunkt in Sachen Schwierigkeitsgrad ist sicherlich der Endgegner des Kapitels, welcher dem Spieler keine Verschnaufpause gönnt. Wer beim Zocken gemerkt hat, dass viele der Gegner nicht mehr zufällig angreifen, sondern nach einem Schema vorgehen, hat hier bessere Karten.

Was mir an dem neuesten Kapitel besonders gefällt, ist die grafische Präsentation. Die bunten Tilesets (aufmerksame Spieler werden die Mother 3-Hintergründe wiedererkennen) sehen etwas professioneller aus als zuvor und sorgen für die richtige Atmosphäre. Die Ohren dürfen sich derweil über einen schönen Soundtrack mit einigen Stücken aus dem großartigen Super Mario Galaxy-OST freuen.

Mit dem Release der vierten Demo ist Project Nemesis, an welchem ich bereits seit Ende 2005/Anfang 2006 werkle, zur Hälfte geschafft. Ich hoffe, dass ich dieses Projekt in einigen Jahren tatsächlich als Vollversion veröffentlichen kann. Bis dahin zähle ich auf die Unterstützung der Fans, welche mich mit ihrem Lob zum Programmieren motivieren.
Pünktlich zum Release von Demo IV habe ich außerdem den ersten neuen Trailer seit drei Jahren online gestellt. Wer Project Nemesis noch nicht in Bewegung gesehen hat, kann dies nun nachholen:


Otaku1990 in Japan (Teil 3)

15. August 2009

Der zweite Tag unseres Tokyo-Aufenthalts. Würden uns heute ähnlich skurille Eindrücke wie in Akihabara erwarten…?

Kaminarimon

Japaner sind unglaublich höflich. Natürlich wusste ich das bereits vor der Reise, aber wie höflich die Japaner wirklich sind, versteht man erst, sobald man es selbst miterlebt hat.
Betritt man ein Geschäft, egal welcher Art, so wird man stets vom Verkäufer begrüßt. Verlässt man es wieder, bedankt er sich für den Besuch (auch wenn man nichts kauft). Räumt ein Angestellter gerade Waren in die Regale, entschuldigt er sich bei jedem vorbeigehenden Kunden dafür, dass er im Weg steht (obwohl er nichts dafür kann).
Und wehe, man steht in einer U-Bahn-Station länger als zwei Minuten tatenlos herum: Schon kommt einer der Wachmänner und erkundigt sich, ob er irgendwie behilflich sein kann.

Doch Japaner sind nicht nur höflich und hilfsbereit, sie sind auch sehr rücksichtsvoll. Obwohl es auf den Kreuzungen Tokyos schon mal voll werden kann, wird man niemals angerempelt, da die Einheimischen so früh wie möglich ausweichen. Und dass Tokyo so sauber ist, dass man vom Boden essen könnte, liegt sicher auch daran, dass die Reinigungskräfte ganze Arbeit leisten. Vor allem aber liegt es wohl daran, dass Japaner ihren Müll für sich behalten und nicht einfach auf die Straße werfen, wie man es aus anderen Ländern kennt. Das ist umso erstaunlicher, da es in Tokyo kaum Mülleimer gibt (außer für Getränkedosen und –flaschen, man denke an die allgegenwärtigen Getränkeautomaten).
Einmal sah ich einen Japaner eine Cola am Automaten ziehen, die ihm überlief. Statt sich über seine besudelten Hände zu beschweren, zückte er kommentarlos ein Taschentuch und machte den Bürgersteig sauber. In diesem Augenblick fragte ich mich, ob all dies tatsächlich allein durch gute Erziehung erreicht werden kann oder ob Japaner ab einem gewissen Alter einer Gehirnwäsche unterzogen werden.

