Warum „Non-Games“ trotzdem Spiele sind

Der DS hat mit seinen Eingabemöglichkeiten wie Touch Screen und Micro einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sony, denn manche Spiele funktionieren nur auf dem DS, während die überwältigende Mehrheit der PSP-Spiele auch auf Heimkonsolen machbar wäre, ein Teil sogar auf dem DS – mit einer etwas bescheideneren Grafik. Kein Wunder, sind die meisten PSP-Spiele nur Ports, auch deshalb, weil die Entwickler ihre Produktionskosten in Grenzen halten wollen.

Alleine mit dem Touchscreen und dem Micro kann man den Erfolg des DS jedoch nicht erklären! Nintendo benötigt auch die richtigen Spiele dafür, gut designte Spiele mit einer guten Nutzung des Interfaces. Dabei fährt Nintendo auf zwei Schienen: Einerseits werden altbekannte Genres, Serien oder Figuren für diese Spiele verwendet – zum Beispiel Wario Ware, Kirby’s Power Paintbrush oder Yoshi Touch & Go. Andererseits entwickelt EAD, Nintendos Softwareschmiede, völlig neue Spiele wie Nintendogs und Brain Training, die jetzt zu wichtigen Franchises aufgestiegen sind. Die Überraschung liegt darin, dass die bekannten Spieleserien zwar gute bis sehr gute Verkaufszahlen erreicht haben, aber die neuen Spiele sich nicht nur weltweit millionenfach verkaufen, sondern darüber hinaus neue Zielgruppen erreichen können und zum Systemseller geworden sind.

Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

Core Gamer nennen diese neuen Spiele oft „Non-Games“, also „Nichtspiele“, und geben dadurch ein Werturteil ab. Nintendogs und Brain Training lassen sich nur schwer in den gängigen Genres einordnen: Während Nintendogs halbwegs als Simulation gelten kann, passt Brain Training in kein Spielgenre richtig rein. Zudem fehlt in Nintendogs und Animal Crossing (ein weiteres Non-Game) ein konkretes Ziel. Doch gerade weil diese Spiele sich von den gängigen Spielen und Genres unterscheiden, können sie eine neue Kundschaft ansprechen. Weil die bisherigen Spiele größtenteils nur langjährige Spieler anlocken können, verlieren die bekannten Serien immer mehr an Attraktivität. Deshalb haben Nintendos neue Zugpferde so viel Erfolg! Der Erfolg des DS kam nur zustande, weil Nintendo nicht nur die Vielzocker, sondern auch die Gelegenheitsspieler und neue, ungeübte Spieler anspricht. Außerdem lockt Nintendo auch die ehemaligen Spieler wieder zum Spielen an. Diese Spieler haben ihr Interesse verloren, seit die Industrie immer wieder auf gängige Spielideen und Genres setzt. Nun bietet Nintendo erstmals wieder eine neue Erfahrung.

Übrigens ist Brain Training in seiner Natur ein „richtiges“ Spiel: Es geht darum, Rekorde aufzustellen und täglich das bestmögliche Resultat zu erzielen. Der Unterschied zu den bisherigen Spielen liegt einzig darin, dass die Aufmachung einen wissenschaftlichen Touch hat, und dass mindestens ein Drittel der Aufgaben den Leuten einleuchten, wie sie die Gehirnaktivität und die mentale Frische verbessert. Also anders als in den üblichen Spielen, die teilweise auch sehr viel geistige Aktivität fordern, jedoch nicht klar zum Ausdruck bringen können, dass das Programm die geistige Entwicklung fördern könnte. Zyniker neigen deshalb dazu, den Erfolg von Brain Training in seiner Aufmachung zu suchen. Das mag bis zu einem gewissen Grad richtig sein, dennoch würde ich jedem empfehlen, das Spiel auszuprobieren. Denn das einfache 1+1 und 1×1 wird heutzutage zu sehr vernachlässigt, auch hilft das Lautlesen sehr, längst vergessene Fähigkeiten wieder zu aktivieren. Zwar richtet sich Brain Training explizit an Erwachsene, aber vor allem Kinder können sehr von den Übungen profitieren. Sie müssen allerdings täglich üben, denn das fordert Dr. Kawashima, der als Namensgeber und „Maskottchen“ die Spieler zum Üben ermutigt. Vormerken sollten sich die Pisa-Versager auch „Big Brain Academy“ und „English Training“, zwei weitere Spiele mit pädagogischem Touch.

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7 Antworten zu Warum „Non-Games“ trotzdem Spiele sind

  1. Ness sagt:

    Mal wieder super geschrieben, kurz und bündig, klasse Artikel. =)

  2. Sim sagt:

    Sehr gut! Dr. Kawashima rult und hat bei nem Kumpel und mir schon Kultstatus erreicht ^.^ In der Tat hat Braintraining doch wirklich genausoviel Spielflair wie Tetris. Eben Rekorde knacken.

  3. Shou sagt:

    Bullshit

    Non-Games sind keine richtigen Games und durch die vielen miesen Non-Games werden die Charts und die Spielewelt verseucht. Hoffentlich kommen die Kunden von dem Trip wieder runter und kaufen diesen Bullshit nicht mehr. Wenn es so weitergeht sehen wir bald keine richtigen Games mehr, sondern nur noch diesen Crap

    mfg Shou

  4. Tim sagt:

    Was sind den deiner Meinung nach “echte” Games?
    SingsStar, Buzz, … ha ha ha
    & haben diese “Spiele” die PS2 verseucht?
    owned

  5. motherfreak sagt:

    Also ich persönlich spiele Animal Crossing und Nintendogs (welches mein Bruder besitzt, aber irgendwann hole ich mir meine eigene Version), interessiere mich auch für Big Brain Academy (wii), aber Brain Training will und kann mich nicht begeistern.

  6. Mr. Nutz sagt:

    Mist, der sein Geld nicht wert ist. Wenn ich Gehirnjogging machen will, dann spiel ich Sodoku, mache irgendwelche Logikrätsel oder reche ein Paar Runden im Kopf. Oder ich lege eine BILLIGE CD Rom in meinen PC. Kann man überall kaufen, für unter 10 Euro!

    Auf meinem Handheld will ich SPIELEN. Oder kauft sich jemand ein Legoset um daraus eine Ablageschale für seine Schrauben zu basteln?

  7. ness sagt:

    @ Mr. Nutz & “Auf meinem Handheld will ich SPIELEN.”:

    Wieso kann man denn mit Gehirnjogging nicht spielen? Zumal dein erwähntes Sodoku auch noch dabei ist ;).

    @ “Wenn ich Gehirnjogging machen will, dann spiel ich Sodoku, mache irgendwelche Logikrätsel oder reche ein Paar Runden im Kopf.”

    Ich bezweifel aber, dass das so effektiv ist. Es ist ja nicht so, dass an dem Spiel irgendjemand mitentwickelt hat, der Mann wird sich auf seinem Gebiet schon auskennen^^. So viel dann auch zu den billigen CD Roms.

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