Konsolen-Preiskrieg: Der Kampf um neue Käuferschichten

Endlich fängt das große Preispurzeln an! Microsoft, Sony und Nintendo haben die Preise gesenkt oder werden bald senken. Damit können sich nun auch Leute mit kleinem Budget eine Konsole leisten.

Diese Konsolengeneration gilt als die teuerste in der Geschichte: Microsoft startete mit zwei Modellen, eine Basis-Version für 300 $/€ und eine Premium-Version für 400 $/€; Sony folgte ebenfalls mit zwei Modellen für 500 bzw. 600 $/€; und Nintendo bot die Wii für 250 $/€ an, in Japan für rund 20′000 Yen (ohne Wii Sports). Hinzu kommt, dass die Konsolen sehr lange ihren hohen Preis hielten, denn Microsoft setzte den Preis für die Xbox Arcade erst Ende 2008 – fast drei Jahre nach dem Konsolenstart – auf 199$/€ runter. Sony ließ die Preise zweimal fallen, aber die günstigste Version kostete lange mindestens 400 $/€. Und Nintendo blieb einfach beim gesetzten Preis – drei Jahre lang.

Natürlich gibt es auch die andere Sichtweise: Berücksichtigt man die Inflation mit, so war ein Konsolenkauf in der Vergangenheit schon immer relativ teuer, und Spiele hatten vor dem Zeitalter der CD-Rom exorbitant hohe Preise. Dennoch beschweren sich die Spieler zurecht, dass diese Generation eine negative Entwicklung auslöste, denn sowohl Spiele als auch Konsolen wurden merklich teurer, während die zwei vorhergehenden Generationen die Kosten für die Konsumenten stabil hielten oder gar nach unten trieben.

Diese Generation hat lange gebraucht, um endlich die Preise der Konsolen zu senken, aber nun ist die Preisschlacht endlich eröffnet! Nachdem Microsoft letztes Jahr die 200-Dollar-Grenze bereits knackte, zieht Nintendo mit neunmonatiger Verspätung nach. Sony hat währenddessen die 300-Dollar-Grenze unterschritten und bietet zudem noch ein neues Design an, welches langsam das alte Modell ersetzen soll. Das Weihnachtsgeschäft profitiert von diesem Konkurrenzkampf und kann trotz Rezession auf hohe Verkaufszahlen hoffen. Die Konkurrenzsituation könnte außerdem dazu führen, dass die drei großen Hersteller noch weiter Federn lassen müssen und mit günstigen Bundles oder kleinen Geschenken den Konsumenten zum Kauf verführen wollen.

PlayStation 3 Slim

Gewiss steckt hinter diesen Preissenkungen nicht etwa Großzügigkeit, sondern die Notwendigkeit, etwas gegen die geringe Nachfrage in den letzten Monaten zu tun: Die Verkäufe haben sich seit dem Jahresanfang auf tiefem Niveau stabilisiert, eine Machtverschiebung zwischen den drei Konsolenherstellern war nicht in Sicht. Sony hat dank der Offensive mit dem Redesign und der Preissenkung mehrere Wochen gute Schlagzeilen gemacht, derart dass Nintendo überraschend nachziehen musste, obwohl ihre Verkäufe lange besser waren als jene der Konkurrenten. Ob diese Preisrunde die Konsumentenstimmung nachhaltig verbessert? Angesichts der Tatsache, dass die Hiobsbotschaften in der Wirtschaft nicht weniger werden und nach wie vor wöchentlich Hunderte von Leuten ihre Arbeit verlieren, kann man sich zu Recht fragen, ob die Konsumenten in den nächsten Monaten wirklich Spielkonsolen kaufen wollen – geschweige denn Spiele, die generell keine Vergünstigungen erfahren. Eine ausbleibende Erholung der Märkte würde zwar schneller zu einer weiteren Preissenkung führen, aber sie würde die Spielindustrie kurzfristig noch tiefer in die Krise stürzen lassen. Nur höhere Konsolenverkäufe können mehr Absätze ermöglichen!

Zum Schluss möchte ich noch eine Prognose wagen: Eine weitere Preissenkungsrunde wird bereits im nächsten Jahr stattfinden, und damit meine ich Preissenkungen von allen drei Herstellern. Noch zögern ärmere Haushalte mit dem Kauf einer Konsole, denn noch haben die drei Spielkonsolen die 150-Euro-Grenze nicht unterschritten, eine Grenze, die in der letzten Generation zu diesem Zeitpunkt bereits geknackt gewesen wäre. Um neue Käuferschichten zu erreichen, können die Konsolenhersteller deshalb gar nicht anders als die Preise weiter nach unten zu korrigieren. Nicht nur die Konsumenten würden ihnen danken, sondern auch die Dritthersteller.