Über all das dachte ich nach, bevor ich nach dem ersten anstrengenden, aber enorm interessanten Tag in Japan endlich meinen wohlverdienten Schlaf nachholte. Leider wurde ich am nächsten Morgen viel zu früh wieder aus meinen Träumen gerissen (der „Maximum the Hormone“-Song, den André als Wecker auf seinem Handy eingestellt hatte, leistete ganze Arbeit, mich aus den Federn zu jagen). Heute war der erste von zwei Tagen, an dem wir an einem der angebotenen Tagesausflüge teilnahmen. Etwas Kultur muss schließlich auch sein.
Nachdem wir uns fertig gemacht hatten, schlenderten wir allerdings erst einmal Richtung Frühstücksbuffet. Auf dem Weg zum Fahrstuhl begegneten wir einer der Putzfrauen, der ich auf Japanisch einen schönen guten Morgen wünschte. Auf ihre überschwingliche Reaktion war ich jedoch nicht vorbereitet („Auch Ihnen einen schönen guten Morgen! Einen sehr schönen guten Morgen! Vielen herzlichen Dank!“). So sehr hatte sich noch niemand zuvor über einen einfachen Gruß gefreut.

Am Buffet angekommen, führte uns einer der Angestellten zu einem Tisch, danach machten André und ich uns auf zur Erkundungstour. Neben westlichen Speisen wie Rührei, Würstchen und Cornflakes gab es selbstverständlich auch diverse Zutaten für ein japanisches Frühstück und in einem Anflug von Abenteuerlust versuchte ich mich an einem solchen.
Nun muss man wissen, dass ich normalerweise keinen Fisch esse. Allein der Geruch verdirbt mir schon jeglichen Appetit. Die einzige Ausnahme ist Sushi, da mich dessen Geschmack nicht wirklich an Fisch erinnert. Trotzdem versuchte ich mich in Japan an der ein oder anderen Speise mit Fisch oder Meeresfrüchten, da man schließlich nicht alle Tage dort ist und man sowieso kaum etwas anderes bekommt. Die kleinen Stücke gekochten Fischs, welche ich beim Frühstück verzehrte, bekam ich jedoch kaum hinunter. Als ich versuchte, den Nachgeschmack mit Miso-Suppe wegzuspülen, machte ich es nur noch schlimmer, denn zu meinem Entsetzen schmeckte auch diese nach nichts anderem als Fisch!
Ich hatte erst einmal genug von Meeresgetier und beschäftigte mich mit dem einsamen Stück Tofu auf meinem Teller, dass sich weigerte, zwischen meinen Stäbchen zu verweilen. Ich hatte noch nie zuvor Tofu probiert, aber so wie es schmeckte, schien dieses Exemplar nicht dazu dagewesen zu sein, pur gegessen zu werden. Leicht angeekelt schaufelte ich mir den Reis rein (zumindest damit kann man nichts falsch machen) und wandte mich dann denjenigen Speisen auf meinem Tablett zu, die ich auch kannte.

Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen und unsere Taschen gepackt hatten, fanden wir uns in der Eingangshalle des Hotels ein und wurden pünktlich von einem Reisebus (gefüllt mit Touristen aus aller Herren Länder) zu unserer ersten Tagestour abgeholt. Erster Punkt auf dem Plan: Ein Besuch des 333 Meter hohen Eiffelturm-Nachbaus, dem Tokyo Tower. Die vollen 333 Meter kostet man als Tourist allerdings nicht aus. Je nachdem, wieviel man bereit ist zu zahlen, besucht man entweder die Aussichtsplattform in 150 oder 250 Metern Höhe. Im Preis der Veranstaltung inbegriffen war lediglich ein Besuch der 150-Meter-Plattform, wobei uns das nicht weiter störte, da das Wetter in Tokyo (wie schon am Vortag) zu wünschen übrig ließ. Den Fuji erblickten wir folglich nicht, da dies nur bei klaren Verhältnissen möglich ist. Dennoch äußerst amüsant, den riesigen Klumpen Stadt von oben betrachten zu können.

Blick vom Tokyo Tower

Die Souvernirläden waren selbstverständlich vollkommen überteuert und regelrecht verseucht mit „Hello Kitty“-Artikeln. Überhaupt sollte dies nicht unsere letzte Begegnung mit dem weißen Knuddelkätzchen sein…

