Wie schon in den Vorjahren rekapitulieren wir Retro V-Autoren auch dieses Mal anlässlich des Jahresendes und küren jeweils drei unserer Lieblingswerke der vergangenen 365 Tage. Für Retro V mag das Jahr 2008 sowohl im Hinblick auf die Besucherzahlen als auch der Anzahl an Beiträgen kein solcher Höhenflug gewesen sein wie 2007, aber das ist ehrlich gesagt auch kaum mehr möglich.
Glücklichweise bekamen wir dieses Jahr Unterstützung von Dr. Snuggles, einem Zocker alter Schule, der uns mit seinem Fachwissen (vorallem im Bezug auf Retro-Spiele) zur Seite stand. Seine Reihe „50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten“ gehört mit Sicherheit zum Besten, was Retro V zu bieten hat und stellt eine umfangreiche Retrospektive dar, wie es sie in der noch jungen Geschichte dieses Blogs noch nicht gegeben hat. Von meiner Seite geht also ein großes Dankeschön an Dr. Snuggles, genauso aber auch an Neo C., welcher sich trotz Unistress bemühte, meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Und wo wir gerade bei den Retro V-Autoren sind: Auch Oliver Sautner wird uns im neuen Jahr wieder zur Seite stehen, die Zeichen für ein erfolgreiches 2009 stehen also alles andere als schlecht.
Ein Dank geht außerdem an alle, die uns mit ihren netten oder vielleicht auch weniger netten Kommentaren angetrieben haben, weiterhin fleißig Artikel zu verfassen. Zu unseren Stammgästen zählen dabei ness, Mr. Nutz, piccolo-junior und Cube. Ein großes Dankeschön geht natürlich auch an kaneda, welcher entsprechend meiner Vorlage einen wunderschönen neuen Header im Mother-Design entwarf.
Nun aber genug der Schmeicheleien, Zeit für ein wenig Eigenlob. Wir präsentieren euch nun unsere „Top of the Posts“, angefangen mit Dr. Snuggles…
Dr. Snuggles’ Top of the Posts
Platz 3: Unbekanntes Biotop „Spielhalle“

Das Thema Spielhalle interessiert mich einfach sehr und ich finde es sehr schade, dass diese Kultur in Deutschland so gut wie nicht existiert und wir hier unter einer Spielhalle etwas ganz anderes verstehen, als z.B. in Japan. Aber leider scheint der Niedergang der klassischen Spielhalle, sogar in den USA, nicht mehr aufzuhalten zu sein. Aktuelle Konsolen werden einfach immer leistungsfähiger und an exotischen Controllern mangelt es auch nicht mehr (Lenkräder, Gitarren, Joyboards, usw.).
Platz 2: Retro Games 2.0

Ich liebe gut gemachte Updates von klassischen Games. Manche Retro-Spiele sind nach einigen Jahren doch recht eingestaubt und spielerisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Was liegt da näher, als ein geniales Spielprinzip aufzugreifen und technisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Wenn das Ganze mit Respekt vor dem Original passiert, habe ich dagegen nichts einzuwenden. Besonders gelungen finde ich das Ghouls ´n Ghosts-Update für die PSP.
Platz 1: Neo Geo – The future is now!

Neben der PC Engine meine absolute Lieblingskonsole. Geniale 2D-Grafik, kraftvoller Stereo-Sound – einfach ein Spielhallenautomat für zu Hause. Da kann kein SNES oder Mega Drive mithalten und für Action-Fans gibt es sowieso nichts besseres. Allein schon das schlichte, elegante Design der Konsole fasziniert mich jedesmal wieder. Spiele wie Metal Slug oder King of Fighters entfalten erst auf dem Neo Geo (mit original Joyboard) ihren ganzen Reiz.
Neo C.s Top of the Posts
Platz 3: Neo C.s Top 10 Games

Eigentlich war ich mit dem von Otaku vorgeschlagenen Thema ganz zufrieden, zumal die Vorgaben eher lose sind. Etwas betrübt bin ich allerdings, dass eine ganze Reihe Missverständnisse aufgetaucht sind, wie ich in den Kommentaren gelesen habe. Vielleicht habe ich mich nicht klar ausgedrückt, wie ich diese Top 10 zusammengestellt habe. Deshalb hier einige Bemerkungen zu den Fragen, frei und lose in der Reihenfolge:
- Ich habe schon vor der Erscheinung des NES in Europa Videospiele gezockt. Die Gründe für die mangelhafte Berücksichtigung der Klassiker (Ausnahme: Colonization) sind vielfältig: Die genannten Spiele sind noch frisch im Gedächtnis, ich kann jederzeit sagen, was gut und was schlecht an diesen Spielen sind; viele Klassiker kann ich nicht mehr in ihrer Qualität überprüfen, da ich die meisten alten Spiele an Verwandte verschenke; spiele ich jedoch einen Klassiker auf der Virtual Console (wie zum Beispiel Shining Force), so stelle ich fest, dass ich gegenüber alten Spiele sehr milde in der Bewertung bin – und zwar nicht nur im technischen, sondern auch im spielerischen Bereich. Jüngere Spieler werden jedoch nicht verstehen, warum ich bestimmte alte Spiele sehr schätze, denn vieles hat ihren Reiz vor allem in der historischen und wohl auch nostalgischen Betrachtung. Das heisst jedoch nicht, dass ältere Spiele schlechter seien als die zehn von mir genannten, womit wir zum zweiten Punkt kommen.
- Da ich eine Top-Ten-Liste erstellen sollte, musste ich eine Reihenfolge wählen. Aber wenn ich ehrlich bin, sagt die Reihenfolge kaum etwas aus. Ich lieferte deshalb keine Anhaltspunkte, warum ein Spiel nun auf Platz 5 statt auf Platz 2 steht. Ich kann die Spiele in den meisten Fällen auch kaum vergleichen, schliesslich sind es Spiele in unterschiedlichen Genres mit unterschiedlicher Spielphilosophie. Natürlich spiele ich wohl einige Spiele lieber als andere, aber so fix sind die Platzierungen nicht.
- Top-Ten-Listen sind nicht fair. Viele Spiele, die ich nicht berücksichtigt habe, hätten es auch verdient, erwähnt zu werden. Damit sind vor allem viele ältere Spiele gemeint. Mit der Liste möchte ich jedoch auch auf Spiele aufmerksam machen, die auf dem Markt erhältlich sind und nur auf weitere Kunden warten. Ich hoffe, einige Leser versuchen sich an den erwähnten Spielen und finden Gefallen an diesen.
Platz 2: Warum Regalplätze die Königsmacher sind