3 Antworten zu „Konsolen-Preiskrieg: Der Kampf um neue Käuferschichten“

  1. Dennis sagt:

    Ich kann der kleinen Marktanalyse nur zu stimmen. Die Preissenkungen kommen wirklich relativ spät und vor allem Sony könnte ruhig noch etwas tiefer gehen.

    Derzeit befinde ich mich in England, wo die Preise durch die Wirtschaftskrise momentan mit dem EURO-Festland vergleichbar sind: so erhält man hier z.B. bei einem großen Spielehändler die neue PS3 samt Uncharted2 und einer Film-Blue-Ray für ca. 285 Pound (ca. 313 EUR); die Xbox360 Elite hingegen gibt`s für ca. 240 Pound (ca. 265 EUR) mit 4 neuen Spielen (Toptitel wie Halo ODST usw.) inklusive. Das Xbox360 Elite Grundgerät ist für 199 Pound zu haben. Es scheint, als würde Microsoft mit solchen Angeboten bald an Sony vorbeiziehen zu können (was mich, trotz Besitzer beider Konsolen, als Playstationspieler erster Stunde etwas schmerzt).

    Neben den lange sehr hohen Kosten für die Konsolen selbst, werden mit Sicherheit aber auch die Preise für adäquate LCDs /TFTs ein Grund dafür sein, dass viele mit dem Kauf warten / gewartet haben. So war es jedenfalls bei mir. Ein neuer Fernseher war bei Gamecube, Xbox und PS2 damals ja noch nicht mit einzuberechnen, heute hingegen ist das gewissermaßen „mandatory“.

  2. Oliver sagt:

    „Es scheint, als würde Microsoft mit solchen Angeboten bald an Sony vorbeiziehen zu können (was mich, trotz Besitzer beider Konsolen, als Playstationspieler erster Stunde etwas schmerzt).“

    Dafür erhält man mit der PS3 aber auch eine Konsole mit eingebautem Wi-Fi, Blu-ray-Player und einem kostemlosen Online-Service (wobei es natürlich zur Diskussion steht, was man davon wirklich braucht). Letzterer ist auch der primäre Grund, weshalb ich mir in Zukunft meine Online-Titel nur noch für die PS3 kaufen werde, da ich es leid bin, jedes Jahr um die 40 Euro für Xbox Live zu zahlen (und meine Brüder jeweils ebenfalls). Kurz, ich halte das Preis-Leistungsverhältnis bei der PS3 für sehr gut, auch da die Microsoft-Konsole, wie gesagt, viele versteckte Kosten enthält. Die Feiertage sehen auf jeden Fall rosig aus: Viele tolle bis geniale 1st Party Titel, endlich die PS Network Tickets auf dem hiesigen Markt und hoffentlich viele neue Online-Spieler (also Neu-Besitzer einer PS3 slim), die ebenso hoffentlich die Server füllen und für eine anwachsende Community sorgen.

    Das mit den HD-Geräten musste ich mir auch anhören. So habe ich meine PS3 für gut 1 1/2 Jahre an einem SD-Gerät betrieben (am Anfang sogar nur an einem kleinen Fernseher), denn mir war es wichtiger, die Titel, die mich ansprachen, überhaupt spielen zu können (und das konnte man, entgegen anderslautender Behauptungen selbst ernannter Technik-Freaks, sehr wohl). Die Frage, Uncharted nur in SD oder für mindestens ein weiteres Jahr nicht spielen zu können, stellte sich also gar nicht erst.

  3. piccolo-junior sagt:

    Ich glaube nicht, dass es Videospieler gibt, die keine „Next-Gen“-Konsole haben, nur weil dies über EUR 150.- kostet. Mit den tiefen Preisen lohnt sich jetzt die Anschaffung einer Zweit- bzw. Drittkonsole. Ich liebäugle langsam auch mit dem Kauf einer PS3, vor allem wegen der Blue-Ray Funktion.

    Das man ein HD-Gerät zum Kauf einer PS3/Xbox dazurechnen sollte, halte ich für übertrieben. Ich game heute noch vorwiegend auf einem SD-Gerät. Dem Spielspass tut dies keinen Abbruch.

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