Unser nächstes Ziel stellte der Meiji-Schrein in Shibuya dar. Dieser noch recht junge shintoistische Schrein wurde 1920 eingeweiht und ist dem ehemaligen Kaiser Meiji und seiner Gemahlin gewidmet. Begrüßt wurden wir von einem der riesigen Holztore, „Torii“ genannt, die den Eingang zu einem Shinto-Schrein markieren und von einer Ansammlung von Sake-Fässern, die anscheinend als Opfer für die Götter dargebracht wurden. Bevor wir den Schrein selbst betreten durften, mussten wir uns am Brunnen die Hände und den Mund waschen, wofür es eine festgelegte Reihenfolge gibt. Auf dem Gelände selbst war es möglich, Talismane zu erwerben, „Ema“ (kleine Gebetstafeln) aufzuhängen oder zu den Göttern zu beten, nachdem man eine Münze in den entsprechenden Kasten geworfen hatte. Apropos beten: Vor einem mit einem Seil verbundenen Paar Bäume (die genaue Bedeutung der Symbolik ist mir nicht bekannt) verbeugte sich eine Japanerin tief und fing danach an, zu ihnen zu beten. Im ersten Augenblick schaut man da als Tourist dumm aus der Wäsche.

Als nächstes führte unsere Reiseleitung uns zum Kaiserlichen Palast, von dem allerdings nicht viel mehr als einige hohe Mauern erhalten geblieben sind. Dafür findet man dort einen sehr schönen japanischen Garten vor.

Kaiserlicher Garten

Zeit fürs Mittagessen! In einem edel anmutenden Restaurant im Einkaufsviertel Ginza servierte man uns ein Mahl, zusammengestellt aus verschiedensten japanischen Speisen. Wie gut, dass es in Japan egal ist, mit welchem Gericht man anfängt!
Neben Nudeln, gegrillten Hähnchenspießen und Salat wartete auch ein Garnelen-Tempura darauf, von mir verspeißt zu werden. Obwohl mein Magen die kulinarischen Erlebnisse des Morgens noch nicht vergessen hatte, biss ich mutig in die Meeresfrucht… Lecker!

Eigenartigerweise führte man uns nach dem Essen in ein Perlengeschäft, wo man uns zeigte, wie man Perlen kultiviert. Dieser 15-minütige Abstecher stand nicht auf unserem Tourplan, sodass ich vermute, dass das Geschäft die Reiseveranstalter in irgendeiner Weise sponsort. Wie dem auch sei, eine Bootsfahrt über den Sumida-Fluss folgte und führte uns nach Asakusa, wo wir „Kaminarimon“, das Donnertor, besichtigten (berühmt für seine fast 700 Kilogramm schwere Papierlaterne). Da dieses Tor zu einem buddhistischen Tempel (dem Asakusa-Kannon-Tempel) führt, war diesmal nicht nur waschen angesagt, zusätzlich mussten wir uns auch beräuchern lassen. Doch bevor wir den Tempel überhaupt erblicken konnten, führte uns unser Weg durch eine ellenlange Ladenstraße namens Nakamise, in welcher jede erdenkliche Art von Ramsch an den Mann gebracht wird. Was den Tempel selbst angeht, bleibt eigentlich nur festzuhalten, dass die Buddhisten wohl etwas mehr Wert auf Prunk legen als die Shintoisten (zumindest wenn man den Asakusa-Kannon-Tempel mit dem Meiji-Schrein vergleicht).

Damit endete unsere erste Tagestour. Den Abend verbrachten André und ich in Roppongi, einem Viertel, welches vor allem für sein Nachtleben bekannt ist. Hier besuchten wir nicht nur das große Einkaufszentrum „Roppongi Hills“, sondern versuchten uns auch an einem dieser japanischen Energiedrinks, welche in kleinen Fläschchen verkauft werden. Ich probierte nur einen kleinen Schluck und trotzdem fühlte ich mich, als hätte man mir einen Eimer Traubenzucker intravenös verabreicht. Nicht schlecht, das Zeug!


Otaku1990 in Japan (Teil 2)

8. August 2009

Nach der Ankunft in Japan saßen André und ich also auf unseren Hotelzimmern, packten das nötigste aus und versuchten, das Gefühl, welches nach mehr als 20 Stunden ohne Schlaf ausgelöst wird, zu unterdrücken. Am besten geht das natürlich, indem man sich beschäftigt… Also auf nach Akihabara!