Regelmässig geben Händler und Publisher zu verstehen, dass zu viele Spiele auf dem Markt seien. Klemens Kundratitz von Media Koch zum Beispiel meint, es erscheinen zu viele DS-Spiele. Damit sinken auch die Umsätze der einzelnen Spiele. In diesem Beitrag weise ich darauf hin, dass ein entscheidender Faktor zu oft nicht genügend berücksichtigt wird. Die Zahl der Regalplätze hat grosse Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Kunden und auf die Verkaufschancen der Spiele. Gäbe es mehr Platz in den diversen Läden, würden viele Spiele auch länger im Regal stehen. Tatsache ist, dass in einem CD-Laden auch ältere CDs und viele Nischenprodukte zum Verkauf stehen, während Videospieler in den meisten Läden nur die Bestseller und die neuesten (geläufigen) Spiele finden.
Platz 1: Geschichtsrevisionismus von Videospielern

Als angehender Historiker bin ich sehr an die Entwicklung der Videospiele interessiert. Als Historiker weiss ich auch, dass man den Verlauf der Dinge immer unterschiedlich interpretieren kann. Kurz: Geschichtsbetrachtung ist nicht absolut, andere Meinungen müssen respektiert werden. Revisionen gehören deshalb dazu. Allerdings sollen sich alle Beteiligten einer Debatte an die Fakten halten. In diesem Beitrag habe ich mich auf die geläufigsten Formen des Revisionismus und auf Beispiele zu den Nintendo-Produkten konzentriert, aber auch die anderen Konsolen sind von den Geschichtsverdrehungen nicht verschont geblieben.
Otaku1990s Top of the Posts
Platz 3: Übersehen und unterschätzt, Vol. 1: Drill Dozer

Es gibt einige Spiele, denen angesichts ihrer Qualität viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde und die ich am liebsten jedem Videospieler aufs Auge drücken würde. Donkey Kong Jungle Beat ist eines dieser Spiele, Drill Dozer ein weiteres. Seit der Enthüllung dieses Projekts aus dem Hause Game Freak (sonst stets damit beschäftigt, das nächste Pokémon-RPG rauszupumpen) wartete ich auf einen PAL-Release, leider vergebens. In spielerischer Hinsicht ist dies völlig unverständlich, gehört Drill Dozer doch zu den kreativsten und cleversten Titeln der Spielebibilothek des GameBoy Advance. Doch leider sprachen die Verkaufszahlen für sich und das ambitionierte Projekt der Pokémon-Entwickler schaffte es niemals nach Europa. Ich jedenfalls bekam nach dem Import der US-Version nicht genug von dieser kleinen Perle und war glücklich, sie über Retro V einem breiteren Spektrum von Spielern näherzubringen.
Platz 2: Die Könige der Münzschlucker

Nach dem Konsum des fast 600-seitigen Wälzers „The Ultimate History of Video Games“ von Steven L. Kent juckte es mir in den Fingern wie selten zuvor und ich musste die Epoche, welche mich in diesem Buch am meisten faszinierte, nämlich das Zeitalter der Spielhallen-Klassiker, unbedingt noch einmal in eigenen Worten rekapitulieren. Herausgekommen ist eine äußerst nette Zusammenfassung der Hintergründe rund um Pac-Man, Donkey Kong und Co. und einer dieser Artikel, die ich (wie ich zu sagen pflege) „selbst am liebsten lese“.
Platz 1: Otaku1990 wird 18 – Eine Ode ans Videospiel
Als mein 18. Geburtstag immer näher rückte, richtete sich mein nostalgisch verklärter Blick auf meine rechtlich gesehen bald enden würdende Jugend, welche wohl durch nichts mehr geprägt wurde, als durch Videospiele, direkt wie indirekt. Statt nur die Höhepunkte meiner Zockerkarriere abzuklappern, hatte ich zum einen das Ziel, zu zeigen, wie Videospiele einen Menschen in positiver Weise beeinflussen und prägen können, zum anderen, wie sich die Haltung eines Spielers zu den Spielen über die Jahre verändert. Ich schnappte mir also wenige Tage vor meinem Geburtstag ein Stück Papier und einen Bleistift und schrieb unter der spanischen Sonne von Torrevieja ein fast 1800 Wörter starkes Essay und tippte dieses in der Nacht vor meinem Geburtstag ab, sodass es pünktlich am 24. Juli online gehen konnte. Wie man an der Platzierung sehen kann, war ich äußerst zufrieden mit dem Endergebnis.
Retro V wünscht allen Lesern einen guten Rutsch ins Jahr 2009!