Akihabara

Am einfachsten erreicht man die verschiedenen Stadtteile Tokyos natürlich mit der U-Bahn. Wir betraten also die nächstbeste Station und kümmerten uns zuallererst um unsere Pasmo-Karten. Diese sehen aus wie Telefonkarten und können an entsprechenden Automaten mit Geld aufgeladen werden, um dann an den Drehkreuzen vor jeder U-Bahn-Haltestelle über den Kartenscanner gezogen zu werden. Nachdem man seine Zielstation erreicht hat und die Pasmo-Karte ein weiteres Mal einsetzt, wird der Betrag, den ein Ticket für die gefahrene Strecke gekostet hätte, automatisch vom auf der Karte befindlichen Guthaben abgezogen. Das Restguthaben wird auf einem im Drehkreuz eingebauten kleinen Bildschirm angezeigt. Übrigens kann man die Karten auch für die überirdischen Züge im Bereich Tokyo und einige Bus-Linien verwenden.
Durch den Besitz einer Pasmo-Karte fällt das Kaufen eines Tickets im Voraus flach, was das bereits äußerst effiziente Metro-System Tokyos noch angenehmer macht. Die U-Bahnen in Japan fahren nicht nur in hoher Frequenz, sondern sind auch pünktlich, schnell und vor allem günstig. Von den unglaublich vollen Wagons, in welche die armen Japaner mit Gewalt hineingedrückt werden und sich wie Sardinen in der Büchse fühlen müssen, haben wir nichts mitbekommen, da wir es vermeiden konnten, zu den Stoßzeiten zu fahren. Die meiste Zeit über sind die Wagen recht leer und man findet auch meist einen Sitzplatz, wobei es fast überflüssig ist, sich zu setzen, falls man nicht zumindest sechs Stationen weit fährt. Dafür sind die U-Bahnen einfach zu schnell.

In den Wagons selbst herrscht absolute Ruhe (so sehr, dass ich mehrere Male fast weggedöst wäre), da z.B. das Sprechen am Mobiltelefon untersagt ist. Stattdessen vertreiben sich die Japaner genau so die Zeit, wie man es stets zu hören bekommt: Sie spielen DS, lesen Manga oder schreiben SMS. Hält der Zug an einer der Haltestellen, so stehen die zusteigenden Fahrgäste bereits in Reih und Glied hinter einer Markierung (die Zugfahrer sind darauf trainiert, zentimetergenau zu bremsen, sodass die Türen der Wagons genau an den Markierungen am Bahnsteig zum Stehen kommen) und teilen sich in zwei Hälften auf, sobald sich die Türen öffnen, um in der Mitte Platz für diejenigen zu schaffen, die aussteigen möchten. Danach erst betreten sie die U-Bahn.
Während wir all das beobachteten, ertönte eine Durchsage: „Tsugi wa Jimbocho. Jimbocho“. Und danach nochmal in Englisch: „The next station is Jimbocho“. Nicht schlecht, André hatte das auf den ersten Blick enorm verwirrende Bahnsystem anscheinend halbwegs verstanden und uns heil nach Jimbocho gebracht. Nun noch eine kurze Fahrt auf der Shinjuku Line und wir waren Akihabara bereits ziemlich nahe.

Das erste, was wir nach Verlassen der U-Bahn-Station taten, war der Kauf eines Regenschirms für André (er hatte lediglich eine Regenjacke dabei, welche sich bei den schwülen Temperaturen als weniger angenehm entpuppte). Wir hatten nicht gerade das beste Wetter erwischt, sodass uns Tokyo mit einem Gemisch aus Wolken und Nieselregen begrüßte. André legte sich also in einem kleinen Laden an der Straßenecke (in welchem ein Song der Gruppe „Asian Kung-Fu Generation“ lief) für 500 Yen einen Regenschirm zu; einen durchsichtigen, um genau zu sein. Durchsichtige Regenschirme waren in Tokyo am weitesten verbreitet und ermöglichten es André, so behauptete er zumindest, durch den Schirm hindurch die Wolkenkratzer zu bewundern. Heureka.

Der Weg nach Akihabara führte vorbei an diversen Soba- und Ramen-Imbissen, kleinen Läden wie dem Geschäft mit den Regenschirmen und natürlich etlichen Getränkeautomaten (hier fand ich heraus, dass japanische Coke wie deutsche schmeckt, sofern man nicht zu den eigenartigen Dosen-Flaschen-Hybriden greift, denn dort scheint die Verpackung den Geschmack auf eine Weise zu beeinflussen, die ich weder als positiv, noch negativ beschreiben würde). André hatte inzwischen damit begonnen, jedes Getränk, das er ausprobierte, vor dem Konsum zu fotografieren. So langsam kam die Flut an Neon- und Blinklichtern immer näher, weshalb wir uns sicher waren, im sagenumwobenen Otaku-Paradies angekommen zu sein.

Cosplay-Shop

Eines der ersten Gebäude, welches uns ins Auge fiel, umfasste sieben Stockwerke und schien allerlei Cosplay-Outfits anzubieten. Zumindest standen vor dem Eingang zwei Schuluniformen aus dem Anime „Lucky Star“ und auch in den Schaufenstern der Stockwerke darüber wurden Hausmädchen-Kostüme und Ähnliches präsentiert. Als wir das Geschäft betraten, ließen wir uns von den Gummipuppen an der Wand nicht beirren und suchten stattdessen den Fahrstuhl auf, um uns in den oberen Stockwerken umzuschauen. Im zweiten Geschoss angekommen, erblickten wir eine außerordentliche Auswahl an Kostümen… aller Art. Das angebotene Ledergeschirr machte uns dann doch etwas stutzig. Doch erst als die Fahrstuhltür im dritten Stockwerk aufging und uns das lustvolle Stöhnen eines Anime-Mädels in die Ohren drang, während wir verzweifelt auf den Knopf zum Schließen der Fahrstuhltür hämmerten, hatten wir es kapiert: Wir befanden uns in einem siebengeschössigen Porno-Geschäft! Das vierte Stockwerk bestätigte unseren Verdacht nur noch, sodass wir von den restlichen Abteilen bereits genug hatten, bevor wir sie überhaupt zu Gesicht bekamen. Allerdings mussten wir schon bald feststellen, dass jedes Geschäft in Akihabara eine Porno-Abteilung besitzt; entweder in den obersten Stockwerken, oder im Keller.

Mit einem Grinsen im Gesicht drangen wir tiefer und tiefer in das Elektronik-, Manga- und Anime-Heiligtum namens Akihabara ein. Diejenigen Geschäfte, welche sich nicht über mehrere Stockwerke erstreckten, versuchten den Platzmangel auszugleichen, indem sie die Wände mit ihren Waren pflasterten. Wer hier auf Anhieb findet, was er sucht, verdient meinen Respekt. André und ich zumindest brauchten eine gewisse Zeit, bevor wir einen passenden Stromwandler fanden. Natürlich hatten wir uns bereits in Deutschland entsprechende Geräte zugelegt, jedoch passten die drei Stifte unseres Steckers nicht in die zweistiftigen Steckdosen des Hotelzimmers (anscheinend sind beide Systeme in Japan üblich), was natürlich typisch ist. Statt einen komplett neuen (und teuren) Stromwandler zu kaufen, schlug ich vor, nach einem Adapter zu suchen, der lediglich vom 3-Stift- ins 2-Stift-Steckersystem überführte. Nach einigem Suchen wurden wir fündig und erstanden einen Adapter für etwa 700 Yen.

Was einem in den Einkaufsvierteln Tokyos nach einiger Zeit auf die Nerven gehen kann: Die Japaner rühren für ihre Läden kräftig die Werbetrommel und stehen daher oft auf den Straßen und preisen wie Marktschreier lauthals ihr Angebot an. Gerne auch mal per Megaphon. Von dieser Soundkulisse lenkten mich aber glücklicherweise immer wieder die riesigen Anime-Charaktere auf den Plakaten und Leinwänden ab, sowie die Japanerinnen im Hausmädchen-Kostüm, welche Flyer für die zahlreichen „Maid Cafés“ verteilten (hier wird man von Frauen im entsprechenden Outfit bedient und als Meister angesprochen). Während André und ich am Straßenrand Takoyaki mampften (sehr eigenartiger Geschmack, aber durchaus lecker), beobachtete ich eines der Mädchen beim Verteilen der Flugblätter und stellte zu meinem Bedauern fest, dass niemand sie auch nur ansah. Fortan nahm ich jeden Flyer an, der mir in die Hand gedrückt wurde. Übrigens hatten auch wir vor, einmal ein Maid Café zu besuchen, doch zumindest von Außen sahen diese doch dubioser aus, als wir erwartet hatten, sodass wir es uns schließlich anders überlegten.

Japanerin im Maid-Outfit

Während des Besuchs der großen Sega-Spielhalle (wo japanische Grundschüler „Taiko no Tatsujin“ selbstverständlich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zocken) schaltete mein Gehirn sich nach fast 30 Stunden ohne Schlaf einfach ab, sodass Akihabara für mich nur noch eine riesige Reizüberflutung darstellte. Wie ein Zombie trottete ich durch gigantische Manga- und Anime-Kaufhäuser („Animate“ und „Gamers“ lässt grüßen) und Retro-Videospiel-Läden und versuchte dabei dem Drang zu widerstehen, mein Zelt mitten in einem der Geschäfte aufzuschlagen und Akihabara nie wieder zu verlassen. Trotzdem war es langsam Zeit, sich mal wieder Richtung Hotel aufzumachen. Vorher brauchte ich aber noch etwas zwischen die Zähne!

Wir entschieden uns für Fließband-Sushi. Diese Art von Sushi-Restaurant ist auch in Deutschland nicht unüblich: Auf einem Fließband fahren diverse Tellerchen mit verschiedenen Sushi-Sorten am Kunden vorbei und man nimmt sich, was einen gerade anlächelt. In unserem Fall gaben die Muster der Tellerchen Aufschluss über den Preis der Häppchen.
Nach der schmackhaften Mahlzeit war es Zeit, dem Koch klarzumachen, dass wir fertig sind. Da mein Kopf schon lange nicht mehr ordentlich funktionierte, bekam ich keinen ordentlichen japanischen Satz zusammen und griff daher nach meinem Wörterbuch. Ich schlug die Bedeutung von „bezahlen“ nach, nahm die Grundform und hängte die Bittform „onegai shimasu“ an; vielleicht würde er ja verstehen, was ich meinte. Als Antwort schmetterte mir der Koch ein entschiedenes „Wakarimashita!“ („Verstanden!“) entgegen. Das war ja einfacher als gedacht! So schien es zumindest. Denn zwei Minuten später hielt man mir plötzlich ein Tellerchen mit nur für mich frisch zubereitetem Sushi unter die Nase! Ich weiß nicht wie, aber ich hatte irgendeine Art von Fisch bestellt. Ich griff auf Englisch zurück, worauf man mein Anliegen endlich verstand und mir grinsend die Rechnung in die Hand drückte. Nach einigen weiteren Minuten hatten André und ich dann auch kapiert, dass wir mit der Rechnung zur Kasse am Eingang des Restaurants gehen sollten.

Die Rückfahrt mit der U-Bahn verlief glücklicherweise problemlos, sodass ich schon bald unter die Dusche hüpfen, in den bereitgelegten Yukata-Bademantel schlüpfen und danach ins Bett fallen konnte. Das Licht wurde aber natürlich erst gelöscht, nachdem wir unseren Köpfen bei ein paar Minuten schwachsinnigem japanischem Fernsehen eine Ruhepause gegönnt hatten. Immerhin wurde ich Zeuge des wohl großartigsten Werbespots, der je für einen Iso Drink produziert wurde:

Diese Japaner.


Otaku1990 in Japan (Teil 1)

1. August 2009

Im Sommer diesen Jahres habe ich mir endlich einen langjährigen Traum erfüllt und bin für eine Woche nach Japan verreist. Meine teils sehr beeindruckenden Erfahrungen möchte ich in einer Serie von Artikeln schildern…

Otaku1990 in Japan

Mein Interesse am Land der aufgehenden Sonne wurde erstmals durch mein Videospiel-Hobby geweckt und während das Thema Japan für mich in den darauffolgenden Jahren zusätzlich aufgrund meines Manga- und Anime-Konsums aktuell blieb, entwickelte sich auch ein Interesse an der Kultur und Sprache dieses fremdartigen Landes. Nachdem ich nunmehr zwei Jahre Japanisch-Unterricht genossen und mir ein hübsches Sümmchen zusammengespart hatte, sollte es im Sommer 2009 endlich soweit sein: Meine erste Reise nach Japan!

Ziemlich früh war mir klar, dass ich mich bei meinem ersten Besuch ausschließlich auf Tokyo konzentrieren wollte. Schließlich wurde meine Leidenschaft durch die Pop-Kultur des Landes entzündet und Tokyo stellt in dieser Beziehung wohl das Epizentrum dar.
Ursprünglich schien mir „Destination Japan“ der ideale Anbieter für eine Tour nach meinem Geschmack zu sein, doch nachdem ich erfahren musste, dass die von mir beäugte Veranstaltung ausgerechnet dieses Jahr nicht stattfinden würde, musste ich mich anderweitig umschauen.
So stieß ich auf den Reiseveranstalter „Gebeco“ und eine seiner Städtetouren. Mit etwas mehr als 1.700 € für sieben Tage Tokyo war ich dabei. Auf den happigen Preis war ich gefasst, allerdings hatte ich mir einen längeren Aufenthalt in der Metropole gewünscht, zumal durch den langen Flug über etwa 12 Stunden nochmal einiges an Zeit aufgebraucht wurde. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht, wieviel man in einer Woche sehen kann, wenn man nur will…

Spulen wir vor zum 20. Juli: Da saß ich nun mit meinem Kumpel André im Flughafen, während ich auf das Boarden der Maschine wartete. Unser Flug hatte sich aufgrund eines defekten Wetterradars um eine halbe Stunde verspätet. Kein Beinbruch, ich hatte schon wesentlich längere Verzögerungen erlebt. Während ich also wartete, ging ich nochmal unser Programm für die Woche durch.

- 1. Tag: Nonstop-Flug nach Japan
- 2. Tag: Ankunft in Tokyo und erste Erkundungen der Umgebung
- 3. Tag: Besuch von Tokyo Tower, Meji-Schrein und Asakusa-Kannon-Tempel
- 4. Tag: Ausflug nach Nikko, inklusive Besuch von Rinnoji-Tempel, Toshogu-Schrein, Chuzenji-See und Kegon-Wasserfall
- 5. Tag: Frei
- 6. Tag: Frei
- 7. Tag: Rückflug

Gebeco bot auch für den fünften und sechsten Tag Ausflüge an, allerdings war ich nicht zum Bergsteigen und Tempelbesichtigen nach Japan gekommen. Mich interessierte vor allem die Millionen-Metropole Tokyo, weswegen André und ich uns den fünften und sechsten Tag zur Erkundung der beliebten Viertel freihielten.

Endlich betraten wir die riesige Lufthansa-Maschine und suchten unsere auf der Boardkarte vermerkten Sitzplätze. Zu unserer Freude saßen wir in einer der wenigen Zweierreihen im Flugzeug, was unbequeme Nachbarn ausschloss.
Trotzdem sind 12 Stunden Flug nicht ohne, vorallem da ich bisher nur Flüge in den europäischen Raum getätigt hatte und Langstreckenflüge für mich Neuland darstellten. Dennoch, dank eines dicken Wälzers, meines DS und des neuesten „Fire Emblem“-Teils überlebte ich auch dies.
Zumindest über das Essen konnten wir uns nicht beklagen, gab es uns doch bereits während des Flugs die Möglichkeit, schonmal in die japanische Küche einzusteigen. Serviert wurden California Rolls (eine Art von Sushi), Hiyamugi-Nudeln mit Wasabi und Schnittlauch, dazu Men-Sauce und als Hauptgericht Rindfleisch-Curry. Stolz präsentierten wir unsere (durchschnittlichen) Essstäbchen-Künste und wähnten uns bereits Experten der asiatischen Küche, als uns eine japanische Mitreisende netterweise darauf hinwies, dass man die Hiyamugi-Nudeln (welche uns zuerst eigenartig trocken und geschmacklos erschienen) in der Men-Sauce badet, die wir auf unserem Tablett vollkommen übersehen hatten. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Flughafen Narita

Übermüdet kamen wir schließlich am überraschend leeren Flughafen Narita an, wo wir bald einer Horde Japanern mit den typischen Atemmasken begegneten, die uns per Broschüre vor den Gefahren der Schweinegrippe warnten. Auch das restliche Flughafenpersonal lief fast ausnahmslos mit Masken herum. Die Japaner nehmen diese Sache wirklich ernst.
Während wir mit dem Rest der Gebeco-Gruppe auf den Bus warteten, der uns zu unserem Hotel transportieren sollte, fiel uns zum ersten Mal etwas typisch japanisches auf: ein Getränkeautomat. Diese stehen in Tokyo an jeder Straßenecke (und damit meine ich JEDE Straßenecke), sind schnell, günstig und die Getränke schön kalt (oder heiß, je nach Inhalt). Die gesamte Reise über würden wir noch etliche Male auf das (nicht selten abstruse) Angebot der überaus praktischen Automaten zurückgreifen. Übrigens trafen wir auch auf Maschinen, die auf einem kleinen Bildschirm eines der Getränke in Form von Werbespots besonders bewarben, während einer der Kaffeeautomaten den Bildschirm nutze, um die Zubereitung des heißen Getränks live zu übertragen und dem Kunden damit die Wartezeit zu versüßen.

Als unser Bus schließlich angerollt kam, staunten wir nicht schlecht: Noch bevor das Vehikel zum Stehen kann, verbeugten sich die für die Koffer zuständigen Angestellten tief vor dem Bus! Im Grunde verbeugten sie sich natürlich vor dem Busfahrer, der allerdings zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ausgestiegen war. Auf jeden Fall ein ungewohnter Anblick für uns Deutsche, wobei dies nur ein Vorgeschmack auf die unglaubliche Höflichkeit der Japaner sein sollte.
Während der etwa eineinhalb Stunden andauernden Busfahrt zum Hotel (dem „Tokyo Prince Hotel“, um genau zu sein), versuchte ich zumindest etwas Ruhe zu finden, hatte ich doch seit knapp 20 Stunden nicht ein Auge zugetan (und in der Nacht davor ebenfalls nicht viel Schlaf abbekommen). Vergeblich, denn meine Neugier war größer als mein Verlangen nach Schlaf, weswegen ich immer wieder einen Blick aus dem Fenster warf, um die Highways Tokyos zu mustern. Der Linksverkehr war dabei wie erwartet ungewohnt. Auch fielen mir die diversen Mautstationen auf.

Als ich bei unserer Ankunft am Hotel aus dem Fenster schaute, erblickte ich wieder einen Japaner, der sich tief verbeugte und kurz darauf unsere Koffer entlud. Diverse andere Angestellte schienen nur dafür da zu sein, uns zu begrüßen und uns die Türen aufzuhalten (und das nicht nur bei unserer Ankunft, sondern bei jedem Betreten des Hotels).
Auf unseren sauberen, ordentlichen Zimmern, durften wir uns nicht nur über einen eigenen Kühlschrank, Fernseher (das japanische Programm fiel erwartungsgemäß durchgedreht aus) und eine der berühmten japanischen Toiletten mit diversen Funktionen freuen, sondern auch über einen herrlichen Ausblick direkt auf den (bei Nacht sehr schön beleuchteten) Tokyo Tower.

Blick aus dem Hotelzimmer

Eine längere Pause, als zum Verstauen der Sachen, gönnten wir uns nicht. André hatte große Pläne für den restlichen Tag: Wie könnten wir unseren Urlaub besser beginnen, als mit einem Abstecher nach Akihabara, dem knallbunten, hyperaktiven Mekka der Otaku-Gemeinde…?


Unglaubliche Fan-Projekte, Vol. 3: Famicom Genki Dama

28. März 2009

Während manch ein Videospiel aus den 80ern heute kaum mehr spielbar ist und allenfalls durch seinen Nostalgiefaktor punkten kann, bleibt eine Tatsache unverändert: Die Musik einiger 8-Bit-Klassiker ist und bleibt trotz der piepsigen Sound-Qualität großartig. Das wissen auch die Erschaffer von „Famicom Genki Dama“…

Professor Sakamoto ist der Künstlername eines japanischen Videospiel-Fans, welcher für seine originalgetreuen Medleys verschiedenster Game-Songs und seine interessante Kopfbedeckung bekannt ist. In Zusammenarbeit mit ihm entstand „Famicom Genki Dama“, ein knapp 11-minütiges Medley aus 28 Musikstücken der 8-Bit-Ära. Neben dem fetzigen Tempo überzeugen vorallem die fließenden Übergänge zwischen den Einzelteilen des Stücks. Wieviele der teils recht obskuren Spiele gelingt es euch herauszuhören?

Eine MP3 des Medleys könnt ihr euch hier herunterladen: http://p.sk-mt.com/music/famicom_genkidama.mp3